Auszubildende in einem Brandenburger Umspannwerk von Eon. dapd

Die Gewerkschaftsmitglieder beim größten deutschen Energiekonzern Eon EOAN.XE +0,25% E.ON SE Germany: Xetra 13,86 +0,04 +0,25% 21 Aug. 2014 17:35 Volumen (​15 Min. verzögert) : 5,42 Mio. KGV 7,83 Marktkapitalisierung 27,65 Milliarden € Dividendenrendite 1,23% Umsatz/Mitarbeiter 1.967.420 € geben sich mit Lohnerhöhungen um 2,8 Prozent zufrieden. In einer Urabstimmung nahmen die Beschäftigten die Tarifeinigung an, die die Gewerkschaften Verdi und IG BCE mit dem Arbeitgeber ausgehandelt hatten. Verdi bezifferte die Zustimmung unter den eigenen Mitgliedern auf 64,2 Prozent. Die IG BCE sprach von rund 73 Prozent Zustimmung.

Die Gewerkschaften hatten in der Tarifauseinandersetzung für rund 30.000 E.ON-Beschäftigte zunächst 6,5 Prozent mehr Lohn gefordert. In den Verhandlungen erreichten sie außer der Tariferhöhung um 2,8 Prozent und einer Einmalzahlung in Höhe von 300 Euro auch eine Vereinbarung zur Übernahme von Auszubildenden: Ausbildungsabsolventen des Jahres 2014 würden befristet für 12 Monate übernommen, teilte Verdi mit. Bis zum Jahr 2016 soll zudem eine Regelung für neu gegründete Konzerngesellschaften gelten. Die Tarifbindung von Mitarbeitern, die in solche Tochterunternehmen wechseln, wird nach Verdi-Angaben mindestens bis dahin "berücksichtigt".

Den Tarifstreit bei Eon hatten Verdi und IG BCE mit für die Energiebranche bislang ungewohnter Härte ausgetragen. Die Gewerkschaften riefen sogar zur Urabstimmung über einen Streik auf. Mehr als 90 Prozent der bei E.ON beschäftigten Mitglieder von Verdi und IG BCE stimmten daraufhin für einen unbefristeten Arbeitskampf. Zur Annahme des Tarifabschlusses war deshalb die nun beendete zweite Urabstimmung nötig.

Die Tariferhöhung fällt für Eon in eine schwierige Zeit. Das Unternehmen leidet wie andere Energieversorger unter den Folgen der Energiewende: Während Strom für Verbraucher immer teurer wird, sinken die Großhandelspreise. Gründe dafür sind das zeitweise bestehende Überangebot an Strom aus Erneuerbaren Energien und die derzeit verhaltene Nachfrage in Deutschland sowie den Nachbarländern. Weil Elektrizität etwa aus Windkraft und Sonnenenergie Vorrang bei der Einspeisung hat, sind konventionelle Kraftwerke immer seltener am Netz. Eon prüft deshalb die Schließung solcher Anlagen. Der Konzern reduziert zudem die Investitionen und will weltweit rund 11.000 Stellen abbauen.

Auch beim Energieversorger RWE schwelt weiter ein Tarifstreit. In der Auseinandersetzung bei dem Eon-Konkurrenten geht es allerdings vorrangig um eine Regelung zur Beschäftigungssicherung. Nach Gewerkschaftsangaben hat sich RWE mittlerweile bereit erklärt, den Kündigungsschutz zu verlängern. Verdi und IG BCE haben mit dem Unternehmen deshalb für den morgigen Freitag eine weitere Verhandlungsrunde vereinbart. RWE will nach früheren Plänen weltweit rund 8.000 Stellen abbauen. 2.400 Arbeitsplatzstreichungen könnten hinzukommen. Auch RWE ist von den Folgen der Energiewende betroffen.

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