SEOUL— Samsung ist bei einer ganzen Reihe technischer Produkte der Marktführer. Von Prozessoren bis hin zu Smartphones sind die Südkoreaner ganz weit vorn dabei. Doch es gibt einen Bereich, da besteht noch deutlich Aufholbedarf. Und das sind Digitalkameras.

Jetzt, da die Verkaufszahlen von kompakten Digitalkameras zurückgehen, wirft der Technologiegigant sein Auge auf einen speziellen Bereich, um sich mehr Marktanteile zu sichern. Samsung wettet groß auf die Verschmelzung von Smartphones und Kameras.

Video auf WSJ.com

Samsung introduced the Galaxy S4 zoom, a smartphone with a 16-megapixel camera and a 10x optical zoom. The WSJ's Min-Jeong Lee tells Yun-Hee Kim why the Korean electronics giant hopes this new device will increase its market share in the camera industry.

Am Mittwoch präsentierte Samsung das Galaxy S4 Zoom, eine neue Version seines Smartphone-Flaggschiffs S4 mit besserer Kamera, die über einen optischen Zoom verfügt.

Die Qualität von Smartphone-Kameras hat in den vergangenen Jahren ständig zugenommen. Bei der Auflösung und den Zoommöglichkeiten sind Kompaktkameras aber immer noch führend. Samsung experimentiert nun mit der Idee, dass sich eine hochwertige Kamera auch in ein Smartphone verbauen lässt und dass dieses danach noch dünn genug ist, um Käufer anzuziehen.

Das neue Gerät läuft mit der gleichen Software wie auch die anderen Galaxy-Smartphones von Samsung. Das S4 Zoom kommt zu einem Zeitpunkt auf den Markt, da die Kamerahersteller mit zurückgehenden Absatzzahlen zu kämpfen haben. 2016 wird der Markt der Digitalkameras nur noch drei Fünftel dessen sein, was er zu Höchstzeiten 2010 mit 145 Millionen verkauften Einheiten war. Das schätzen die Marktforscher von IDC.

Das Geschäft mit Digitalkameras ist eines von nur sehr wenigen Marktsegmenten, in denen Samsung es nicht geschafft hat, vom Letzten in der Reihe zum Klassenbesten aufzusteigen. Dabei konnten sich die Südkoreaner in der Vergangenheit auf ein Erfolgsrezept aus großen Investitionen, effizienter Produktion und Distribution sowie schlauem Marketing verlassen.

Samsung hat in der Vergangenheit schön häufiger von technologischen Umbrüchen profitiert und sich vor die Konkurrenz gesetzt. Während der Übergangsphase von Röhrenbildschirmen zu Flachbildfernsehern überholte man Sony. Als Smartphones normalen Handys den Rang abliefen, ließ man Marktführer Nokia hinter sich.

Lim Sun-hong, bei Samsung für das Geschäft mit digitalen Bildern zuständig, erklärt, dass er im Zusammenspiel von leichter Bedienbarkeit und drahtloser Konnektivität eines Smartphones mit der Bildqualität von echten Digitalkameras eine große Chance sieht. Die Technologie erlaubt es den Kunden, ihre hochwertigen Bilder sofort online zu teilen.

„Wir erkennen hier ein riesiges Potenzial und eine tolle Möglichkeit für uns, wenn es uns gelingt, die einfache Bedienbarkeit von Smartphones, ihre Transportfähigkeit und ihre Konnektivität mit unserem Kamerageschäft zu verbinden", sagte Lim kürzlich in einem Interview.

Samsung hatte 1979 erstmals den Kameramarkt ins Visier genommen. In Zusammenarbeit mit Minolta entwickelte man ein Modell mit Namen XD-5. Sieben Jahre später wurde dann die erste nur von Samsung produzierte Kamera auf den Markt gebracht – der Name: Winky.

Experimente mit ausgefallenen Konzepten

Als der Übergang von analogen zu digitalen Kameras an Fahrt aufnahm, wollte man auch bei Samsung vorne mitspielen. Darum experimentierten die Südkoreaner mit ausgefallenen Konzepten wie einer Kamera mit zwei Bildschirmen. Einem vorne, einem hinten – damit sich die Menschen leichter selbst fotografieren konnten.

Allerdings ist es Samsung trotzdem nicht gelungen, den Marktführern Nikon und Canon wirklich gefährlich zu werden. Laut IDC lag Samsungs Marktanteil bei Digitalkameras in 2012 bei 9,4 Prozent und damit weit hinter Canon (22,6 Prozent), Nikon (20,9 Prozent) und Sony (14,8 Prozent).

Samsung äußert sich bislang nicht zur Leistung seines Kamerageschäfts. Analysten gehen davon aus, dass man vermutlich rote Zahlen schreibt. Die Resultate werden mit denen des mobilen Geschäfts vermischt, das im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres für fast drei Viertel des operativen Gewinns verantwortlich war.

Samsungs Galaxy S4 Zoom. Samsung

2009 hatte Samsung die erste Kamera mit WLAN-Unterstützung vorgestellt. Im vergangenen Jahr entwickelten die Südkoreaner dann eine neue Kamera unter dem Dach der Galaxy-Marke. Zugriff auf das Mobilfunknetz, Einsatz von Googles mobilem Betriebssystem Android und eine Reihe von Apps – darunter das beliebte soziale Fotonetzwerk Instagram – sollten der Kamera zum Erfolg verhelfen.

Die Idee einer Kamera mit Internetanschluss ist nicht neu. Google-Manager Andy Rubin, der Mann hinter Android, sagte auf einer Konferenz in Tokio im April, dass sein Betriebssystem ursprünglich sogar für digitale Kameras und nicht für Smartphones entwickelt wurde.

Laut Lim ist die Tatsache, dass so wenige Kameras heute mit dem Internet verbunden werden können ein Zeichen dafür, wie selbstgefällig die Branche geworden ist. Seiner Meinung nach steht der Markt für einen klassischen Fall des „Innovators Dilemma". Den Platzhirschen sei es nicht daran gelegen, neue Produkte vorzustellen, die die traditionellen Melkkühe bedrohen könnten. Da Samsung jedoch nur wenige Marktanteile verteidigen muss, kann man sich Experimente erlauben, glaubt Lim.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de