The BlackBerry has been reinvented to join the mix of today's touch smart phones. Walt Mossberg gives us his take on the new BlackBerry OS, and five important things you should know about RIM's new phones. (Photo: Research In Motion)

Der Smartphone-Markt bekommt Zuwachs. Ein neues Gerät ist im Anmarsch, und es bringt ein völlig neues Betriebssystem mit. Es ist ein reines Touch-Gerät, das ohne physische Navigationstasten und ohne physische Tastatur auskommt. Außerdem lassen sich Programme von Drittanbietern einsetzen. Es soll sich beweisen in einer Welt, die dominiert wird von Apples iPhone und Googles Android-Telefonen. Es ist ein Blackberry. Und es wurde von Grund auf neu erfunden.

Sowohl das neue Modell – genannt Z10 – als auch das aktualisierte Betriebssystem mit Namen BB10 sind Alles-oder-Nichts-Wetten von Blackberry-Hersteller Research in Motion, der sich seit Mittwoch nur noch Blackberry nennt. Seit das iPhone 2007 auf den Markt kam, hat das ehemals dominierende Unternehmen ständig an Einfluss verloren – besonders in den USA. Mehrmals wurde versucht, zugunsten von Touchscreens auf die beliebte physische Tastatur zu verzichten. Doch all diese Versuche gingen in die Hose. Der Hauptgrund war, dass das Blackberry-Betriebssystem in erster Linie dafür entwickelt wurde, um den E-Mail-Verkehr in großen Unternehmen abzuwickeln. Für App-Entwickler war die Plattform jedoch wenig geeignet.

Mit BB10 will Blackberry das nun alles ändern. Das neue Betriebssystem ist eines der wichtigsten Merkmale des neuen Z10. Es ist keine Weiterentwicklung der alten Blackberry-Plattform – es ist ein sauberer Schnitt. Die Nutzeroberfläche unterscheidet sich so sehr von ihrem Vorgänger, dass sich alteingesessene Blackberry-Nutzer zunächst fremd fühlen werden. Auch ähnelt das neue Gerät viel stärker der Konkurrenz. Vom Design der traditionellen Blackberrys ist kaum noch etwas übriggeblieben.

Ich habe das Z10 etwa eine Woche lang getestet. Weil es sich so sehr von allen bisherigen Blackberrys unterscheidet, habe ich mich dazu entschlossen, es wie ein neues Gerät von einem neuen Unternehmen zu behandeln. Um es schon einmal vorwegzunehmen: Insgesamt hat das Z10 im Test gut funktioniert. Allerdings wirkt es in bestimmten Bereichen noch unfertig. Einige Dinge haben mir sehr gut gefallen. Dazu zählen die Kamera, das Design der virtuellen Tastatur und die Möglichkeit, alle Nachrichten in einer Zentrale anzeigen zu lassen. Ein Minuspunkt des neuen Gerätes ist die Anzahl der Apps, die bisher verfügbar sind. Da ist die Konkurrenz weit voraus. Beliebte Titel aus anderen App-Stores fehlen, und auch ein Cloud-basiertes Ökosystem zum Speichern und Austausch von Dateien wie Apples iCloud oder Googles Drive ist nicht vorhanden. Doch auch sonst gibt es noch einige Dinge, die fehlen.

Die Geschichte von RIM

Eingefleischte Blackberry-Fans werden das Z10 vielleicht links liegen lassen. Schließlich kommt es ohne physische Tastatur aus. Und iPhone- und Android-Liebhaber könnten sich eventuell gegen das neue Gerät entscheiden, weil es ohne Cloud-Service auskommt und nur relativ wenige Apps zur Verfügung stehen.

Blackberry hat das Z10 und das neue Betriebssystem am Mittwoch offiziell vorgestellt. In Kanada und Großbritannien soll es bereits ab Freitag erhältlich sein. Kunden in den USA müssen sich jedoch noch bis März gedulden. Alle vier großen Mobilfunkanbieter wollen das Z10 laut Blackberry in ihr Angebot aufnehmen und für 199 US-Dollar verkaufen.

Ein zweites BB10-Telefon, das Q10, soll dann im April folgen. Das dürfte Blackberry-Fans vor allem wieder gefallen, weil es über eine physische Tastatur verfügt. Allerdings hat das Unternehmen deutlich gemacht, dass es die Zukunft der Smartphones in Modellen ausschließlich mit Touchscreen sieht. Daher will man sich auch auf diesen Bereich und die entsprechenden Geräte konzentrieren.

Video auf WSJ.com

Research in Motion CEO Thorsten Heins talks with WSJ's William Connors about what to expect from the BlackBerry 10, how much RIM is staking on the launch, and what's in store for company beyond the new phones.

Hardware

Das Z10 ist ein Stück Plastik und liegt, was Größe und Gewicht angeht, irgendwo zwischen dem dünnen und hohen iPhone 5 und den größeren und breiteren Android-Modellen. In der Hand fühlte es sich recht angenehm an. Der 4,2 Zoll große Bildschirm ist etwas größer als der des iPhone 5 mit genau 4 Zoll. Im Gegensatz zu vielen Android-Modellen ist es jedoch klein – die bewegen sich immer stärker an die 5 Zoll heran. Die Hauptkamera des Z10 macht genauso wie die des iPhone 5 oder des Nexus 4 von Google GOOG -1,57% Google Inc. Cl C U.S.: Nasdaq $568,27 -9,09 -1,57% 01 Okt. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 1,41 Mio. NACHBÖRSLICH $569,30 +0,93 +0,18% 01 Okt. 2014 19:59 Volumen (​15 Min. verzögert) : 33.095 KGV N/A Marktkapitalisierung 394,26 Milliarden $ Dividendenrendite N/A Umsatz/Mitarbeiter 1.321.030 $ Fotos in einer Auflösung von acht Megapixeln. Das Smartphone gibt es entweder in Weiß oder in Schwarz – aber nur in einer Speichergröße. Sie entspricht mit 16 Gigabyte der Basisvariante des iPhones. Allerdings lässt sich das Gerät mit zusätzlichen Speicherkarten auf bis zu 48 Gigabyte nachrüsten. Im Gegensatz zu den meisten anderen Smartphones auf dem Markt verfügt das Z10 über einen wechselbaren Akku.

Nutzeroberfläche

Wer das Z10 entsperren will, muss mit dem Finger von oben nach unten über den Touchscreen wischen. Anschließend wird einem das angezeigt, was man zuletzt getan hatte. Wischt man erneut von oben nach unten, gelangt man zur Hauptansicht. Dort werden kleinere Versionen von bis zu acht Apps angezeigt, die gerade im Hintergrund laufen. In einer Kachelansicht beinhalten alle Symbole ein paar Informationen über die jeweilige App – zum Beispiel Wetterdaten oder Termine. Bei Blackberry nennt man diese Kacheln „Active Frames". Befindet man sich in dieser Übersicht, lassen sich über ein Wischen nach Links weitere Apps anzeigen – wie man es auch von Apple und Android kennt. Wischt man von unten nach oben, wird die gerade geöffnete App zu einem Active Frame minimiert. Mir persönlich erschien diese Steuerung logisch, und ich hatte keine Probleme damit, mir die einzelnen Befehle zu merken.

Der neue Blackberry in 360 Grad

Blackberry-Zentrale

Auch wenn es eigentlich nicht der Homescreen ist, so geht Blackberry doch davon aus, dass die Nutzer des neuen Betriebssystems die meiste Zeit in der einheitlichen „Inbox" – dem Nachrichteneingang - verbringen werden. Blackberry nennt diese Zentrale den Blackberry Hub. Um den Hub zu erreichen, wischt man bei geöffneten Apps einfach nach rechts. Wenn kein Programm geöffnet ist, wischt man in einer Bewegung von unten nach oben und dann nach rechts. An dieser Stelle braucht es etwas Übung.

Im Hub laufen die E-Mails von all den Konten ein, die man auf dem Gerät eingerichtet hat. Auch SMS, Updates von Twitter, Facebook FB -3,15% Facebook Inc. Cl A U.S.: Nasdaq $76,55 -2,49 -3,15% 01 Okt. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 54,48 Mio. NACHBÖRSLICH $76,65 +0,10 +0,13% 01 Okt. 2014 19:59 Volumen (​15 Min. verzögert) : 607.676 KGV 81,44 Marktkapitalisierung 205,51 Milliarden $ Dividendenrendite N/A Umsatz/Mitarbeiter 1.580.090 $ und LinkedIn und Nachrichten des Blackberry Messenger-Dienstes werden dort angezeigt.

Im Gegensatz zu älteren Blackberrys gibt es keine verschiedenen Symbole mehr für die unterschiedlichen E-Mail-Accounts. Sie lassen sich nur über den Hub anzeigen. Allerdings kann man im Hub weiter nach rechts wischen, um jeden Account und seine Inhalte für sich zu sehen. Wenn man innerhalb des Hubs nach unten wischt, werden zukünftige Termine angezeigt.

Tastatur

Das virtuelle Keyboard des Z10 ist schnell und lässt sich einfach verwenden. Grund ist vor allem das vorausschauende Verhalten der Software. Research in Motion

Die Tastatur des Z10 ist das beste virtuelle Keyboard, das ich bisher verwendet habe. Professionelle Blackberry-Daumen-Tipper werden vermutlich nicht so schnell wie auf den traditionellen physischen Tastaturen schreiben können. Doch Ein-Finger-Tipper wie ich dürften mehr als zufrieden sein. Im Vergleich zu Android und iPhone war das Keyboard schneller und genauer. Das liegt vor allem daran, dass es die getippten Wörter voraussagen kann. BB10 zeigt Begriffe an, die vermutlich als nächstes geschrieben werden sollen. Außerdem lernt das System, welche Fehler beim Schreiben typischerweise gemacht werden und passt sich daran an. Außerdem lernt es Wörter und Redewendungen, die häufiger verwendet werden, und sogar Namen kann es sich merken.

Blackberry Z10 im Vergleich

Apps

Blackberry spricht von 70.000 Apps, die beim Verkaufsstart zur Verfügung stehen sollen. Weitere sollen kurze Zeit später folgen. Das klingt nach einer Menge. Doch Apple kommt mittlerweile auf beinahe 800.000 Programme, Android liegt bei über 700.000. Im App Store AAPL -1,56% Apple Inc. U.S.: Nasdaq $99,18 -1,57 -1,56% 01 Okt. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 50,58 Mio. NACHBÖRSLICH $99,23 +0,05 +0,05% 01 Okt. 2014 19:59 Volumen (​15 Min. verzögert) : 906.824 KGV 15,92 Marktkapitalisierung 603,28 Milliarden $ Dividendenrendite 1,90% Umsatz/Mitarbeiter 2.214.380 $ von Blackberry – genannt Blackberry World – finden sich zum Beispiel Standard-Apps wie Facebook, Twitter, Angry Birds, The Wall Street Journal, die New York Times und Major League Baseball. Zu Beginn werden jedoch Instagram, Pandora, Spotify, NPR, Google Maps und Netflix fehlen. Und noch einige mehr.

Arbeit und Privat

Wer auf ein Unternehmensnetzwerk zurückgreift, das von einer IT-Abteilung kontrolliert wird, und trotzdem zwischen privater und beruflicher Nutzung hin und herwechseln will, für den hat Blackberry eine besondere Funktion integriert. Ein Wischen nach unten und ein Drücken des „Personal"- oder „Work"-Buttons – schon ändern sich die Apps und sogar der Bildschirmhintergrund. E-Mail und Kalendereinträge bleiben jedoch gleich.

Kamera, Akkulaufzeit und Sprachqualität

Die Kamera des Z10 verfügt über ein nettes Feature mit Namen TimeShift. Damit lassen sich individuelle Gesichter bei einem Gruppenbild nachträglich anpassen, um zum Beispiel ein Gähnen durch ein Lächeln zu ersetzen. Dabei greift das Programm auf zusätzliche Bilder zurück, die kurz vor oder nach einem Schnappschuss gemacht werden. Auch Nokia NOK1V.HE +0,68% Nokia Corp. Finland: Helsinki 6,66 +0,05 +0,68% 02 Okt. 2014 13:13 Volumen (​15 Min. verzögert) : 6,21 Mio. KGV 11,28 Marktkapitalisierung 25,30 Milliarden € Dividendenrendite 3,91% Umsatz/Mitarbeiter 266.889 € hat in seinen neuen Lumia-Smartphones eine ähnliche Funktion verbaut. Bei Telefongesprächen war die Sprachqualität hervorragend. Den Akku habe ich nicht ausführlich getestet. Aber im normalen Gebrauch schien es mir, als ob das Z10 nicht so lange durchhält wie das iPhone 5. Am späten Nachmittag war der Akku schon ziemlich niedrig. Der eine oder andere dürfte mit einer Ladung über den Tag kommen – aber längst nicht jeder.

Browser

Der Browser funktioniert ordentlich, ist aber deutlich langsamer als die Standard-Modelle von Apple und Android – sogar in einem WLAN-Netzwerk. Einen Unterschied gegenüber den meisten anderen mobilen Browsern hat die BB10-Version jedoch: Sie unterstützt auf manchen Seiten Adobe ADBE -2,38% Adobe Systems Inc. U.S.: Nasdaq $67,54 -1,65 -2,38% 01 Okt. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 4,54 Mio. NACHBÖRSLICH $67,54 0,00 % 01 Okt. 2014 18:12 Volumen (​15 Min. verzögert) : 115.771 KGV 137,84 Marktkapitalisierung 34,51 Milliarden $ Dividendenrendite N/A Umsatz/Mitarbeiter 347.071 $ Flash. Allerdings muss es dafür manuell aktiviert werden.

Datenverbindungen

Das Z10 hat einen LTE-Chip eingebaut und kann darum in den momentan schnellsten verfügbaren Netzen funken. Doch mit meinem Testgerät, mit dem ich im Netz von AT&T T -0,79% AT&T Inc. U.S.: NYSE $34,96 -0,28 -0,79% 01 Okt. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 24,76 Mio. NACHBÖRSLICH $34,89 -0,07 -0,20% 01 Okt. 2014 19:59 Volumen (​15 Min. verzögert) : 4,09 Mio. KGV 10,25 Marktkapitalisierung 182,75 Milliarden $ Dividendenrendite 5,26% Umsatz/Mitarbeiter 536.510 $ unterwegs war, konnte ich nie mehr als eine Downloadgeschwindigkeit von zwei Megabit pro Sekunde erreichen. Auch dann nicht, als mir das Telefon sagte, ich befände mich im LTE-Netz. Dort sollten normalerweise Geschwindigkeiten von 15, 20 oder sogar noch mehr Mbps möglich sein. Blackberry konnte mir nicht erklären, was der Grund dieser Abweichung war.

Video-Telefonie

Mit BB10 hat Blackberry auch ein Video-Chat-Feature eingeführt, das mit Facetime von Apple vergleichbar ist. In meinem Test funktionierte die neue Funktion ohne Probleme.

Cloud

Im Gegensatz zu Android- und Apple-Geräten verfügt BB10 nicht über ein eingebautes Cloud-System, mit dem man Daten synchronisieren oder Fotos speichern kann. Blackberry verweist stattdessen auf eine Drittanbieter-App namens Box, die hauptsächlich von Unternehmenskunden verwendet wird und zumindest einige Daten automatisch synchronisieren kann. Allerdings plane man einen eigenen Dienst für die Zukunft, heißt es.

RIM stellt zwei neue Blackberrys vor

Weitere Nachteile

Man kann mit dem Z10 nicht drucken. Zumindest ist eine entsprechende Funktion vorerst nicht eingebaut. Manchmal schien es mir auch, als ob ich für grundlegende Aufgaben zu viele Schritte unternehmen musste. Ein Beispiel: Um im Hub schnell an den Anfang oder ans Ende einer langen Nachrichtenliste zu springen, muss man zunächst ins Menü gehen. Das war beim alten Blackberry-System einfacher. Allerdings hat das Unternehmen erklärt, man arbeite daran, diese Funktion wieder schneller zu machen.

Fazit

Das Z10 und das neue Betriebssystem stehen für eine radikale Neuerfindung des Blackberry. Die Hardware ist ordentlich, und die Nutzeroberfläche ist logisch und einfach zu bedienen. Ich glaube, dass Blackberry eine Chance hat, sich im Spiel der Großen zurückzumelden. Allerdings wird vieles davon abhängen, ob es dem Unternehmen gelingt, weitere App-Entwickler davon zu überzeugen, ihre Programme für eine weitere Plattform umzuschreiben.

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