Dänemark schafft die vor einem Jahr eingeführte Fettsteuer wieder ab. Die Steuer, die für alle Lebensmittel mit einem Anteil von 2,3 Prozent an gesättigten Fettsäuren galt, habe der Wirtschaft mehr geschadet als der Gesundheit genutzt, fanden die Abgeordneten. Eine geplante Zuckersteuer soll nun erst recht nicht mehr eingeführt werden.

Currywurst, Pommes und Mayo? In Dänemark wurden Lebensmittel mit einem Anteil von 2,3 Prozent an gesättigten Fettsäuren im vergangenen Jahr schlagartig teurer. Diese Fettsteuer wird jetzt wieder abgeschafft. dapd

Deutschland, Großbritannien und die Schweiz denken zwar immer noch über die Einführung einer ähnlichen Fettsteuer nach. In Dänemark aber gilt das umstrittene und weltweit beachtete Experiment, zum Wohle der Bürger die Dickmacher unter den Lebensmitteln zu besteuern, offiziell als gescheitert. „Nun müssen wir auf anderen Wegen dafür sorgen, dass die Gesundheit gefördert wird", sagte Mette Gjerskov, Dänemarks Ernährungs- und Landwirtschaftsministerin.

Das Aus für die Fettsteuer zeigt, wie schwierig es sein kann, das Verbraucherverhalten zu ändern – vor allem in wirtschaftlichen Härtezeiten. Einfach nur eine Steuer auf Grundnahrungsmittel aufzuschlagen, hat in Dänemark nicht funktioniert. Dort stiegen die Preise von Butter, Öl, Würstchen, Käse und Sahne nach Einführung der Steuer um bis zu 9 Prozent.

Konsumer ärgerten sich über die Extrasteuer

„Die Verbraucher ärgerten sich wahrscheinlich, dass eine natürliche Zutat mit einer Sondersteuer belegt wurde", sagt Sinne Smed, Wirtschaftswissenschaftlerin am Institut für Nahrungs- und Ressourcenökonomie der Universität Kopenhagen.

170 Millionen Euro an neuen Netto-Steuereinnahmen brachte die Fettsteuer in diesem Jahr ein. Nun wollen die Abgeordneten die Einkommensteuer leicht anheben und die steuerlichen Absetzmöglichkeiten einschränken, um die Lücke aus entgangenen Einnahmen im Staatshaushalt zu schließen.

Dänemarks Steuerlast ist bereits höher als in den meisten anderen Ländern der Welt. Aber wegen des nachlassenden Konsums und der sinkenden Investitionen im Land hat die Wirtschaftsleistung im Jahr 2012 nachgelassen.

Die Fettsteuer, die seit 2011 galt, sollte vor allem der steigenden Übergewichtigkeit und verhältnismäßig geringen Lebenserwartung der Dänen den Garaus machen. Es gibt wenig Anhaltspunkte dafür, dass die Steuer den Verbrauchern finanziell schadete. Aber das Konsumverhalten änderte sich deutlich. Viele Dänen wechselten zu billigeren Alternativprodukten. Manche fuhren zum Einkaufen einfach über die Grenze nach Deutschland, wo sie rund 20 Prozent weniger bezahlen mussten, oder nach Schweden.

Supermärkte in Schleswig-Holstein profitierten davon. Aber in Dänemark klagten viele Unternehmer. Die Fettsteuer hätte „den Grenzhandel und die Verwaltungskosten erhöht", was viele Arbeitsplätze in Dänemark gefährdet hätte, sagt Lone Saaby, wirtschaftspolitischer Direktor beim dänischen Bauernverband Landbrug & Fødevarer. Der Verband hatte sich stark für die Abschaffung der Fettsteuer eingesetzt, um größere Auswirkungen am Arbeitsmarkt zu verhindern.

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