PEKING – Nordkorea will zwischen dem 10. und 22 Dezember eine Langstreckenrakete testen. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Samstag und berief sich dabei auf einen Sprecher des Koreanischen Ausschusses für Raumfahrttechnologie. Bei dem Start, dem zweiten in diesem Jahr, soll ein Satellit in die Umlaufbahn gebracht werden.

Im April scheiterte ein nordkoreanischer Raketenstart. Jetzt will es das Regime noch einmal versuchen. Reuters

Im April war ein solcher Versuch gescheitert – wie bereits mehrfach zuvor. Nordkorea sagt, man wolle mit den Raketenstarts ein friedliches Raumfahrtprogramm einleiten. Die USA und ihre Verbündeten in der Region fürchten aber, dass die Starts zur Entwicklung von Langstreckenwaffen beitragen sollen.

Ein Start wäre „ein höchst provozierender Akt, der den Frieden und die Sicherheit in der Region gefährdet", sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums. „Jeder koreanische Start mit Geschosstechnik ist eine direkte Verletzung der UN-Sanktionen."

Das südkoreanische Außenministerium erklärte, Nordkorea müsse sich auf eine „deutliche" Antwort der internationalen Gemeinschaft einstellen", wenn man die Pläne umsetze. „Das ist eine schwere Provokation, die die Bedenken und Warnungen der internationalen Gemeinschaft ignoriert."

Auch die japanische Regierung reagierte sofort. Am Samstagabend Ortszeit sagte Ministerpräsident Yoshihiko Noda, er werde sich mit den USA, Südkorea China und Russland beraten und Nordkorea dazu drängen, auf den Start zu verzichten, wie ein Sprecher des Kabinetts erklärte.

Wenn Pjöngjang den Start trotzdem durchführe, werde laut Noda die japanische Regierung alle notwendigen Maßnahmen treffen, um das Land zu schützen. Im Verteidigungsministerium soll es in der Nacht zum Sonntag eine Notfallsitzung geben, berichtete der Rundfunksender NHK.

Laut den nordkoreanischen Behörden soll die Rakete vom Raumfahrtzentrum Sohae an der Westküste des Landes in südlicher Richtung gestartet werden. Die Wissenschaftler und Ingenieure des Landes hätten die Fehler des letzten Starts analysiert und die Zuverlässigkeit der Trägerrakete erhöht, erklärte die nordkoreanische Nachrichteagentur. Man habe „ einen sicheren Kurs gewählt, so dass in der Startphase abstürzende Teile der Trägerrakete nicht die benachbarten Länder beeinträchtigen". Im April sollte die Flugbahn ebenfalls nach Süden verlaufen, über das südjapanische Okinawa, die Philippinen, Indonesien und Australien.

Kim Yong-hyun, Nordkorea-Experte an der Dongguk-Universität in Seoul, sagt, dass Pjöngjang mit dem Start mehrere Ziele verfolgt. „Erstens will Nordkorea damit die interne Geschlossenheit des Regimes unter Kim Jong-un festigen." Der 17. Dezember ist der erste Jahrestag der Machtübernahme des Sohns von Kim Jong-Il. „Zweitens will sich der Norden wie üblich in provozierender Weise für kommende Verhandlungen mit den USA vorbereiten."

—Mitarbeit: Chester Dawson

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