Der Medienkonzern Bertelsmann will seinen Anteil an der Sendergruppe RTL teilweise zu Geld machen, um Mittel für weitere Zukäufe zur Verfügung zu haben. Geplant sei, den RTL-Anteil auf 75 Prozent von derzeit 92,3 Prozent zu reduzieren, teilte der Gütersloher Konzern mit.

Bertelsmann-Chef Thomas Rabe. dapd

Das Familienunternehmen hatte seinen eigenen Börsengang im vergangenen Jahr erstmal auf Eis gelegt und muss nun bei Bedarf andere Geldquellen finden. Die Reduzierung des RTL-Anteils würde zum aktuellen RTL-Aktienkurs rund 2 Milliarden Euro einbringen. Die RTL Group, die an den Börsen Brüssel und Luxemburg gelistet ist, hat eine Marktkapitalisierung von rund 11,6 Milliarden Euro.

RTL war lange der Goldesel des deutschen Medienkonzerns, der die Luxemburger vor einiger Zeit gerne vollständig übernommen hätte. Luxemburgisches Recht hatte es aber unmöglich gemacht, die Minderheitsaktionäre herauszudrängen. Seit Oktober vergangenen Jahres wäre ein solcher Squeeze out zwar möglich gewesen. Die Komplettübernahme hat für Bertelsmann aber inzwischen ihren Reiz verloren, weil der Medienkonzern lieber anderweitig auf Einkaufstour gehen möchte.

"Die Strategie von Bertelsmann soll auch durch akquisitorisches Wachstum umgesetzt werden. Zu unseren definierten Wachstumsplattformen zählen beispielsweise das Musikrechtegeschäft, der Bereich Bildung sowie Information Services, E-Commerce etc", sagte Bertelsmann-Chef Thomas Rabe zu der Frage, ob der Konzern Erlöse aus dem Verkauf von RTL-Aktien für Zukäufe nutzen möchte.

Rabe will Mehrheit an RTL behalten

Rabe schloss gleichwohl aus, noch mehr RTL-Anteile zu verkaufen. Eine Reduzierung bis auf 50,1 Prozent werde es nicht geben.

Im Geschäftsjahr 2011 erzielte die RTL Group einen Nettogewinn von 696 Millionen Euro bei einem Umsatz von 5,77 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der gesamte Bertelsmann-Konzern erwirtschaftete im selben Jahr nur einen Gewinn von 465 Millionen nach Steuern und Minderheitsanteilen, wobei der Umsatz 15,25 Milliarden Euro erreichte. Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2012 sollen erst im März vorgelegt werden.

"Wir begrüßen es, dass sich Bertelsmann klar dazu bekannt hat, ein engagierter und unterstützender Mehrheitsaktionär der RTL Group zu bleiben, der an die zukünftigen Wachstumsmöglichkeiten unseres Unternehmens glaubt. Und tatsächlich haben unsere Ergebnisse der vergangenen Jahre wiederholt gezeigt, dass die RTL Group sehr attraktive Geschäfte betreibt, die für unsere Aktionäre Wert schaffen," schreibt das RTL-Management in einer internen E-mail, in die das Wall Street Journal Deutschland Einsicht hatte.

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