Die Lehman-Pleite von 2008, die die Finanzkrise erst so richtig ins Rollen brachte, und etliche kleine Sparer um ihr Erspartes, ist bei den Zentralbanken der Eurozone mittlerweile fast abgehakt.

Doch während Käufer von Lehman-Zertifikaten nichts in der Hand hatten und maximal einen Teil der Verluste von ihrer Hausbank oder Sparkasse erstreiten konnten, waren die Kredite des Eurosystems an Lehman Brothers zwar milliardenschwer, doch mit Sicherheiten hinterlegt. Wie nützlich die waren, zeigt sich jetzt.

Die Lehman-Pleite von 2008 geht aus Sicht der Zentralbanken in der Eurozone gut aus. Sie konnten die Sicherheiten für ihre Lehman-Kredite so gut verwerten, dass sie nun hoffen, den Rest aus der allgemeinen Insolvenzmasse zu bekommen. dapd

Nach Angaben der Deutschen Bundesbank, die bis 2008 als geldpolitischer Agent des Eurosystems Kredite an Lehman vergab, hatte das Eurosystem Ende 2012 nur noch Verlustrückstellungen für geldpolitische Geschäfte mit Lehman von 300 Millionen Euro offen. Ende 2011 waren es noch 949 Millionen gewesen und Ende 2008, also wenige Monate nach dem Zusammenbruch, rund 5,6 Milliarden. Der größte Teil der Rückstellungen war direkt nach der Lehman-Insolvenz gebildet worden.

Dass mittlerweile kaum noch Rückstellungen gebildet werden, liegt daran, dass alle offenen Forderungen der Bundesbank gegen Lehman erfüllt werden können. Ende 2008 hatte die Bundesbank Forderungen aus Krediten an Lehman über 8,5 Milliarden Euro. Aus den Sicherheiten, die Lehman für diese Kredite der Bundesbank hinterlegen musste, wurden bis Ende 2012 rund 7,4 Milliarden erlöst. Die jetzt noch fehlenden 1,1 Milliarden dürfte die Bundesbank bei den in Deutschland und den USA noch laufenden Insolvenzverfahren loseisen.

„Wenn alles läuft wie geplant, werden wir unsere vollen Forderungen über 8,5 Milliarden Euro erhalten", sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Joachim Nagel jetzt in Frankfurt. Worauf die Bundesbank zusätzlich hoffen kann, sind ausstehende Zinsen von rund 800 Millionen Euro.

Bei den von Lehman eingereichten Kreditsicherheiten handelte es sich übrigens um 33 Papiere, darunter 30 hoch komplexe, mit Vermögenswerten hinterlegte Verbriefungen, in denen, wie Nagel sagte „Lehman wiederum selbst enthalten war". Als die Bundesbank sie 2008 entgegen nahm, hatten sie ein Rating von A-, was damals die Untergrenze dessen darstellte, was das Eurosystem bei derartigen Asset Backed Securities (ABS) akzeptierte.

Hat sich die Bundesbank übers Ohr hauen lassen? „Ich vermute mal, dass da heute kein A-Minus-Rating mehr draufstehen würde", sagte Nagel und räumte ein, dass die von der Bundesbank damals vorgenommenen Berwertungsabschläge, die sogenannten Haircuts, keine ausreichende Sicherheit geboten haben. Dies zeigt auch die Gegenüberstellung des Verkaufserlöses von 7,4 Milliarden und der Gesamtforderung von 8,5 Milliarden Euro.

Allerdings steht das Eurosystem als bevorrechtigter Gläubiger bedeutend besser da als andere Lehman-Gläubiger. Das liegt einerseits daran, dass die Bundesbank über die Pfänder verfügte und andererseits, dass sie sich bei deren Verwertung Zeit nehmen konnte. „Es hat sich bewährt, dass das Eurosystem nicht auf Fire Sales gesetzt hat", sagte Nagel.

Sein Lehman-Fazit fällt daher auch relativ freundlich aus: „Es war kein gutes Geschäft, aber eine lehrreiche Erfahrung mit einem guten Ende."

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