Quo vadis, Dax? Nach der überragenden Entwicklung im vergangenen Jahr geht dem deutschen Aktienmarkt inzwischen etwas die Puste aus. Auf magere drei Prozent Anstieg hat es der deutsche Leitindex seit Jahresbeginn gebracht. Da stehen andere Börsen besser da: In London hat der FTSE-100 um sieben Prozent zugelegt, der schweizerische SMI bringt es auf neun Prozent und sogar die Börse des krisengeschüttelten Italiens konnte um acht Prozent zulegen. Der heimische Aktienmarkt hängt hingegen in einer Konsolidierung unter 7.900 Punkten.

Vielleicht ist die Stimmung einfach schon zu gut. Der Sentix-Index, der den Launen der Anleger nachspürt, ist im Januar kräftig und zum fünften Mal in Folge gestiegen. Die Erwartungen seien so hoch gesteckt wie schon seit Februar 2011 nicht mehr. Viele Bullen und wenige Bären bedeutet aber auch, dass schon viele Anleger am deutschen Markt investiert sind. Der Rückenwind für die nächste Etappe der Rally könnte also noch auf sich warten lassen.

"Das gute Sentiment erinnert an den Februar 2012. Damals folgte eine 15-prozentige Korrektur für den Dax", sagt Andreas Hürkamp von der Commerzbank. Mehr als eine Verschnaufpause dürfte es diesmal aber nicht werden. Denn vor einem Jahr habe der Einbruch an den Anleihemärkten in Spanien und Italien die Aktienbörsen mit nach unten gerissen. Diese haben sich seitdem dank der Unterstützung durch die EZB kräftig erholt. Die Renditen sind wieder stark gefallen, was den Schuldnern Luft verschafft hat.

Bei der EZB-Sitzung steht der Euro im Blick

Die Saison der Quartalsberichte kommt nur schleppend in Gang. In der kommenden Woche lassen sich von den 30 Dax-Konzernen nur Munich Re und Daimler in die Bücher schauen. Bei Daimler könnten die Ergebnisse jedoch in den Hintergrund treten. Denn am Mittwoch entscheidet der Aufsichtsrat, wie lange der CEO Dieter Zetsche das Steuerrad noch in der Hand halten wird. Zur Rede stehen weitere fünf Jahre, aber am Markt kursierten Gerüchte, es könnten nur drei Jahre werden.

Neben Dieter Zetsche dürfte einmal mehr Mario Draghi ein gefragter Mann sein. Die Fragen der Journalisten werden sich am Donnerstag nach der EZB-Sitzung auf den Euro konzentrieren. Dieser scheint zum Dollar und zum Yen kein Halten mehr zu kennen. Während die Notenbank in Washington und Tokio die Geldpressen auf Hochtouren laufen lassen, benötigen die Schuldner aus der Eurozone-Peripherie weniger EZB-Mittel.

Immer mehr Dollar und Yen bei gleichzeitig weniger Euro schiebt die Gemeinschaftswährung nach oben. Das verschlechtert die Wettbewerbsfähigkeit der Exporteure in der Eurozone zusehends. Und das zu einer Zeit, in der einige Staaten der Eurozone in der Rezession stecken. Sollte Draghi den festen Euro am Donnerstag auch nur ansprechen, dürfte die Gemeinschaftswährung unter starken Druck geraten.

Kontakt zum Autor: benjamin.krieger@dowjones.com