CEDAR RAPIDS – Russel Wasendorf Senior erhält die Höchststrafe: Ein Gericht verurteilte den Gründer der Investmentfirma Peregrine zu 50 Jahren Haft, nachdem Wasendorf Betrug bei Future-Provisionen und eine Irreführung der Aufsichtsbehörden über fast 20 Jahre gestanden hatte.

Russell R. Wasendorf Senior vor Gericht. The Gazette/Reuters

Der 64-Jährige plädierte vor Gericht im vergangenen September selbst für einen Schuldspruch. Nach Angaben der US-Bundesbehörden entstand den Kunden der Peregrine Financial Group ein Schaden von 215,5 Millionen US-Dollar. So wurde dem Urteil nach ein Geschäftsmodell verschleiert, das niemals profitabel war. Außerdem wurde er dazu verurteilt, den vollen Betrag der verschwundenen Fonds als Entschädigung zurückzuzahlen.

Nach Angaben seiner Seelsorgerin Linda Livingston wurde vergangene Woche bei Wasendorf ein Geschwür an der Bauchspeicheldrüse entdeckt. Sie verweist darauf, dass Livingstones Mutter an Bauchspeichelkrebs gestorben ist.

Wasendorf wollte jedes Urteil akzeptieren

In einer kurzen Erklärung vor Gericht sagte Wasendorf: „Meine Schuld so groß, dass ich jedes Urteil akzeptiere, egal wie es ausfällt." Die persönlichen Auswirkungen der Aufdeckung des Betrugs waren laut Livingstone ohnehin schlimmer als jede Bestrafung, die das Gericht verhängen könne.

„Ich habe die Liebe meines Sohnes verloren und werde meine Enkelkinder nie wieder sehen", sagte Wasendorf mit gebrochener Stimme. Der bei Investoren, Mitarbeitern und der Futures-Branche insgesamt verursachte Schaden tue ihm „außerordentlich leid".

Wasendorfs Sohn, Russell Wasendorf Junior, war Präsident und Geschäftsführer von Peregrine. Vor Gericht sagte er, die „erbärmlichen Entscheidungen" seines Vaters seien „verheerend" gewesen. „Das hat meine Familie zerrüttet, meine Reputation ruiniert, meine Ehe und die Freundschaften mit meinen engsten und ältesten Freunden zerstört.", sagte der jüngere Wasendorf.

Falsche Daten an die Aufseher ermöglichten Selbstbedienung

Wasendorf Senior hatte an die Regulierer gesendete Finanzdaten gefälscht. Das erlaubte ihm, sich am Vermögen der Fonds von Kunden zu bedienen, um seine Firma und seinen luxuriösen Lebensstil aufrechtzuerhalten. Richterin Linda Reade kritisierte bei der Urteilsverkündung mit scharfen Worten, dass Wasendorf das gestohlene Geld für sein Leben auf großem Fuße verwendete. So engagierte er laut dem Gericht unter anderem einen Vier-Sterne-Koch für die Cafeteria von Peregrine im US-Bundesstaat Iowa.

Russell Wasendorf Sr. auf einer Aufnahme von April 2011. AP

Der Skandal kam ans Licht, nachdem Wasendorf nach einem Selbstmordversuch bewusstlos n einem Auto vor dem Hauptquartier seiner Firma aufgefunden wurde. Nach Angaben der Strafverfolgungsbehörden schrieb er seinen Betrug dann ausführlich nieder und unterschrieb ein Geständnis. Nach Auffassung der Richterin verdiente Wasendorf durch die Kooperation mit den Strafverfolgungsbehörden keine mildere Strafe, da er erst kooperiert habe, als der Betrug ans Licht kam. Auch sein Alter und seine wohltätigen Spenden hatten laut der Richterin keinen Einfluss auf die Strafe. „Mit dem Geld anderer Leute großzügig zu sein ist einfach", sagte sie.

Mitarbeit: Tatyana Shumsky und David Benoit

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