Im Iran sind für die erste Runde der Präsidentschaftswahlen viele Wähler an die Urnen geströmt. Viele von ihnen hoffen darauf, dass der neue Präsident die Wirtschaft in Ordnung bringt und die außenpolitischen Beziehungen mit anderen Staaten verbessert.

Die Wahlbeteiligung fiel laut Wahlbeobachtern besser aus als erwartet. Fernsehbilder zeigten lange Schlangen, bei einigen Wahlbüros in Teheran zogen sie sich bis auf die angrenzenden Straßen. Die Wahl wurde vom Innenministerium aufgrund „des großen Andrangs" um zwei Stunden bis in den Abend verlängert. Man werde versuchen, die Stimmen schnell und akkurat auszuzählen.

Wählerin Zeynab zeigt vor der iranischen Botschaft in London die Tinte an ihrem Finger, die beweist, dass sie gerade ihre Stimme abgegeben hat. Reuters

Derzeit scheinen viele Anhänger der oppositionellen grünen Bewegung für den von den Reformern unterstützten Kandidaten Hassan Rouhani gestimmt zu haben.

Viele Staatsvertreter hatten bereits eine Stichwahl zwischen dem Kleriker Rouhani und Teherans Bürgermeister Mohammad Bagher Ghalibaf prophezeit. Erste Schätzungen gehen von einem leichten Vorsprung für Rouhani aus, Qalibaf liegt dichtauf. Das Endergebnis wird für Samstagmorgen erwartet.

Einige Anzeichen für Wahlmissbrauch sorgten unter den Mitgliedern des Wahlkampfteams von Rouhani und seinen Anhängern für Unruhe. So stand der Name des anderen Reformer-Kandidaten Mohammad Reza Aref bei einigen Wahllokalen noch auf den ausgeteilten Stimmzetteln – unter anderem in dem Lokal, in dem Rouhani seine Stimme abgab. Aref, früher Vizepräsident unter dem Reformer Mohammad Khatami, hatte seine Kandidatur aber in der vergangenen Woche zurückgezogen, damit Rouhani mehr Stimmen auf sich vereinen kann.

Gholam Ali Haddad-Adel, ein konservativer Kandidat, hatte sich am 10. Juni zurückgezogen – und sein Name tauchte auf den Wahlzetteln nicht auf. Manche Analysten fragten sich, ob dies ein absichtlicher Versuch zur Verwirrung der der Reformbewegung zugeneigten Wähler war, und um ihre Stimmen zu streuen.

Rouhanis Wahlkampfteam veröffentlichte eine Stellungnahme an das Innenministerium, in der gebeten wird, den Fehler so schnell wie möglich zu beheben. Das Innenministerium sagt, es habe die Wahllokale alarmiert.

Infografik: Der Iran wählt seinen Präsidenten

Rouhani musste jedoch noch weitere Rückschläge hinnehmen. Seine Wahlkampfseite wurde am Morgen der Wahl blockiert, nachdem er Wähler, die ihm ihre Stimme gegeben haben, dazu aufrief, ihren Namen und ihr Wahllokal auf seiner Internetseite zu veröffentlichen.

Viele seiner Anhänger sagten, sie hätten für Rouhani gestimmt, um damit ihre Ablehnung gegen das derzeitige Regime und den starken Einfluss der Konservativen auf die Politikgestaltung auszudrücken. „Ich habe für Rouhani gestimmt, weil ich unsere derzeitige Wirtschafts- und Außenpolitik nicht mag", sagt Amir, ein 28-jähriger Wähler in Teheran, der seinen Nachnamen nicht nennen wollte.

Die iranischen Staatsvertreter wählten am frühen Freitagmorgen, ihre zeremoniengleiche Stimmzettelabgabe wurde im Fernsehen übertragen. Der mächtigste Mann im Staat, Revolutionsführer Ajatollah Ali Chamenei, hatte seine Stimme als erstes abgeben. Niemand wisse, für wen er gestimmt habe, nicht einmal seine Familie, sagte er.

Präsident Mahmud Ahmadinedschad gab seine Stimme gegen 16 Uhr lokaler Zeit ab, wollte die Wahl aber nicht weiter kommentieren.

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