Gute Konjunkturdaten aus den USA reichten am Mittwoch nicht aus, um Europas Börsen aus ihrer Lethargie zu reißen. Vor der geldpolitischen Entscheidung der US-Notenbank am Abend wagten sich die Anleger nicht aus der Deckung. Das Wachstum der US-Wirtschaft blieb im zweiten Quartal mit einem Plus von annualisiert 1,7 Prozent klar über der Prognose von 0,9 Prozent. Auch der ADP-Arbeitsmarktbericht, der als guter Indikator für den offiziellen Arbeitsmarktbericht am Freitag gilt, überraschte für Juli positiv.

Der Dax schaffte ein Plus von 0,1 Prozent auf 8.276 Punkte. Der Euro-Stoxx-50 gewann 0,3 Prozent auf 2.768 Zähler. Neben der mit der Fed begründeten Zurückhaltung der Anleger verwiesen Händler auf die Tatsache, dass die besseren US-BIP-Daten vor allem einem positiven Basiseffekt geschuldet seien, da die Wachstumszahlen für das erste Quartal kräftig nach unten revidiert wurden. Laut Analystin Annalisa Piazza von Newedge ist die „Volatilität" der aktuellen BIP-Daten unter anderem auf die Änderung der statistischen Erhebungsmethode zurückzuführen, die bis in das Jahr 1929 zurückreiche und nun erstmalig angewendet worden sei.

Am Devisenmarkt reagierte der Euro auf die US-Daten zunächst mit Abschlägen, erholte sich dann aber und notierte zu Börsenschluss wenig verändert bei 1,3270 US-Dollar. Laut Newedge spielten die US-Daten für die geldpolitische Entscheidung der Fed keine Rolle. Mit Blick auf die mögliche Reduzierung der monatlichen Anleihekäufe gingen Marktteilnehmer nicht davon aus, dass die Fed schon am Abend Entscheidungen treffen wird. Die Mehrzahl der Beobachter erwartete vielmehr, dass die US-Notenbank ab September die Käufe zurückfahren wird.

Quartalsausweise gab es am Mittwoch wieder in Hülle und Fülle. Nach volatilem Verlauf ging die Siemens -Aktie mit einem Plus aus dem Handel. Die DZ-Bank sprach von einem soliden Quartalsbericht. Nicht nur hätten sich die Auftragseingänge erfreulich entwickelt, auch habe sich die Marge verbessert. Neben den Zahlen gab Siemens auch bekannt, dass zukünftig der bisherige Finanzchef Joe Kaeser die Führung bei Siemens einnehmen und damit Peter Löscher ersetzen wird. Die Entscheidung war erwartet worden.

Geschäftszahlen legten unter anderem Volkswagen, Bayer, BNP Paribas, EADS und Peugeot vor. Europas größter Autobauer Volkswagen steigerte Verkäufe und Umsätze, auch der Rückgang beim operativen Gewinn fiel nicht so gravierend aus wie im ersten Quartal und weniger deutlich als befürchtet. Nach Einschätzung der NordLB spielt VW nach wie vor in einer eigenen Liga und zeige der Konkurrenz die Rücklichter.

Auch Bayer zog kräftig an. Das unbereinigte Ebit der Leverkusener lag zwar recht deutlich unter der Konsensschätzung. Eine „hervorragende Entwicklun"" hätten aber die neuen Produkte Xarelto, Stivarga und Eylea gezeigt, sagte die DZ-Bank. Für das Gesamtjahr 2013 sei der Umsatzausblick für diese Präparate auf zusammen 1,4 Milliarden Euro von zuvor 1 Milliarde Euro angehoben worden. Dies werde die Bayer-Story weiter antreiben, glaubten die Analysten.

Recht positiv lief es auch beim Spirituosenhersteller Diageo. Nach Kursverlusten im frühen Handel schlossen die Aktien mit einem Plus. „Der neue CEO Ivan Menezes hat bei seinem ersten Quartalsbericht das Gesicht wahren können", sagte Chris Beauchamp von IG Markets. Dank guter Absätze in den USA habe der Konzern die Erwartungen übertroffen. Bei weiterhin guten Verkäufen auf dem US-Markt dürfte es Diageo leichter fallen, die Sorgen um schwächeres Wachstum in den Schwellenländern auszuräumen.

Osram legte erstmals als eigenständig börsennotiertes Unternehmen Quartalszahlen vor. Das Unternehmen sah sich in der Lage, die bisherigen Jahresziele leicht zu übertreffen. Das schickte die Aktie nach oben. Thyssen-Krupp -Titel brachen dagegen ein, nachdem sie von der UBS zum Verkauf empfohlen worden waren. Zudem belasteten Presseberichte, es gebe nur noch einen einzigen Interessenten für die Stahlwerke in Brasilien.

Infineon -Papiere rutschten ebenfalls ab. Goldman Sachs hatte die Aktie von seiner Favoritenliste gestrichen. Umgekehrt sprangen Peugeot-Titel nach oben, nachdem die Halbjahreszahlen deutlich besser als befürchtet ausgefallen waren. Solide Ergebnisse und der bestätigte Ausblick trieben den Kurs von Heidelberg Cement nach oben. Nach negativen Analystenstimmen setzte sich die Talfahrt der K+S-Aktie nach dem Vortageseinbruch um weitere 8,5 Prozent fort.

EADS -Aktien stiegen. „Operativ liegt der Gewinn im ersten Halbjahr 17 Prozent über der Konsensschätzung", sagte ein Händler. Die DZ-Bank zeigt sich insbesondere vom Airbus-Geschäft positiv überrascht. Bei Airbus habe sich die Zahl neuer Aufträge im zweiten Quartal erhöht. Zudem sei die Marge hervorragend gewesen. Vorteilhafte Preise und eine bessere Produktpalette haben den Analysten zufolge zur Steigerung der Profitabilität beigetragen.

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