Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, hat die von der EZB geplanten Staatsanleihekäufe auch mit Blick auf die schwächelnde Wirtschaft in Deutschland verteidigt.

"Bisher konnte sich Deutschland manchen Schwierigkeiten in anderen Regionen des Euro-Gebiets weitgehend entziehen. Die neuesten Daten deuten jedoch darauf hin, dass Ausläufer der Krise nun auch die deutsche Wirtschaft erreicht haben", sagte Draghi bei einer Veranstaltung in Frankfurt.

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, warnt vor den Ausläufern der Wirtschafts- und Finanzkrise in Deutschland. dapd

Die jüngsten Konjunkturindikatoren geben Draghi recht: Der Auftragseingang der Industrie ist im September deutlicher als erwartet gesunken. Auch Stimmungsumfragen bei deutschen Unternehmen deuten darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft im vierten Quartal schrumpfen wird.

Der EZB-Präsident räumte ein, dass der geplante unbegrenzte Ankauf von Staatsanleihen aus Krisenländern - genannt Outright Monetary Transactions (OMT) - nicht unumstritten sei. Er verwies aber darauf, dass das OMT-Programm so konstruiert sein müsse, dass es an den Finanzmärkten Eindruck macht. "Wir müssen uns vor Augen halten, wie die Märkte funktionieren", sagte Draghi. Maßnahmen, die die Stabilität des Euroraums als Ganzes sicherten, würden auch Deutschland zugute kommen.

Nach Aussage des EZB-Präsidenten hatte bereits die Ankündigung des OMT-Programms günstige Auswirkungen. So habe sich die Stimmung an den Finanzmärkten erheblich verbessert, und die Abstände der Anleihezinsen zwischen Deutschland und den Krisenstaaten seien zurückgegangen. Gleichzeitig habe die OMT-Ankündigung nicht zu höheren Inflationserwartungen geführt.

Draghi begründete die Zinssenkungen damit, dass die EZB möglichen Deflationsrisiken habe entgegentreten müssen. Er sagt aber auf Nachfrage auch, dass das Zinsniveau zum passenden Zeitpunkt wieder normalisiert werden müsse, damit Finanzmarktakteure wieder höhere Zinsen erhielten.

Der EZB-Rat entscheidet am Donnerstag über die Leitzinsen im Euroraum. Eine weitere Senkung des ohnehin schon niedrigen Zinsniveaus wird allerdings für diese Sitzung nicht erwartet.

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