Chinas Bevölkerung altert. Das könnte sich für das Land auch als Chance erweisen. Reuters

Die Zeit heilt alle Wunden. Das könnte auch für Chinas unausgeglichenes Wachstum gelten. Das Hauptproblem für die Wirtschaft des Landes sind zu niedrige Einkommen bei zu großen Spareinlagen. Daher wächst die Inlandsnachfrage nicht stark genug, um die Lücke zu füllen, die schwankende Exporterfolge und Investitionen hinterlassen.

Politische Maßnahmen konnten hier bisher keinen Wandel bewirken. Aber die alternde Bevölkerung könnte dazu beitragen, Chinas Wirtschaft wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Neue Daten über die Geldmittelflüsse in der Volksrepublik zeigen, dass der Anteil der Haushaltseinkommen am Gesamteinkommen wächst. Die jüngsten Zahlen dazu stammen aus dem Jahre 2009. Sie zeigen, dass der Anteil der Haushalte am Gesamteinkommen des Landes von 58,3 Prozent im Jahre 2008 auf 60,5 Prozent im Jahre 2009 gestiegen ist. Es ist der erste Anstieg seit dem Jahr 2000. Noch neuere Daten zeigen, dass sich der Trend fortgesetzt hat.

Auch wenn die Haushaltseinkommen steigen – die Sparneigung der Chinesen steigt gleichermaßen. Dadurch übersetzen sich die steigenden Einkommen nicht in höhere Konsumausgaben. Chinesische Haushalte sparten 2009 40,4 Prozent ihres Einkommens, 2008 waren es 39,9 Prozent und zehn Jahre zuvor nur 31,1 Prozent.

Doch genau das könnte sich bald ändern. Calla Wiemer, Expertin für die chinesische Volkswirtschaft an der University of Southern California, sagt, dass die hohe Sparneigung teilweise ein Resultat des wachsenden Anteils der Erwachsenen im arbeitsfähigen Alter in der Bevölkerung ist. Arbeitnehmer horten in der Regel mehr Geld als Kinder oder Rentner, denen dazu das Einkommen fehlt. Mit wachsender Anzahl der Arbeitnehmer wächst daher auch die Sparneigung.

Daten der Vereinten Nationen zeigen, dass der Anteil arbeitender Erwachsener in China von 1980 bis 2010 von 59 auf 72 Prozent gestiegen ist. In der Zukunft wird dieser Anteil wieder sinken, bis er 2030 ein Niveau von etwa 68 Prozent erreicht hat.

Zusätzlich sind aber auch politische Maßnahmen gefragt. Ein stärker Yuan, höhere Zinsen und höhere Dividendenzahlungen von Unternehmen in Staatsbesitz werden ebenso benötigt, um die Spareinlagen der Unternehmen zu reduzieren und die Haushaltseinkommen zu steigern. Höhere Sozialausgaben, welche die Notwendigkeit zum Sparen reduzieren, sind außerdem Voraussetzung, um die gestiegenen Löhne auch in mehr Inlandsnachfrage zu verwandeln.

Die Umsetzung dieser Maßnahmen wird nicht einfach, vor allem da eine alternde Bevölkerung das Wachstum dämpfen wird. Doch wenn Chinas neue Führung es schafft, politische Maßnahmen zu ergreifen, die in die richtige Richtung gehen, hätten sie durch den demografischen Wandel dabei Rückenwind.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de