Ein makabrer Verkehrsunfall erschüttert Argentinien: Auf der Panamericana, einer der wichtigsten Ausfallstraßen von Buenos Aires, rammt ein Auto einen Radfahrer. Dieser wird auf die Kühlerhaube katapultiert, durchschlägt die Windschutzscheibe und landet mit dem Kopf im Beifahrersitz - seine Beine liegen auf der Kühlerhaube. Nach Polizeiangaben starb er beim Aufprall. Doch wie reagiert der Unfallverursacher? Er fährt mit der Leiche noch etwa 18 Kilometer weiter und hält erst an der nächsten Mautstelle.

Ein Verkehrsunfall erschüttert Argentinien: Auf einer der wichtigsten Ausfallstraßen von Buenos Aires hat ein Autofahrer einen Radfahrer zuerst angefahren und ihn dann 18 Kilometer auf seiner Kühlerhaube mit sich geschleppt. Das Unglück ist Höhepunkt einer Reihe von schweren Unfällen in der argentinischen Hauptstadt. Reuters

Nach Angaben eines Polizeisprechers beschrieb der 28-jährige Autofahrer, bei dem ein Alkoholspiegel von 1,45 Promille gemessen wurde, die Szene im Verhör später so: Er habe nicht realisiert, dass der Mann sein Unfallopfer gewesen sei. Der Angestellten an der Mautstelle habe er gesagt: „Ich bringe einen Überfahrenen." Die Schwester des Opfers besteht darauf, der Unfallfahrer habe der erschrockenen Kontrolleurin einen großen Geldschein hingehalten und gesagt: „Wie? Soll ich jetzt für zwei zahlen?"

Der Unfall ist der jüngste seiner Art in einer Serie schwerer Verkehrsunfälle in der Hauptstadt Argentiniens und in den Vororten. Aufsehen erregte etwa die „Tragödie von Recoleta", eines der vornehmsten Stadtviertel von Buenos Aires. Dort fuhr Ende Januar ein Taxifahrer mit stark überhöhter Geschwindigkeit auf die falsche Straßenseite, rammte mehrere Autos und tötete eine Fußgängerin.

Die Unfälle sind dabei das Symptom eines generellen Problems: Auf den Straßen von Buenos Aires gilt das Recht des Stärkeren. Dabei sind Omnibusse stärker als Autos, Geländewagen stärker als Kleinwagen - und allesamt sind sie stärker als Motorradfahrer, Radfahrer und Fußgänger. Selten kommt es vor, dass Autofahrer beim Abbiegen Fußgänger geduldig passieren lassen. Die „Porteños", wie die Einwohner von Buenos Aires genannt werden, haben einen siebten Sinn entwickelt, wann sie zur Seite springen müssen.

Unfallverursacher ist Sohn eines Prominenten

Der makabre Unfall auf der Panamericana bewegt die Argentinier auch, weil es sich bei dem Fahrer Pablo García um den Sohn des bekannten Publizisten Eduardo Aliverti handelt, einer moralischen Institution im Land. Aliverti hatte sich stets auf die Seite der einfachen Menschen geschlagen - Menschen wie der Radfahrer, der nun durch seinen Sohn ums Leben kam. Das Opfer, das eine Frau und einen Sohn hinterlässt, war auf dem Weg zur Arbeit in einem Nobelviertel.

Der Unfall ereignete sich bereits am vergangenen Wochenende. Erste Details nannte die Polizei jedoch erst Mitte der Woche. Es war Aliverti selbst, der auf seiner Facebook-Seite seinen Sohn als Fahrer bekannt machte. Das Unglück sei „herzzerreißend und nicht wieder gut zu machen", schrieb er. Er bitte um einen fairen Prozess für seinen Sohn, gegen den nun wegen Totschlags ermittelt wird.

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