Mittwoch, 7. November 2012, 15:18 Uhr

Welches Tablet für wen?

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Das iPad von Apple mit Retina-Display (iPad 4)
Das große iPad von Apple ist immer noch Marktführer und das Maß aller Dinge. An ihm muss sich die Konkurrenz messen lassen. Ein halbes Jahr nach der Vorstellung des iPad 3, das Apple als „das neue iPad" präsentiert hat, spendierte Apple dem Tablet nun ein Hardware-Update mit schnellerem Prozessor und einem neuen Chip für den schnelle Mobilfunkstandard LTE, der jetzt auch in Deutschland angeboten wird – auch wenn man dazu einen Telekom-Vertrag benötigt. Apple

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Vorteile
Das iPad mit Retina-Display, wie Apple die aktuelle Version seines großen Tablets bewirbt, ist wahnsinnig schnell. In Performance-Tests überflügelt es selbst das sehr flinke iPhone 5. Ebenfalls ein riesiges Plus ist das gestochene scharfe Display. Als Retina-Display bezeichnet Apple alle Bildschirme, bei denen das menschliche Auge mit einem leseüblichen Betrachtungsabstand keine einzelnen Pixel mehr erkennen können. Weiterer Vorteil: Apple bietet immer noch die meisten Apps, die an Tablet-Größe angepasst sind: 275.000 von insgesamt verfügbaren 700.000 Apps für iPhone und iPad. Optional bietet das iPad neben einer Internetverbindung über WLAN auch eine Anbindung über das schnelle Mobilfunknetz LTE. In Deutschland wird allerdings nur das LTE-Netz der Deutschen Telekom unterstützt – Kunden anderer Provider müssen mit dem langsameren 3G-Standard UMTS vorlieb nehmen. Getty Images

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Nachteile
Größter Nachteil ist ohne Zweifel der hohe Preis: Selbst die mit 16 Gigabyte Speicher dürftig ausgestattete Basisvariante ohne Mobilfunkanbindung kostet 500 Euro, für das Tablet mit Vollaustattung und 64 Gigabytespeicher werden 830 Euro fällig. 9,7-Zoll-Bildschirmdiagonale sind Vor- und Nachteil zugleich. Das große iPad ist deutlich weniger mobil als die 7-Zoll-Klasse der Tablets. Doch nicht nur unterwegs stört die Größe. Das iPad 4 wird schwer, wenn es in längere Zeit einer Hand gehalten wird – etwa beim Einsatz als Buch-Ersatz.
Fazit: Das iPad 4 ist das richtige Tablet für alle, die bereits sind, 500 Euro oder mehr auszugeben und ein großes Display bevorzugen, weil sie das Gerät eher gelegentlich auf der Couch oder am Frühstückstisch aber nicht zum stundenlangen Lesen oder unterwegs nutzen. Wer wirklich mobil sein will oder das Tablet auch als E-Book-Reader nutzen will, sollte zur 7-Zoll-Klasse greifen. Apple

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Finger weg vom iPad 2
Seit Anfang 2011 im Handel ist das iPad 2 noch immer bei Apple erhältlich und wird für 400 Euro mit 16 Gigabyte Speicher angeboten. Um es kurz zu machen: Die Ersparnis von 100 Euro zum iPad 4 mit gleicher Speicherausstattung lohnt nicht. Das iPad 2 ist deutlich langsamer und das Display deutlich schlechter. Die Bildschirmauflösung des iPad 4 ist doppelt so hoch, was sich besonders bei der Darstellung von Schrift in E-Books, Apps und auf Websites deutlich bemerkbar macht.
Wer sich ein iPad 4 nicht leisten kann oder will, sollte sich lieber Geräte von Amazon und Google ansehen, die es schon ab 200 Euro gibt, oder das iPad mini. Das gibt es bereits ab 329 Euro. Technisch ist das iPad mini deutlich besser ausgestattet und überflügelt das iPad 2 bei der Performance mühelos. Apple

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Apple iPad mini
Das neue iPad mini bewegt sich zwischen der 7-Zoll-Welt der Tablets, die von Amazon und Google beherrscht wird und dem Markt für große Tablets mit etwa 10 Zoll, auf dem Apple mit dem iPad Platzhirsch ist. Das iPad mini hat kein Retina-Display wie der große Bruder. So bezeichnet Apple alle Displays mit einer hohen Pixeldichte, deren einzelne Bildpunkte für das menschliche Auge bei einem alltäglichen Betrachtungsabstand nicht mehr unterscheidbar sind. Apple

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Vorteile
Das iPad mini ist ein echtes iPad mit Zugriff auf die über 275.000 tablet-optimierten Apps. Auch wenn das Mini nicht an die Leistung von iPad 3, 4 und iPhone 5 herankommt, ist es dennoch schnell und kann fast alle Apps flüssig abspielen – von Spielen mit überragender 3D-Grafik wie Infinity Blade II einmal abgesehen. Größter Vorteil des Gerätes ist der kleinere Formfaktor, der es mobiler macht sowie der im Vergleich zum größeren iPad geringere Preis von 329 Euro in der Basisaustattung ohne LTE und mit 16 Gigabyte Speicher. Das iPad mini ist dünner und leichter als die Konkurrenz von Google und Amazon. Die Akkuleistung ist mit in der Praxis über zehn Stunden sehr gut. Der Bildschirm bietet mit 7,9 Zoll Bildschirmdiagonale etwa 35 Prozent mehr Bildraum als bei der 7-Zoll-Konkurrenz von Google und Amazon. dapd

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Nachteile
Damit das iPad mini mit iPad 1 und 2 vollständig kompatibel ist, entschied sich Apple beim Bildschirm für die relativ niedrige Originalauflösung des ersten iPads von 1024x768 Pixeln. Augen, die von den Retina-Displays von iPhone 4, 4S, 5 sowie iPad 3 und 4 verwöhnt sind, bemerken den Unterschied schnell. Nur so gelang auch die besonders dünne und leichte Bauweise bei gleichzeitiger sehr guter Akkuleistung. Helligkeit, Farben und Schärfe des Bildschirms übertreffen allerdings die des iPad 1 und 2. Bei gleicher Auflösung wirken Schriften schärfer als bei den älteren großen iPads, vor allem, weil die Auflösung auf einer kleineren Bildschirmdiagonale untergebracht ist. Der Preis ist zwar deutlich niedriger als beim großen iPad, gleichzeitig aber auch deutlich höher als bei der 7-Zoll-Konkurrenz.
Fazit: Das iPad mini ist derzeit der günstigste Einstieg in die Apple-Welt samt ihrer nach wie vor größten App-Auswahl für die Tablet-Klasse. Der Formfaktor ist für die mobile Nutzung und die Nutzung als E-Book geeignet. Wer sich an der geringen Auflösung des Displays nicht abschrecken lässt, der liegt hier richtig.
Den ausführlichen WSJ-Test von Walt Mossberg lesen Sie hier: Wie gut schlägt sich Apples iPad mini? dapd

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Google Nexus 7
Das 7-Zoll-Tablet Nexus 7 war der erste Versuch von Google, das konzerneigene mobile Betriebssystem Android in der Tablet-Welt zu etablieren. Wer eine Internetverbindung unterwegs benötigt, muss zur Variante für 300 Euro greifen - mit 32 Gigabyte Speicher. dapd

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Vorteile
Das Mini-Tablet von Google gibt es bereits ab 200 Euro in Deutschland. Für diesen Preis bietet es im Grunde alles, was ein Tablet-PC braucht. Das Gerät ist zwar nicht ganz so dünn und leicht wie das iPad mini – schneidet aber im Vergleich mit Geräten von Amazon und dem großen iPad von Apple in dieser Frage besser ab. Das Nexus 7 war das erste Tablet, das im Test des Wall Street Journal die Akkuleistung des iPad schlagen konnte. Ähnlich wie beim Kindle Fire von Amazon hat der Nutzer über den Google-Play-Shop Zugriff auf die Medieninhalte von Google. Daneben steht ihm aber auch die gesamte normale Android-Welt offen mit allen Apps und aller Vielfalt. Mit 16 Gigabyte Speicher für Inhalte und Apps in der Variante für 200 Euro ist das Nexus 7 ebenso gut ausgestattet wie die Basisversion des iPad. Google

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Nachteile
Der Bildschirm des Nexus 7 ist nicht so herausragend wie der des iPad 4 mit Retina-Display, er ist weniger hell und weniger hochauflösend – die Auflösung des teureren iPad mini übertrifft er aber. Die Android-Welt bietet inzwischen zwar ebenso viele Apps wie die Apple-Welt – jedoch sind noch deutlich weniger davon auf die Tablet- Größe optimiert. Auf der Geräterückseite fehlt die Kamera, die iPad und iPad mini auszeichnen.
Fazit: Das Google Nexus 7 ist das Tablet in der 7-Zoll-Variante mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. So viel Tablet gibt es sonst nirgendwo für das Geld. Wer mit den Apps der Android-Welt zufrieden ist, kann bedenkenlos kaufen. Lesen Sie den ausführlichen Test des WSJ-Tech-Experten Walt Mossberg. Google

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Google Nexus 10
Das Nexus 10 ist Googles direkter Angriff auf das große iPad. Das Tablet ist bei insgesamt mindestens gleichwertiger technischer Ausstattung rund 100 Euro billiger als Apples großes iPad. dapd

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Vorteile
Für den iPad-Angriff hat Google einiges aufgefahren: Ein Display, das die Auflösung des iPads mit Retina-Display sogar noch übertrifft: 2560 x 1600 Pixel bringt Google auf 10,1 Zoll unter, das iPad kommt auf 2048 x 1536 Pixel bei 9,7 Zoll Bildschirmdiagonale. Schriften von E-Books und Websites erscheinen auf beiden Bildschirmen gestochen scharf. Im Leistungsvergleich mittels Geekbench überflügelt das Nexus 10 das iPad 4 ebenfalls. Bei der Akkulaufzeit schneidet das Google-Tablet ähnlich gut ab wie das Apple-Gerät. Wie bei Google-Geräten üblich ist natürlich die neueste Version von Android installiert – inzwischen arbeitet das Betriebssystem ebenso geschmeidig wie Apples iOS. Google

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Nachteile
Der einzige echte Nachteil des Google-Tablets ist das Ökosystem der Apps. Noch sind weniger Android-Apps auf die hohe Bildschirmauflösung, den größeren Bildschirm und die Leistungen von Tablets optimiert. Allerdings dürfte Android auf mittlere Sicht hier ebenso gleichziehen wie bei den Apps auf den Smartphones.
Fazit: Wer ein großes Tablet will, muss sich zwischen der Welt von Apple und der von Google entscheiden. Wer nicht schon mit anderen Geräte tief im Apple-Universum integriert ist, für den ist das Nexus 10 eine echte Alternative, die obendrein technisch besser und preisgünstiger ist. Google

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Amazon Kindle Fire
Der günstigste Einstieg in die Tablet-Welt dürfte derzeit das erste Kindle Fire sein. Das Gerät wurde im September 2011 erfolgreich in den USA eingeführt und ist inzwischen neben dem Nachfolger Kindle Fire HD auch in Deutschland zu haben – für 159 Euro mit Werbung und 174 Euro ohne. dapd

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Vorteile
Der große Vorteil des Kindle Fire ist natürlich der Preis. Der Nutzer hat einfachen Zugriff auf die Medieninhalte, die Amazon im Angebot hat, darunter vor allem die riesige Auswahl an E-Books. dapd

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Nachteile
Technisch kann das Kindle Fire mit der aktuellen Tablet-Generation nicht mithalten: Das Display ist relativ schlecht – nicht nur wegen der geringen Auflösung von 1024x600 Pixel. Dadurch ist das Gerät zum Lesen von E-Books ungeeignet.
Fazit: Wer ein kleines Tablet zum gelegentlichen Surfen auf der Couch nutzen möchte, für den mag das Kindle Fire richtig sein. Viel mehr geht allerdings nicht. Vor allem wegen des relativ schlechten Bildschirms ist das Gerät zum längeren Lesen nicht geeignet. Wer Zugriff auf die große Auswahl an E-Books bei Amazon haben möchte, greife besser zu einem speziellen E-Book-Reader mit gestochen scharfer Schwarz-Weiß-Schrift, der noch günstiger zu haben sind. Amazon

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Amazon Kindle Fire HD
Den Nachfolger des Kindle Fire gibt es in Deutschland ab 200 Euro mit 16 Gigabyte Speicherplatz. Er ist schneller als das Kindle Fire und besitzt einen besseren und Bildschirm mit höherer Auflösung. dapd

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Vorteile
Größter Vorteil des Fire HD ist der einfache und günstige Zugriff auf die große Medienvielfalt der Amazon-Welt: Elektronische Bücher, Musik, Spielfilme und Serien – auch wenn das Angebot hier in den USA, vor allem bei Filmen und Serien, noch weit größer ist als in Deutschland. Der Bildschirm ist deutlich besser als beim Vorgänger. Amazon

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Nachteile
Technisch kann das Amazon Kindle mit der direkten Konkurrenz des Google Nexus 7 nicht mithalten. Die Akkulaufzeit ist deutlich schlechter, obwohl das Amazon-Tablet dicker und schwerer ausfällt und mehr Platz bieten sollte für eine leistungsfähige Stromversorgung . Zugriff hat der Nutzer ohne weitere Einstellungen nur auf die rund 30.000 Apps des Amazon-Stores, nicht auf die inzwischen über 700.000 Android-Apps. Amazon blendet Amazon-Werbung auf dem Lock-Screen ein, die nur gegen eine Gebühr von einmalig 15 Euro entfernt werden kann.
Fazit: Nur wer unbedingt auf die Inhalte des Amazon-Universums zugreifen möchte, sollte das Fire HD erwägen. Technisch sind das Google Nexus 7 und das iPad mini bessere Geräte – und das Google-Tablet ist ebenfalls ab 200 Euro zu haben.
Lesen Sie den ausführlichen Test des WSJ-Tech-Experten Walt Mossberg: Reicht das neue Kindle ans iPad heran? dapd

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Microsoft Surface
Mit dem Surface-Tablet versucht Microsoft sein neues Betriebssystem Windows 8 auf dem Markt zu etablieren und wählt dazu einen innovativen Ansatz. Ein schickes Gerät, das neben einer Touch-Tastatur via Bildschirm optional auch eine echte Tastatur bietet. Das günstigste Surface mit Windows RT gibt es im deutschen Microsoft-Onlinestore ab 479 Euro – ohne echte Tastatur allerdings. Microsoft

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Vorteile
Mit Windows 8 ist Microsoft ein schicker und eigener Ansatz in der Tablet-Welt gelungen. Das System mit den Kacheln, die sich automatisch aktualisieren, ist ein sinnvoller und optisch schöner Ansatz. Die beiden verfügbaren Hardware-Tastaturen – TouchCover und Type Cover – funktionieren sehr gut. Als besonderen Bonus ist das Surface mit einer vorinstallierten Tablet-Variante der Microsoft-Büroprogramme Word, Excel und Powerpoint ausgestattet. Eine Standard-USB-Schnittstelle ermöglicht den Anschluss von Geräten aus der PC-Welt. Die Basisvariante für 479 Euro ist bereits großzügig mit 32 Gigabyte Speicher für Apps und Daten ausgestattet. Microsoft

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Nachteile
Mit 479 Euro hat Microsoft seinen Einstiegspreis in die Tablet-Welt fast so hoch angesetzt wie der etablierte Marktführer Apple. Dabei kann Microsofts Tablet weder bei Bildschirm noch Performance, Akkuleistung oder verfügbaren Apps mithalten. Gerade einmal rund 10.000 Apps werden weltweit angeboten, viele davon nicht in Deutschland. Das Basismodell ist teuer und noch nicht einmal mit der echten Tastatur ausgestattet – die kostet 100 Euro mehr. Anders als das für 2013 angekündigte Surface Pro kann das Surface mit Windows RT keine Standard-Windows-Programme ausführen.
Fazit: Nur wer unbedingt eine Hardware-Tastatur oder Microsoft Office auf dem Tablet haben möchte, ist das Surface eine Überlegung wert. Hardware-Tastaturen gibt es allerdings auch als Zubehör für das iPad, und mit einer App wie Documents to Go, die es sowohl für das iPad als auch für Android-Tablets gibt, lassen sich Office-Dokumente ebenfalls bearbeiten.
Eine Analyse der Marktchancen der einzelnen Tablets finden Sie hier: Wer hat Chancen im Krieg der Tablets? Microsoft