Apple kommt nicht ohne Google aus. Fast drei Monate, nachdem der Technologiekonzern den Kartendienst Google Maps auf dem iPhone durch eine eigene App ersetzt hat, hat Google nun eine Version zum Herunterladen herausgebracht – sehr zur Erleichterung zahlreicher Apple-Nutzer, die sich über den Wechsel beklagt hatten.

Google Maps ist seit dem späten Mittwoch in Apples App-Store verfügbar, weniger als vier Wochen, nachdem das Wall Street Journal berichtet hatte, Google arbeite nur noch an den letzen Feinheiten und werde die neue Version in Kürze Apple zur Genehmigung vorlegen.

Google Maps ist zurück auf dem iPhone. Google

Im September hatte Apple mit der Betriebssystem-Version iOS 6 den Marktführer Google Maps, der seit 2007 auf allen iPhones und iPads vorinstalliert war, durch eine eigene App ersetzt. Mit dem im Sommer mit Pauken und Trompeten angekündigten Strategieschwenk wollte der Konzern mit dem Apfel im Logo eigentlich unabhängig von Google werden. Doch der Apple-Dienst hatte so viele Fehler, dass es neben Beschwerden auch Spott und Hohn hagelte. Vorstandschef Tim Cook musste sich entschuldigen. Seitdem arbeitet Apple fieberhaft an der Verbesserung des Karten- und Navigationsdienstes.

Den Austausch von Google Maps auf Apple-Geräten hatte Konzerngründer Steve Jobs schon vor Jahren angeregt. Der Konzern betrachtete Kartendienste als Schlüssel für die Zukunft des Computers und wollte dabei nicht von Google abhängig sein. Und das umso mehr, als Geräte mit dem Google-Betriebssystem Android weltweit immer beliebter wurden.

Beide Technologiekonzerne stehen nicht nur im Wettbewerb um die Gunst des einzelnen Kunden, sie buhlen zudem um Programmierer. Die sollen für die mobilen Geräten Apps erstellen, die auf die Lokalisierung von Standorten angewiesen sind und damit auf Kartierungssoftware. Google Maps gilt als Marktführer bei digitalem Kartendiensten, sowohl im Internet als auch bei Apps.

Bei der neuen Maps-Version für das iPhone hat der Internetkonzern noch eins draufgesetzt: Die App enthält wie erwartet eine schrittweise Navigationsfunktion und kann damit wie ein klassisches Navigationsgerät genutzt werden. Diese Funktion hatte die vorinstallierte Version wegen eines vorangegangenen Streits zwischen Google und Apple nicht.

Zudem enthält die neue App Informationen über mehr als 80 Millionen Geschäfte und Sehenswürdigkeiten. Sogar Fotos von Innenansichten einiger Geschäfte seien verfügbar, hieß es in einem am Mittwoch veröffentlichten Blog auf der Google-Webseite.

Die Google-Maps-App ist für das iPhone und die vierte Generation des iPod-Touch-Gerätes verfügbar, die mit der iOS-Version 5.1 läuft. Sie steht in über 40 Ländern und in 29 Sprachen zur Verfügung, darunter Spanisch, Japanisch, Französisch und Deutsch.

„Menschen auf der ganzen Welt haben nach Google Maps für das iPhone gefragt", schrieb Google in dem Blog. Eine Version für das iPad gibt es bislang noch nicht. Die neue App wurde von Googles eigenen Programmierern erstellt, während die vorinstallierte Version von Apple anhand von Google-Kartierungsdaten programmiert wurde.

Für Google könnte sich der vorübergehende Rausschmiss bei Apple sogar rechnen: Die App zum Herunterladen spült möglicherweise mehr Umsatz in die Kasse, weil der Konzern mehr Anzeigen von lokalen Geschäften hinzufügen oder mit andere Google-Diensten verknüpfen kann.

Im September hatte Apple auch die vorinstallierte YouTube-Video-App von Google entfernt. Inzwischen hat der Konzern aber eine neue YouTube-App zum Herunterladen genehmigt und diese enthält, anders als die alte Version, auch Videowerbung. Damit dürften Google weitere Umsätze zufließen.

Die Google-Suchmaschine ist weiterhin unangefochten auf Apple-Geräten Standard.

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