Nur wenige Punkte trennen das Börsenbarometer Dax von seinem bisherigen Jahreshoch bei 7.479 Punkten. Die Chance steht gut, dass diese Marke in der kommenden Woche übertroffen wird.

Damit dürfte die Jahresendrally losgehen. Den Startschuss könnten zum Wochenstart bereits die Einkaufsmanager-Indizes aus China, Europa oder den USA liefern. Sollten die das Wachstumstempo bestätigen und negative Überraschungen aus dem verarbeitenden Gewerbe ausbleiben, dürfte das an den Aktienmärkten mit Kursgewinnen honoriert werden.

Aber auch alle Nachrichten aus den USA rund um die Fiskalklippe sind gut für kräftige Kursbewegungen an den Börsen. Immer optimistischer blicken die Investoren auf die Budgetverhandlungen in den USA. Die Umschiffung der Klippe wird nach den jüngsten Aussagen aus den Reihen beider politischen Lager immer stärker an der Börse eingepreist.

Kommt es doch nicht zur Einigung - dann ist viel Luft nach unten. Es scheint den Politikern in Washington bewusst zu sein, was auf dem Spiel steht, sollte das Land über die Klippe stürzen. Volkswirte prophezeien der größten Volkswirtschaft der Welt in diesem Fall für 2013 ein Wachstum nahe Null. Damit könnten weder neue Arbeitsplätze geschaffen werden noch könnte sich davon das kleine Pflänzchen der Erholung bei den Immobilienpreisen nähren. Sollten die USA die drohende Haushaltskrise aber kurzfristig lösen, könnte das nicht nur die Wall Street, sondern auch den deutschen Aktienmarkt beflügeln.

Aktionäre warten auf Notenbanker

Am Donnerstag treffen sich die Notenbanker aus Europa nochmals in Frankfurt. Beobachter gehen davon aus, dass EZB-Präsident Mario Draghi die Wachstumsprojektion nach unten korrigiert. Die Commerzbank zählt zu den Banken, die mit einer Bestätigung der Leitzinsen bei 0,75 Prozent rechnen. Ihre Argumentation: Eine Zinssenkung würde das aus EZB-Sicht drängendste Problem nicht lindern - nämlich die Fragmentierung an den Finanzmärkten. Es gibt allerdings einige wenige Stimmen, die von einer Senkung um 25 Basispunkte ausgehen.

Am Freitag folgen die wie immer mit viel Spannung erwarteten Arbeitsmarktdaten aus den USA. Nachdem der Wirbelsturm Sandy die vergangenen Wochen bereits die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe kräftig durcheinander gewirbelt hatte, dürfte er auch Einfluss auf den Jobaufbau im November genommen haben. Volkswirte rechnen damit, dass im abgelaufenen Monat in der größten Volkswirtschaft der Welt etwa 100.000 Jobs geschaffen wurden. Die Zahl beinhaltet auf Grund des Hurrikans allerdings Überraschungspotenzial.

2012 war ein gutes Jahr für die Investoren in Deutschland. Der Dax hat seit Jahresbeginn bereits 25 Prozent Kursgewinn geliefert. Wie jedes Jahr machen sich die Auguren in der Vorweihnachtszeit Gedanken, was der Kapitalmarkt im kommenden Jahr den Anlegern bringt. Für die Inhaber von Bundesanleihen wird das Aufwärtspotenzial als begrenzt eingestuft. Denn bei Renditen von 1,4 Prozent im Zehnjahresbereich wird die Luft dünn. So verwundern auch nicht die Aussagen von institutionellen Investoren, dass sie bei den Bundesanleihen nicht mehr so beherzt zugreifen.

Die Zeit der Überrenditen dürfte sich auch bei den Anleihen aus der Euro-Peripherie dem Ende neigen. Denn eine Chance wie 2012 gibt es nur für den, der bereit ist, ein Risiko einzugehen. Wer Anfang des Jahres in italienische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren investiert hat, kann einen Gewinn von knapp 20 Prozent einstreichen. Inzwischen werfen die Anleihen nur noch 4,5 Prozent ab. Risikobereitschaft wurde besonders in Portugal belohnt, wo Anleihengläubiger im langen Laufzeitenbereich knapp 50 Prozent am Plus erzielen konnten.

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