Zurück zu Bunga-Bunga? Die Anleger fürchten einen Wahlsieg Silvio Berlusconis bei den italienischen Parlamentswahlen am kommenden Sonntag und Montag wie der Teufel das Weihwasser. Der gesamte Reformkurs Mario Montis wäre gefährdet, es drohte ein neuer Vertrauensverlust in die Eurozone und den Euro. Zugleich sind skeptischere Töne von der US-Notenbank zu hören und Anfang März drohen automatische Haushaltskürzungen in den USA. Ein gefährlicher Cocktail für die Aktienmärkte.

Die Mehrheit der Auguren glaubt zwar noch immer, dass sich die Mitte-Links-Koalition von Pier Luigi Bersani durchsetzen wird. Allerdings ist der Abstand zu Berlusconi, der unpopuläre Steuererhöhungen wieder rückgängig machen möchte, laut den letzten veröffentlichten Umfragen bis auf wenige Prozentpunkte geschmolzen. Wie die spektakuläre Aufholjagd Berlusconis bei den Wahlen 2006 nahelegt, wäre es ein großer Fehler, den Cavaliere zu früh abzuschreiben.

Schreckgespenst für die Märkte: Der frühere italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi. dapd

Aber selbst wenn Bersani im Abgeordnetenhaus den Sieg davontragen sollte, ist eine Mehrheit im Senat mehr als ungewiss. Aus Marktsicht sind das nicht unbedingt schlechte Nachrichten, solange damit die Chancen auf eine Koalitionsregierung mit der Partei Mario Montis steigen. Jede Beteiligung Montis an der nächsten italienischen Regierung würde an den Finanzmärkten mit Erleichterung aufgenommen werden und vermutlich eine Marktrally auslösen.

Ein Wahlsieg Berlusconis wäre dagegen das schlechteste Ergebnis für die Börsen. Nicht nur die europäischen Aktienmärkte, sondern auch die Anleihemärkte der Peripherie würden unter Druck geraten. Dem langsam wiederkehrenden Vertrauen der Anleger in die Eurozone drohte ein herber Rückschlag. Nicht auszuschließen, dass sich die EZB genötigt sähe, erneut am Bondmarkt zu intervenieren. Dies wäre dann allerdings das Zeichen für taktisch agierende Anleger, wieder einzusteigen.

Auch Nachrichten aus den USA stehen im Blick

Mit der Anhörung von Fed-Chairman Ben Bernanke vor dem Bankenausschuss des US-Senats steht am Dienstag ein zweiter wichtiger Termin für die Finanzmärkte auf der Agenda. Einige Mitglieder der US-Notenbank hatten sich zuletzt überraschend skeptisch zur eigenen Geldpolitik geäußert und vor den Gefahren des billigen Geldes gewarnt. Sie meinen, Investoren und Banken könnten durch die ultralockere Geldpolitik dazu verleitet werden, zu hohe Risiken einzugehen. Die Aussagen hatten zu Abgaben an den Börsen und zu einer Aufwertung des Dollar geführt.

Bernanke dürfte aber moderatere Tone anschlagen und so zu einer Beruhigung der Märkte beitragen, insbesondere falls es zu negativen Marktreaktionen nach der Italien-Wahl kommen sollte. Aber auch ohne Italien: Ein Abstellen der Notenpresse in den USA ist wegen der nach wie vor hohen Arbeitslosigkeit und der niedrigen Inflation bis auf weiteres nicht in Sicht. Nicht auszuschließen, dass das Volumen der Anleihenkäufe vorzeitig gedrosselt wird - das ist aber kein Thema für die kommende Woche.

Ein Thema sind aber die Anfang März in Kraft tretenden automatischen Ausgabenkürzungen in den USA im Volumen von 85 Milliarden Dollar pro Jahr. Die Anleger hoffen nach wie vor auf eine Einigung zwischen Demokraten und Republikanern in letzter Sekunde, so wie das bei der Umschiffung der Fiskalklippe Ende des Jahres der Fall gewesen war.

Derzeit gibt es aber keine Hinweise auf eine Annäherung zwischen den Parteien. Analysten schätzen, dass die volle Umsetzung der Kürzungen das US-BIP im laufenden Jahr um etwa 0,5 Prozentpunkte belasten würde. Sicherlich verkraftbar, für die Aktienmärkte dennoch ein potenzieller Belastungsfaktor - insbesondere, wenn die Börsianer auf dem falschen Fuß erwischt werden.

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