Microsoft-Chef Steve Ballmer (links) und Stephen Elop von Nokia. Ist die Partnerschaft beim Windows Phone erst der Anfang? dapd

Wenn Anleger daran glauben, dass Microsoft MSFT -1,06% Microsoft Corp. U.S.: Nasdaq $44,95 -0,48 -1,06% 02 Sept. 2014 14:58 Volumen (​15 Min. verzögert) : 15,32 Mio. KGV 16,90 Marktkapitalisierung 374,34 Milliarden $ Dividendenrendite 2,49% Umsatz/Mitarbeiter 677.570 $ künftig zunehmend in seinen eigenen Läden verkaufen will, sollten sie genau so annehmen, dass der Software-Konzern mehr und mehr Hardware unter der eigenen Marke verkaufen wird. Und irgendwann auch ein Telefon, so wie es Apple tut.

Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass Microsofts Strategie zurzeit darin besteht, das Betriebssystem Windows Phone 8 OS in den Markt zu drücken – unabhängig davon, ob es überhaupt jemand will. Der Wunsch ist so groß, dass der Konzern sämtliche Betriebssysteme an seinem neuen Telefonbetriebsystem ausrichtet.

Der Unterschied zwischen einem Telefon, das auf Windows 8 läuft und einem PC auf der gleichen Basis ist der, dass man den Rechner nicht ans Ohr halten und damit telefonieren kann. Mehr nicht.

Microsoft dürfte vor allem Apple nacheifern, zum Teil bis ins Extrem. Sämtliche Erfolgsformeln der Apple-Läden, die kopiert werden können, dürften auch kopiert werden. Dazu gehört der Verkauf von Hardware-Eigenmarken.

Aufstieg und Fall von Nokia

Associated Press

Nun ist das iPhone einer der absoluten Verkaufsschlager in den Apple-Geschäften. Wird Microsoft demnach auch ein eigenes Smartphone anbieten müssen?

Ja – und zwar eher früher als später. Für Microsoft bedeutet das, dass der Konzern entweder einen Handyhersteller übernehmen oder einen Hersteller in China oder Korea finden muss, der das Microsoft-Handy baut.

Samsung, HTC und Foxconn als Alternativen

Die großen Volumenhersteller in Asien, die einen solchen Auftrag stemmen könnten wären Samsung, HTC und Foxconn. Samsung und Foxconn sind bereits überlastet, damit bleibt einzig HTC übrig.

Aber warum sollte sich Microsoft dem nicht zu vermeidenden Ärger mit einem Großzulieferer aussetzen, wenn der Konzern für einen Preis zwischen 10 und 20 Milliarden Dollar seinen Partner Nokia NOK1V.HE +1,43% Nokia Corp. Finland: Helsinki 6,40 +0,09 +1,43% 02 Sept. 2014 18:29 Volumen (​15 Min. verzögert) : 13,93 Mio. KGV 10,84 Marktkapitalisierung 23,61 Milliarden € Dividendenrendite 4,07% Umsatz/Mitarbeiter 266.889 € übernehmen kann?

Nokias Marktkapitalisierung liegt unter 10 Milliarden Dollar – bei einem Unternehmenswert von 4,5 Milliarden Dollar und einem Buchwert im Bereich des Aktienkurses.

Nun denken bei Nokia viele, Microsoft habe den Konzern eigenhändig geschwächt, indem er dort erst einen neuen Vorstandschef einpflanzte und ihm dann Windows Phone 7 unterjubelte. Um zu verhindern, dass die Nokia-Aktionäre auf die Barrikaden gehen und die Fabriken niederreißen, wird Microsoft daher wohl eine nennenswerte Prämie zahlen müssen.

Microsoft müsste Prämie auf Nokias Kurs zahlen

Das könnte bedeuten, dass der US-Konzern je Aktie 4 Dollar oder mehr hinlegen muss. Nur mal angenommen, Microsoft bietet 20 Milliarden Dollar für Nokia. Microsoft hat 66 Milliarden Dollar auf der Bank. Damit könnte der Konzern die Übernahme locker stemmen, der den Nokia-Aktionären einen Teil ihres verlorenen Geldes zurückgeben würde. Microsoft könnte sogar noch den Technologiekonzern Dell für 25 Milliarden Dollar kaufen und hätte immer noch Geld übrig.

Mit Dell und Nokia hätte der Software-Riese ein eigenes Telefon, eigene Computer und Laptops und wäre auch bei Servern plötzlich im Spiel. Microsoft könnte allerdings auch nur die PC-Sparte von Dell kaufen. Hier dürfte es wenig Widerstand geben, da sich Dell – genau wie HP – zunehmend von einem Geräteproduzenten zu einem Dienstleister wandelt.

Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten und nichts deutet darauf hin, dass Microsoft den eingeschlagenen Kurs, sein Einzelhandelsgeschäft zu stärken, wieder verlassen wird. Anleger sollten überall dort genau hingucken, wo sich für Microsoft Übernahmechancen ergeben, die es dem Konzern direkt ermöglichen, eigene Markenprodukte zu verkaufen – sei es bei Nokia oder irgendwo anders.