Angry Birds Land in einem finnischen Vergnügungspark. Rovio nutzt die Marke weit über sie Sphäre der Videospiele hinaus. dapd

HELSINKI – Im Dezember wird in der finnischen Stadt Vuokatti ein neuer Hallen-Kindervergnügungspark eröffnet, der auf dem populären Computerspiel Angry Birds basiert. Der Kinderpark ist eine weitere in einer Reihe von Attraktionen, die von dem erfolgreichen Spiel für Smartphones, Tablets und PCs inspiriert wurde.

Das populäre Spiel der finnischen Firma Rovio Entertainment ist ein ungewöhnliches, aber wichtiges Verkaufsargument für die Spielplätze des finnischen Anbieters Lappset Group, der den Park entworfen hat. Mit Hilfe der Parks, die mit der Marke Angry Birds werben, konnte Lappset die Umsätze gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent auf einen neuen Rekordwert von 57 Millionen Euro steigern.

Das Angry-Birds-Imperium weitet sich aus

Die Spielgeräte von Lappset sind nur ein Beispiel für das expandierende Angry-Birds-Imperium. Unternehmen aller Art setzen auf die wütenden Vögel – vom kleinen finnischen Süßigkeitenhersteller bis zur schwedischen Modekette H&M HM-B.SK +0,55% H&M Hennes & Mauritz AB Series B Sweden: Stockholm kr310,90 +1,70 +0,55% 18 Sept. 2014 11:24 Volumen (​15 Min. verzögert) : 536.112 KGV 27,81 Marktkapitalisierung 511,58 Milliarden kr Dividendenrendite 3,06% Umsatz/Mitarbeiter 1.707.850 kr und dem US-Spielzeughersteller Hasbro. HAS +0,62% Hasbro Inc. U.S.: Nasdaq $53,77 +0,33 +0,62% 17 Sept. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 796.406 NACHBÖRSLICH $53,59 -0,18 -0,34% 17 Sept. 2014 16:38 Volumen (​15 Min. verzögert) : 10.417 KGV 21,86 Marktkapitalisierung 6,81 Milliarden $ Dividendenrendite 3,20% Umsatz/Mitarbeiter 831.930 $ Die bunten Vögel mit den hervorstechenden Augenbrauen sind auf Softdrink-Dosen ebenso zu sehen wie auf Flip-Flops und sogar in Lehrbüchern.

„Wir sehen uns schon lange nicht mehr als Spielefirma", sagt Rovios Marketingchef Peter Vesterbacka. „Wir sind ein Unterhaltungsunternehmen." Rovio hofft, die Hälfte der Umsätze innerhalb von zwei Jahren mit Lizenzgebühren erwirtschaften zu können. Vergangenes Jahr setzte das Unternehmen insgesamt 75,4 Millionen Euro mit seiner Sparte für Konsumentenprodukte um. In dem Segment werden auch die Einnahmen für Merchandise-Artikel und Lizenzen verbucht, die rund ein Drittel zum Umsatz beitragen.

Laut Lev Mazin, Geschäftsführer bei der Marktforschungsfirma Ask Your Target Market, zeigt die Marke Angry Birds inzwischen jedoch die ersten Ermüdungserscheinungen. „Früher oder später werden sich die Leute anderen Dingen zuwenden", sagte er. Mazin glaubt, dass es schwierig sein wird, eine „Angry-Birds-Geschichte" fortzuführen, die für weitere Merchandise-Artikel notwendig sei. „Das Cleverste, was Rovio tun kann, ist weiter experimentieren und dabei zu versuchen, einen weiteren Volltreffer zu landen."

Diese iPhone-Apps verändern Ihr Leben

Rovio beschäftigt in Finnland rund 500 Angestellte. Vesterbacka schätzt, dass rund 1000 bei anderen Unternehmen beschäftigte Mitarbeiter in dem Land dazu kommen, die an der Produktion von Merchandise-Produkten arbeiten. Zum Vergleich: Finnlands größter privater Arbeitgeber Nokia beschäftigt heute 18.700 Finnen, vor fünf Jahren waren es 24.700.

Der starke Rückgang der Beschäftigung bei Nokia treibt das Land umso mehr dazu, Neulinge wie Rovio aufzupäppeln. Bei einer Start-up-Konferenz, die diesen Monat in Helsinki stattfand, waren sämtliche Tickets ausverkauft. 3.000 Besucher kamen, mehr als doppelte so viele wie im vergangenen Jahr.

Finnen beherrschen die Spiele-Charts auf dem iPhone

Helsinkis Tech-Industrie hat jüngst eine zweite Computerspiele-Macht namens Supercell Oy hervorgebracht. Das Unternehmen programmiert Spiele für Apples iPhone- und iPad-Betriebssystem iOS. Zwei der umsatzstärksten Spiele in Apples App Store AAPL +0,71% Apple Inc. U.S.: Nasdaq $101,58 +0,72 +0,71% 17 Sept. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 60,39 Mio. NACHBÖRSLICH $101,61 +0,03 +0,03% 17 Sept. 2014 19:59 Volumen (​15 Min. verzögert) : 533.645 KGV 16,30 Marktkapitalisierung 603,94 Milliarden $ Dividendenrendite 1,85% Umsatz/Mitarbeiter 2.214.380 $ komme derzeit von Supercell. Sichtbares Zeichen der Zeitenwende in Finnland: Erst kürzlich zog das Unternehmen in ein Büro, das zuvor überwiegend von Nokias Entwicklungsabteilung genutzt wurde.

Für Unternehmen wie Lappset ist das seit 2009 grassierende Angry-Birds-Phänomen ein Glücksfall. Vor der Veröffentlichung von Angry Birds 2009 hatte Rovio bereits 50 andere Spiele entwickelt – ohne größeren Erfolg. „Wir haben gesehen, was Rovio in Märkten wie den USA und China schafft und uns fiel auf, dass wir auf keinem der beiden Märkte präsent sind", sagte Lappsets Geschäftsführer Juha Laakkonen in einem Interview. „Daher gingen wir zu Rovio und fragten sie, ob wir etwas für sie tun können. Zunächst wollten wir nur einige Produkte auf den Markt bringen – doch Rovio war der Ansicht, dass wir in zu kleinem Maßstab denken."

Als Lappset auf Rovio zuging, versuchte das Unternehmen gerade einen Weg zu finden, in einer Zeit zu wachsen, in der viele Kommunen und andere Abnehmer von Spielplatz-Ausrüstung ihre Ausgaben zurückfuhren. Wettbewerber entließen Mitarbeiter, doch Laakkonen musste sein Versprechen halten, das Unternehmen auf Kurs zu halten.

Mika Ilmola, Außenhandels-Manager beim kleinen finnischen Getränkehersteller Olvi Oly, flog mit einem Flugzeug, als er einen Angry-Birds-Aufkleber entdeckte. Sein Gedanke: Warum sollte Olvi nicht Angry-Birds-Softdrinks herstellen?

Angry-Birds-Limonaden finden reißenden Absatz

Heute produziert die Firma vier Geschmackssorten unter der Angry-Birds-Marke: Tropic, Paradise, Lagoon und Comet. Die Limonaden, die im April auf den Markt kamen, verkaufen sich besser als irgendein anderes Getränk in der 134-jährigen Geschichte des Unternehmens. 7,5 Millionen Dosen wurden in acht Monaten ausgeliefert – rund ein Viertel der gesamten Softdrink-Produktion.

Rovio erlaubte Ilmola, in neue Märkte zu expandieren. „Derzeit lagern wir 100.000 Liter Angry-Birds-Limonaden in Containern im Hafen von Melbourne [Australien]." Für den Markteintritt in Russland, Skandinavien und die baltischen Staaten gibt es Pläne.

Finnlands Nahrungsmittelproduzent Oy Karl Fazer AB hofft ebenfalls auf das große Geschäft mit den Vögeln. Seine Süßigkeitenfabrik in Lappeenranta stellte 2012 mit einer Angry-Birds-Süßigkeit einen Rekord auf. „Sie produzieren Süßigkeiten in Lappeenranta seit 125 Jahren. Jetzt exportieren sie nach China und Japan", sagt Vesterbacka von Rovio.

Der Spielplatz-Anbieter Lappset ist ebenfalls auf Wachstumskurs. Seit dem Vertrag mit Rovio hat das Unternehmen 30 Angry-Birds-Spielplätze gebaut – vom kleinen Supermarkt-Spielplatz bis zu 10.000 Quadratmeter großen Vergnügungsparks in Ländern wie China, den Niederlanden und Großbritannien.

„Man kann nicht einfach rumsitzen und darauf warten, dass sich die Situation in Europa verbessert. Man muss etwas tun", sagt Laakkonen. Sein Unternehmen will kommendes Jahr Hunderte von Angry-Birds-Spielplätzen bauen.

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