Aktualisiert Samstag, 27. Juli 2013, 09:35 Uhr

Mit welchen Rohstoffen Anleger Geld verdienen

Die langjährige Rally bei den Rohstoffpreisen neigt sich dem Ende zu. Doch für die vergangenen fünf Jahre sieht die Bilanz bei vielen noch sehr positiv aus, bei anderen dagegen gar nicht. Wir zeigen wer am besten abgeschnitten hat. (Datenquelle: Bloomberg, Stand: 24.7.)

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Erdgas:
Der Erdgas-Preis hat sich seit seinem Absturz im Zuge der Finanzkrise und der Rezession 2008 nicht nennenswert erholt. Dazu hat vor allem der Schiefergas-Boom in den USA beigetragen, der das Angebot auf den Weltmärkten deutlich erhöht hat. Hinzu kommt die immer größere Verbreitung von Flüssiggas, das per Schiff dorthin gelangt, wo es gebraucht wird, ohne auf traditionelle Pipelines angewiesen zu sein.
Preisentwicklung: 2013: 11%; 3 Jahre: -19%; 5 Jahre: -59% Reuters

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Aluminium
Aluminium ist einer der am vielseitigsten einsetzbaren Rohstoffe in der Industrie. Ob als Konstruktionswerkstoff, in der Elektrotechnik, als Verpackung oder etwa in der Lichttechnik, überall ist Aluminium dabei. Vom Rezessionstief Anfang 2009 hat sich dessen Preis zunächst rasant erholt und dabei mehr als verdoppelt. Seit Mitte 2011 geht es aber fast durchgehend wieder abwärts. Grund sind die bisher nur schleppende wirtschaftliche Belebung in den USA sowie das nachlassende Wachstum in China.
Preisentwicklung: 2013: -11%; 3 Jahre: -10%; 5 Jahre: -38% AFP

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Weizen
Getreide ist als nachwachsender Rohstoff sehr viel stärker von kurzfristigen Bedingungen und Trends abhängig, die von Wetterkatastrophen, Ernteausfällen oder in gegenläufiger Richtung Rekordernten bestimmt werden. Da kann zu extremen Preisausschlägen bei Agrarrohstoffen führen. Für Weizen ging es zumeist eher nach unten.
Preisentwicklung: 2013: -16%; 3 Jahre: 10%; 5 Jahre: -19% Agence France-Presse/Getty Images

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Platin
Der Platin-Preis stand zuletzt deutlich unter Druck. Nach dem jüngsten Rutsch gemeinsam mit Gold und Silber liegt er inzwischen unter den Produktionskosten. Risikobereite Anleger könnten das als Chance begreifen, weil dadurch zwangsläufig die Förderung gemindert wird, was den Preis mittelfristig wieder stützen dürfte. Dennoch müsste auch die Nachfrage des wichtigsten Abnehmers, der Autoindustrie, anziehen. Dort wird Platin für Katalysatoren in Dieselfahrzeugen gebraucht, die vor allem auf den Straßen im krisengeplagten Europa fahren.
Preisentwicklung: 2013: -5%; 3 Jahre: -5%; 5 Jahre: -17% AFP

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Kakao
Die Preisentwicklung bei Kakao wurde in den vergangenen Jahren weitgehend von der Lage in der Elfenbeinküste bestimmt. Das afrikanische Land, der größte Produzent des Schokoladen-Rohstoffs, wird immer wieder durch Unruhen und politische Machtkämpfe erschüttert. 2011 führte das dazu, dass ein Exportverbot für das wichtigste Ausfuhrgut verhängt wurde. Ein Preissturz war die Folge. In diesem Jahr läuft der Kakaomarkt in geregelteren Bahnen: Seit Jahresbeginn ging es leicht bergauf.
Preisentwicklung: 2013: 6%; 3 Jahre: -20%; 5 Jahre: -16% Agence France-Presse/Getty Images

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Rohöl
Der Preis für Rohöl der europäischen Sorte Brent hat sich in den vergangenen zweieinhalb Jahren wenig verändert. Nachdem das Tal zur Finanzkrise Anfang 2009 durchschritten war, bewegte er sich weitgehend in der Spanne zwischen 100 und 120 Dollar je Barrel. Die US-Sorte WTI hat die Erholung etwas verzögert nachvollzogen, weil der US-Boom bei Schieferöl und Ölsanden das Angebot deutlich erhöht hatte. Erst Mitte Juli hat sich der Preisunterschied zwischen beiden Sorten wieder fast ausgeglichen.
Preisentwicklung: 2013: -4%; 3 Jahre: 38%; 5 Jahre: -14% Agence France-Presse/Getty Images

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Kupfer
Kaum ein Rohstoff ist so von extremen Preisschwankungen gekennzeichnet wie Kupfer. Seit dem Tief Ende 2008 hatte sich der Preis innerhalb von gut zwei Jahren mehr als verdreifacht. Doch seitdem ging es wieder um ein Drittel abwärts. Der Kupferpreis hängt sehr stark am Bau- und Immobilienmarkt, der über elektrische Kabel, Rohrleitungen usw. als wichtiger Nachfrager gilt. So werden pro US-Eigenheim rund 200 Kilogramm des roten Industriemetalls verarbeitet, in einem Auto sind es etwa 23 Kilogramm.
Preisentwicklung: 2013: -13%; 3 Jahre: 0%; 5 Jahre: -14% Reuters

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Nach der kräftigen Abwärtsbewegung Ende 2011 hat sich der Preis für Reis, der für mehr als die Hälfte der Erdbevölkerung noch immer das Hauptnahrungsmittel ist, kaum verändert. Anfang dieses Jahres gab es einen Ausbruchversuch, der inzwischen wieder zusammengebrochen ist. Seit Anfang des Jahres steht trotzdem ein Plus.
Preisentwicklung: 2013: 7%; 3 Jahre: 55%; 5 Jahre: -5% Reuters

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Mais
Als Agrarrohstoff ist der Preis für Maissehr schwankungsanfällig, je nach Ernteerfolg geht es mal nach oben, mal nach unten. Zuletzt dominierte aber klar die Abwärtsbewegung. Grund ist die immer größere Beliebtheit von Mais bei den Bauern. So haben Farmer in den USA zum Beispiel so viel Ackerfläche mit Mais bepflanzt wie zuletzt 1936. Das US-Landwirtschaftsministerium erwartet eine Rekordernte und eine verdoppelte Lagermenge. Aber auch global wird mit einem um 13 Prozent erhöhten Angebot gerechnet.
Preisentwicklung: 2013: -27%; 3 Jahre: 37%; 5 Jahre: -12% Associated Press

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Kaffee
Mit dem Kaffeepreis geht es seit einiger Zeit kräftig abwärts, in den vergangenen zwei Jahren hat er sich mehr als halbiert. Grund sind die anhaltenden Rekorderneten in Brasilien, die selbst die Ernteprobleme in Mittelamerika ausgleichen.
Preisentwicklung: 2013: -15%; 3 Jahre: -27%; 5 Jahre: -11% Reuters

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Blei
Blei rangiert unter den Nichteisenmetallen an vierter Stelle nach Aluminium, Kupfer und Zink und wird vor allem in China, Australien und den USA gefördert. Gebraucht wird es überwiegend für Autobatterien. Entsprechend hängt die Nachfrage stark von der Autoindustrie ab, die zuletzt vor allem in Europa schwächelte. Mit dem Preis, der sich seit etwa vier Jahren zumeist in einer Spanne zwischen 1.700 und 2.700 Dollar je Tonne auf und ab bewegt hat, ging es deshalb zuletzt eher nach unten.
Preisentwicklung: 2013: -11%; 3 Jahre: 5%; 5 Jahre: -3% Reuters

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Seit zwei Jahren dümpelt der Preis für Zink noch nicht einmal auf der Hälfte des Spitzenniveaus von vor gut sechs Jahren. Seit längerem schon ist das weltweite Angebot an Zink, das vor allem für die Verzinkung von Eisen und Stahl eingesetzt wird, höher als die Nachfrage. Einige Analysten machen sich jedoch Hoffnung, weil 2013 eine Reihe von Minen in Kanada, Irland und Australien ihre Förderung einstellen. Entscheidend ist aber die Entwicklung des mit Abstand größten Zink-Verbrauchers China.
Preisentwicklung: 2013: -9%; 3 Jahre: -1%; 5 Jahre: 2% AFP

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Silber
Silber gilt ebenso wie Gold als Krisenwährung und profitierte daher wie das beliebteste Edelmetall von der Finanzkrise und den Inflationsängsten der Anleger. Bei einigen ist es sogar beliebter, weil es anders als Gold auch ein wichtiger Industrie-Rohstoff ist. Sein Preis profitiert deshalb auch von einer guten Konjunkturlage. Derzeit schwächelt aber die Nachfrage und die Krisenstimmung lässt ebenfalls nach – im Ergebnis fiel der Silberpreis 2013 sogar noch stärker als der für Gold.
Preisentwicklung: 2013: -34%; 3 Jahre: 11%; 5 Jahre: 15% Reuters

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Soja wird an den Terminmärkten gleich in dreifacher Ausführung gehandelt: Neben den Sojabohnen selbst gibt es auch Kontrakte auf Sojabohnenmehl und Sojabohnenöl. Am gefragtesten war in den vergangenen Jahren das Mehl. Mit den Bohnen war auf Fünfjahressicht dagegen kein Geld zu verdienen, Öl verbilligte sich sogar um ein Viertel.
Preisentwicklung (Mehl): 2013: 6%; 3 Jahre: 49%; 5 Jahre: 19% Agence France-Presse/Getty Images

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Baumwolle
Der Preis für Baumwolle, der auf der Welt am häufigsten eingesetzten Naturfaser, gilt als sehr schwankungsanfällig. Die Ernten der sehr durstigen Pflanze fallen unterschiedlich aus, wobei die Dürren im Zuge des Klimawandels zuzunehmen scheinen – zuletzt im vergangenen Jahr bei den zweit- und drittgrößten Exporteuren, Indien und USA. Für dieses Jahr rechnet das International Cotton Advisory Committee sogar mit dem ersten Angebotsdefizit seit vier Jahren.
Preisentwicklung: 2013: 15%; 3 Jahre: 7%; 5 Jahre: 20% Reuters

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Lebendrind
Im vergangenen Jahr sorgte die Dürre in den USA für einen deutlichen Rückgang der Viehbestände bei den US-Bauern. Inzwischen sind sie so niedrig wie zuletzt 1941. Und Besserung ist nicht in Sicht: In Texas, dem wichtigsten Rindproduzenten der USA, sind 85 Prozent der Fläche weiterhin viel zu trocken. Die Preisdelle bei Lebendrind zu Jahresanfang könnte daher schon bald wieder vergessen sein.
Preisentwicklung: 2013: -6%; 3 Jahre: 30%; 5 Jahre: 24% Reuters

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Bauholz
Holz gilt als relativ exotischer Rohstoff, den nicht viele Anleger im Fokus haben. Zuletzt gingen die Preise für Bauholz zurück, langfristig stimmt der Trend aber. Und Analysten erwarten bald neue Steigerungen, da der US-Immobilienmarkt weiter anzieht. Einige sehen das Holz sogar am Beginn einer langjährigen Rally, denn die Nachfrage von dort soll in den kommenden drei Jahren um jeweils zwischen 10 und 15 Prozent anziehen.
Preisentwicklung: 2013: -15%; 3 Jahre: 52%; 5 Jahre: 25% Reuters

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Magerschweine
Schweine wurden zuletzt immer teurer. Ein Grund war die extreme Dürre in den USA im vergangenen Jahr. Die Getreidepreise stiegen entsprechend kräftig an, so dass manche Bauern ihr Vieh notschlachten mussten. Jetzt kann das Angebot womöglich nicht mehr mit der Nachfrage Schritt halten. Auch die Grillsaison sorgt üblicherweise wegen der Lust auf Schwein für einen Preisanstieg. Sollte es jetzt noch weiter nach oben gehen, könnte es fette Jahre für magere Schweine geben.
Preisentwicklung: 2013: 15%; 3 Jahre: 18%; 5 Jahre: 26% Associated Press

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Orangensaft
Orangensaft wird immer mehr zum teuren Vergnügen. Mit Schuld ist auch ein geheimnisvoller Krankheitserreger, der 2005 wohl aus Südostasien nach Florida kam. In diesem Jahr hat sich die Gelbe-Trieb-Krankheit, die die Früchte klein hält und die Bäume absterben lässt, auf den Plantagen im ganzen Südosten der USA breit gemacht hat – mit unabsehbaren Folgen für die Ernte. Florida ist nach Brasilien der zweitgrößte Orangenproduzent der Welt
Preisentwicklung: 2013: 26%; 3 Jahre: 0%; 5 Jahre: 30% AFP

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Zucker
Mit dem Preis für Zucker geht es seit gut einem Jahr kräftig abwärts. Ausgelöst wurde der Preisrutsch durch gute Ernten in fast allen Regionen, die Zuckerrüben anbauen — etwa in Europa, den USA und China. Auch in Ländern, in denen Zuckerrohr produziert wird — insbesondere Indien, Brasilien oder Kuba —, waren die Ernteerträge gut. Und obwohl Brasilien Zucker auch stark zur Gewinnung von Biotreibstoff verwendet, konnte es noch reichlich Zucker exportieren.
Preisentwicklung: 2013: -17%; 3 Jahre: -11%; 5 Jahre: 31% AFP

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Gold
Kein Rohstoff erzielt so viel Aufmerksamkeit wie das Gold. Das liegt an der besonderen Funktion des Goldes als Ersatz- und Krisenwährung. Im vergangenen Jahrzehnt, das von Krisen geprägt war, sorgte das für einen rasanten Preisanstieg bis auf mehr als 1.900 Dollar. Zu einem bedeutenden Teil baute die Rally aber auf Ängsten auf – und auf dem billigen Geld der Notenbanken. Weil beides bald der Vergangenheit angehören könnte, geht es in diesem Jahr für Gold kräftig bergab.
Preisentwicklung: 2013: -21%; 3 Jahre: 11%; 5 Jahre: 42% Reuters

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Palladium
Palladium weist die eindrucksvollste Bilanz aller Edelmetalle auf. Es litt zwar auch unter der Ankündigung der Fed, die Anleihekäufe auslaufen zu lassen. Aber anders als bei Gold, Silber oder Platin steht seit Jahresbeginn noch immer ein Plus zu Buche. Zum einen stützen die nicht enden wollenden Streiks in den südafrikanischen Minen. Zum anderen bleibt die industrielle Nachfrage hoch, weil Palladium bei Kfz-Katalysatoren mehr und mehr das teurere Platin ablöst.
Preisentwicklung: 2013: 5%; 3 Jahre: 59%; 5 Jahre: 94% AFP