Abschussrampe der Testrakete in Nordkorea. Die Regierung in Pjöngjang meldet, der Übungsflug sei geglückt, ein Satellit ins All bugsiert worden. Jetzt bangen Länder wie die USA, Südkorea und Japan um die militärische Gefahr, die von Nordkorea ausgeht. DigitalGlobe

Pjöngjang - Nordkorea hat sich über alle internationalen Warnungen und Proteste hinweggesetzt und am Mittwoch einen Satelliten ins All geschossen. In der Hauptstadt Pjöngjang feierten und tanzten danach die Menschen auf den Straßen. In Washington, Seoul, Tokio, New York und Berlin wurde der Raketenstart hingegen verurteilt, weil er gegen eine Resolution des UN-Sicherheitsrats verstieß und die Befürchtungen verstärkte, dass Nordkorea an einer Atomrakete arbeitet, die den US-Staat Kalifornien erreichen könnte.

"Nordkorea verstößt mit dieser gezielten Provokation in unverantwortlicher Weise gegen seine internationalen Verpflichtungen und verschärft die Spannungen in der Region", kritisierte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) den Raketenstart. Er forderte vom UN-Sicherheitsrat eine "deutliche Antwort auf diese Völkerrechtsverletzung". Das Gremium wollte noch am Mittwoch hinter verschlossenen Türen über den nordkoreanischen Raketenstart beraten.

Der Botschafter Nordkoreas wurde ins Auswärtige Amt einbestellt. Die USA kritisierten das Vorgehen Nordkoreas in einer Stellungnahme als "höchst provokativ" und drohten mit "angemessenen Schritten". UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach von einem klaren Verstoß gegen bestehende UN-Resolutionen. Er rief Nordkorea auf, auf solche Raketentests zu verzichten und stattdessen die Beziehungen zu den Nachbarn und die Lebensverhältnisse der eigenen Bevölkerung zu verbessern. Selbst China, der engste Verbündete des international weitgehend isolierten Nordkorea, äußerte sich kritisch.

Zweiter Versuch seit Amtsantritt von Kim Jong Un

Der morgendliche Raketentest kam überraschend, weil Pjöngjang noch kurz zuvor erklärt hatte, dass das Zeitfenster wegen technischer Probleme um eine Woche bis zum 29. Dezember verlängert werde. Ein südkoreanischer Zerstörer registrierte den Start der dreistufigen Rakete vom Typ Unha-3 vom Startplatz in Tongchang-ri nordwestlich von Pjöngjang. Nach japanischen Angaben stürzte die erste Stufe ins Gelbe Meer, die zweite Stufe Hunderte Kilometer weiter in die Philippinensee. Das Nordamerikanische Luftabwehrkommando der USA teilte später mit, es gebe klare Hinweise darauf, dass ein Objekt die Erdumlaufbahn erreicht habe.

Die nordkoreanischen Staatsmedien feierten den Start umgehend als Erfolg und berichteten, ein Satellit sei in die Erdumlaufbahn gebracht worden. Dem Land sei es gelungen, einen friedlichen Beobachtungssatelliten ins All zu bringen, berichtete das Staatsfernsehen. Nordkoreaner applaudierten bei der Ausstrahlung eines Sonderberichts vor den Bildschirmen.

Der jüngste Raketenstart war der zweite Versuch eines solchen Tests seit der Amtsübernahme von Kim Jong Un, der nach dem Tod seines Vaters Kim Jong Il vor knapp einem Jahr Staatsoberhaupt wurde. Der Versuch im April schlug fehl, es war der erste mit einer dreistufigen Rakete.

Koreanische Halbinsel offiziell immer noch im Kriegszustand

Nordkorea verfügt über Kurz- und Mittelstreckenraketen, doch mehrere Tests von Langstreckenraketen waren 1998, 2006, 2009 und im April dieses Jahres gescheitert. US-Experten gehen davon aus, dass Nordkorea zwar ausreichend waffenfähiges Plutonium besitzt, um damit Dutzende Atombomben zu bestücken. Doch ist bislang nicht bekannt, ob das Land über funktionstüchtige Trägerraketen verfügt. Zudem ist Nordkorea derzeit wohl nicht in der Lage, Atomsprengköpfe zu bauen, die klein genug wären, um von einer Rakete transportiert zu werden.

Seit dem Ende des Korea-Konflikts 1953 befinden sich der Norden und der Süden der Halbinsel weiterhin formell im Kriegszustand. Damals wurde lediglich ein Waffenstillstand vereinbart.

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