Die Deutsche Bank kommt nicht aus den Schlagzeilen. Statt um den gewünschten Kulturwandel muss sie sich vor allem um die Schadensbegrenzung wegen alter Fehler kümmern dapd

Es war keine gute Woche für die Deutsche Bank. DBK.XE -1,37% Deutsche Bank AG Germany: Xetra 27,70 -0,39 -1,37% 23 Sept. 2014 16:10 Volumen (​15 Min. verzögert) : 5,31 Mio. KGV N/A Marktkapitalisierung 38,74 Milliarden € Dividendenrendite 2,71% Umsatz/Mitarbeiter 420.767 € Großrazzia, Bilanz-Affäre, Ermittlungen gegen Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen und, schließlich, eine düstere Gewinnprognose. Und noch ist die Woche nicht zu Ende: Am Freitag wird das Urteil im Kirch-Prozess erwartet.

Die Bank versucht mit Hochdruck, den Schaden wieder gut zu machen. Bei einer Analystenpräsentation beschwichtigte Finanzvorstand Stefan Krause die Analysten. Dabei ließ er viele Fragen offen. Wie hoch sind die Sonderbelastungen, die sich „signifikant negativ" auf den Gewinn auswirken werden? Woher kommen diese Sonderbelastungen im Einzelnen? Die Bank wolle nur die Richtung vorgeben; beruhigte Krause, das Quartal sei noch nicht zu Ende.

Die Liste der Baustellen ist lang: Ein Teil der Kosten geht auf den Umbau der Bank und die Integration der Postbank zurück. Aber auch die geplanten Schließungen und Stellenstreichungen in den Niederlanden belasten die Bank merklich. Zudem gibt es negative Effekte aus dem Abbau von Risikopositionen sowie durch Wertanpassungen von bestimmten Vermögenswerten.

Auch das schwierige Marktumfeld macht der Deutschen Bank das Leben schwer: Das vierte Quartal sei bislang von einem "anhaltend schwierigen makroökonomischen Umfeld geprägt, verbunden mit geringer Volatilität und der üblichen saisonalen Abkühlung", hieß es. Dennoch habe die Bank im Oktober und November „solide operative Ergebnisse in allen Kerngeschäftsfeldern" erreicht. Die Bank insgesamt ist derzeit aber wohl das Gegenteil von „solide".

Weitere Probleme stehen der Deutschen Bank ins Haus

Das ganz dicke Ende könnte aber noch kommen. Neben den hausgemachten Problemen belasten die Deutsche Bank auch die Pläne in den USA, ausländische Banken zur Einhaltung der so genannten Dodd-Frank-Finanzreformen zu zwingen. Dies könnte einen „signifikanten Einfluss" auf die Deutsche Bank haben, warnte Finanzvorstand Krause.

Beobachter rechnen damit, dass die Deutsche Bank und die britische Barclays kostspielige Änderungen in ihrer Konzernstruktur treffen müssen. Beide Institute hatten im Jahr 2010 versucht, mit einem geschickten Umbau ihrer Geschäfte die US-Regeln zu umgehen. Das Wall Street Journal hatte den Fall damals aufgedeckt. Einer konzerninternen Mitteilung zufolge, die Reporter des Wall Street Journal im vergangenen Jahr zu Gesicht bekamen, fürchtete die Deutsche Bank, ihrer US-Investmentbank wegen den neuen Dodd-Frank-Regeln bis zu 20 Milliarden US-Dollar frisches Kapital zuschießen zu müssen. Also zog sie ihre amerikanischen Investmentgeschäfte direkt unter das Dach des deutschen Mutterkonzerns und umging so die Vorschriften.

Es ist noch kein Jahr her, als die Co-Vorstandschefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain mit dem Anspruch eines Kulturwandels angetreten sind. Keine dubiosen Geschäfte, dafür wieder Vertrauen beim Kunden. Mit dem norddeutschen Vorzeige-Banker Fitschen und dem smarten Investmentbanker Jain war ein ungleiches, gleichwohl harmonierendes, dynamisches Duo angetreten, um die Bank krisenfest aufzustellen.

Polizei in der Zentrale - das Bild bleibt haften

Doch der Schatten der Vergangenheit trübte die Arbeit der beiden, noch bevor sie ihre neuen Büros beziehen konnten. Ihr Vorgänger Josef Ackermann giftete von Anfang an gegen die neue Spitze der Bank und schwächte die beiden mit negativen öffentlichen Äußerungen. Noch viel schwerer wiegt jedoch Ackermanns Erbe. Er hinterließ eine Bank, die in einem tiefen Morast aus fragwürdigen Geschäften zu stecken scheint.

Das Bild der 500 Polizeibeamten und Steuerfahnder, die am Mittwoch die Geschäftsräume der Bank durchsuchten, wird sich bei vielen eingraben.

Die Vorwürfe wiegen schwer: Gegen Mitarbeiter der Bank wird wegen des Verdachts des schweren Steuerbetrugs ermittelt, aber auch wegen Geldwäsche und versuchter Strafvereitelung. Hintergrund sind die seit dem Frühjahr 2010 laufenden Ermittlungen wegen des Vorwurfs des Steuerbetrugs beim Handel mit CO2-Emissionszertifikaten. Mitarbeiter sollen Kunden Bescheinigungen ausgestellt haben, die missbraucht wurden, um vom Staat mehr Steuern erstattet zu bekommen als den Kunden eigentlich zustand.

Auch gegen Fitschen und Krause wird ermittelt. Gegen fünf Beschuldigte ergingen Haftbefehle wegen des Verdachts der Geldwäsche oder versuchter Strafvereitelung.

Alte Fehler belasten noch viele Jahre

Deutsch-Banker, die von der Polizei abgeführt werden: Den Kulturwandel der Bank kann man spätestens nach der Großrazzia getrost als geplatzt bezeichnen. Bislang zog sich die Bank darauf zurück, dass nur einzelne Mitarbeiter kriminell gehandelt haben. Doch mit jeder weiteren Klage drängt sich zunehmend die Frage auf, wieviel die Vorstände tatsächlich wussten und geduldet haben. Die Deutsche Bank steht in dem Ruch, gewollt die Grenzen der Legalität auszureizen, um den Profit zu maximieren.

Eine Welle des Misstrauens schlug auch Vorstand Stephan Leithner entgegen, als er vor dem Ausschuss des Bundestages Rede und Antwort zu den Zinsmanipulationen stehen musste. Leithner verschanzte sich hinter knappen, juristisch wasserdichten Antworten. Das Unbehagen war auf beiden Seiten deutlich spürbar. Bafin-Direktor Raimund Röseler versuchte, etwas Druck mit einem lockeren Spruch abzulassen: Wer bei der BaFin arbeite, gehöre „zu den Guten", witzelte er. Die Schlechten, das sind die Banken, schwang in seinen Worten mit.

Dieses Bild können Fitschen und Jain so schnell nicht ändern. Auch wenn sie ab sofort nur Geschäfte machen, bei denen sie ruhig schlafen können, ist viel Porzellan zerbrochen, das sich so schnell nicht kitten lässt. Eine Katastrophe jagt bei der Deutschen Bank die nächste. Bevor sie an einen Kulturwandel denken, müssen sie alte Fehler ausgleichen. Das kann angesichts der Masse Jahre dauern.

Kontakt zum Autor: Madeleine.Nissen@wsj.com