AMSTERDAM--Der niederländische Staat hat bei dem kurz vor dem Kollaps stehenden Finanzkonzern SNS Reaal die Reißleine gezogen. Nachdem Gespräche mit privaten Investoren über eine Kapitalspritze geplatzt sind, übernimmt der Staat die viertgrößte Bank des Landes nun selbst.

Die Regierung wird dem Unternehmen eine Finanzspritze von 2,2 Milliarden Euro gewähren. Zudem wird die Regierung 800 Millionen Euro von einer früheren Rettungsmaßnahme abschreiben und die Immobilienkredite von SNS Reaal um 700 Millionen Euro wertberichtigen. Außerdem werden 6,1 Milliarden Euro an Krediten und Garantien gewährt, wie Finanzminister Jeroen Dijsselbloem auf einer Pressekonferenz ankündigte.

Der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem auf einer Pressekonferenz in Den Haag. Reuters

Die Verstaatlichung sei unausweichlich geworden, nachdem SNS Reaal in den vergangenen Tagen massive Kapitalabflüsse zu verkraften hatte, sagte er. "Ohne eine Lösung wäre SNS Reaal bankrott gegangen und hätte das Finanzsystem in Gefahr gebracht", so der Politiker.

Der niederländische Finanzsektor leidet immer noch unter der Finanzkrise, die 2008 ihren Höhepunkt erreicht hatte. Viele der nationalen "Champions" waren damals auf Rettung durch den Staat angewiesen, beispielsweise auch die ING Groep. INGA.AE -0,57% ING Groep N.V. Netherlands: Amsterdam 10,45 -0,06 -0,57% 28 Aug. 2014 17:38 Volumen (​15 Min. verzögert) : 15,61 Mio. KGV 15,83 Marktkapitalisierung 40,52 Milliarden € Dividendenrendite N/A Umsatz/Mitarbeiter 540.901 €

Um die Rechnung für den Steuerzahler gering zu halten, müssen die übrigen Banken des Landes ihren Beitrag zur Rettung der SNS Reaal leisten. Sie werden 2014 insgesamt eine Milliarde Euro berappen müssen. Die größte Bank ING lobte die Verstaatlichung trotz der auf sie zukommenden Kosten von voraussichtlich 300 bis 350 Millionen Euro als richtigen Schritt zur Sicherung des Finanzsystems.

Die Verstaatlichung ist dennoch ein herber Schlag für den niederländischen Haushalt. Dijsselbloem sagte, das Haushaltsdefizit werde sich im Rahmen der Verstaatlichung um 0,6 Prozentpunkt ausweiten. Es seien möglicherweise Ausgabenkürzungen notwendig, damit die Verschuldungsgrenze der EU von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts eingehalten werden kann.

SNS Reaal hat mit verheerenden Verlusten aus Immobilienkrediten zu kämpfen. Das hat die Finanzposition des Instituts geschwächt. Die vom Staat 2008 erhaltenen Rettungsgelder in Höhe von 750 Millionen Euro kann SNS Reaal nicht zurückzahlen.

Korrektur: In einer früheren Fassung dieses Artikels wurde die Finanzspritze der Regierung im zweiten Absatz falsch angegeben. Der Finanzkonzern wird eine Kapitalspritze von 2,2 (NICHT 3,7) Milliarden Euro erhalten. Zudem wird die Regierung 800 Millionen Euro von einer früheren Rettungsmaßnahme abschreiben und den Wert der Immobilienkredite von SNS Reaal um 700 Millionen Euro abschreiben.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de