Der ehemalige Vorstandschef der Deutschen Bank, Rolf E. Breuer, löste mit seinen Aussagen den Zusammenbruch des Kirch-Konzerns aus. Michael Probst/AP/dapd

Die Deutsche Bank hat den Kirch-Prozess verloren. Das Oberlandesgericht München sieht eine Mitverantwortung für den finanziellen Untergang des Kirch-Konzerns. Damit muss die Bank den Kirch-Erben Schadensersatz zahlen. In einem Interview hatte der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Bank, Rolf Breuer, die Kreditwürdigkeit des Medien-Imperiums in Frage gestellt. In einem Gutachten soll die Höhe des Schadens noch festgestellt werden.

Schon am Vormittag hatte sich diese Entwicklung abgezeichnet: Der Richter zeigte sich auch nach Vorlage weiterer Schriftsätze durch die Bank nicht überzeugt. Das Gericht habe eine andere Einschätzung, sagte er.

Breuers umstrittenes Interview im Wortlaut

Am 3. Februar 2002 gab Rolf Breuer, damals Vorstandssprecher der Deutschen Bank, im Interview mit Bloomberg TV diese Antworten:

Sprechen wir was anderes. Großes Thema derzeit in Deutschland: Das ist der Kirch-Konzern und die Probleme mit der Verschuldung. Es gibt einen Zeitungsbericht in der Financial Times, dass Sie mit dem Bundeskanzler gesprochen hätten über Kirch. Stimmt das?

Breuer: Das kann ich nicht kommentieren, der Bundeskanzler muss sagen, ob er mit mir gesprochen hat oder nicht.

Fragen wir mal anders: Kirch hat sehr, sehr viele Schulden, sehr hohe Schulden. Wie exponiert ist die Deutsche Bank?

Breuer: Relativ komfortabel würde ich mal sagen, denn – das ist bekannt und da begehe ich keine Indiskretion, wenn ich das erzähle – der Kredit, den wir haben, ist erstens zahlenmäßig nicht einer der größten, sondern relativ im mittleren Bereich, und zweitens voll abgesichert durch ein Pfandrecht auf Kirchs Aktien am Springer Verlag. Uns kann also eigentlich nichts passieren, wir fühlen uns gut abgesichert. Es ist nie schön, wenn ein Schuldner in Schwierigkeiten kommt und ich hoffe, das ist nicht der Fall. Aber wenn das so käme, wir bräuchten keine Sorgen zu haben.

Die Frage ist ja, ob man ihm mehr hilft, weiter zu machen.

Breuer: Das halte ich für relativ fraglich. Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen. Es können also nur Dritte sein, die sich gegebenenfalls für eine – wie Sie gesagt haben – Stützung interessieren.

Quelle: dapd

Die Aussage von Breuer war seiner Meinung nach kein Unfall. Vielmehr könnte sie ein Versuch gewesen sein, den Kirch-Konzern unter Druck zu setzen und so einen Sanierungsauftrag zu bekommen. Breuer selbst fehlte bei dem Gerichtstermin.

Ein Ende des seit Jahren geführten Prozesses ist damit aber wohl nicht erreicht. Das Institut werde aller Voraussicht nach beim Bundesgerichtshof gegen das Urteil vorgehen, sagten mehrere mit der Sache vertraute Personen dem Wall Street Journal Deutschland. Eine Revision hatte das Gericht zwar ausgeschlossen, die Bank kann aber eine so genannte Nicht-Zulassungsbeschwerde einlegen. Inzwischen hat ein Anwalt des Instituts bestätigt, dass dieser Weg geprüft wird.

In einer ersten Reaktion gab sich die Bank kämpferisch. Das Institut zeigte sich „weiter davon überzeugt, dass die von der Klägerseite geltend gemachten Ansprüche nicht bestehen". Das Interview des ehemaligen Vorstandschefs Rolf Breuer hat nach Ansicht der Bank die Schäden nicht verursacht.

Der Streit dauerte schon zehn Jahre. Grund für den Streit ist die Frage, inwieweit eine Äußerung von Breuer den Untergang des Kirch-Imperiums beschleunigt hat. Breuer hatte in einem Interview die Kreditwürdigkeit von Kirch in Frage gestellt und sich dabei auf das berufen, was „man liest und hört". Zu der Zeit fungierte die Deutsche Bank auch als Kreditgeber für die Kirch-Tochter Print-Beteiligungs GmbH, so dass Breuers Indiskretion besonderes Gewicht zukam. Nach Auffassung des inzwischen verstorbenen Leo Kirch waren diese Worte der Todesstoß für das wankende Medienunternehmen.

Der Richter hatte die Streithähne wiederholt aufgefordert, sich zu einigen. Als Untergrenze für eine Einigung setzte er 120 Millionen Euro fest, die Obergrenze bei 1,5 Milliarden Euro. Ein Vergleich der Bank mit den Kirch-Erben war allerdings schon einmal gescheitert. Damals sollten 800 Millionen Euro fließen. Doch den Investoren der Bank war diese Entscheidung schwer zu vermitteln. Sie fragten sich, warum sie für eine Indiskretion des ehemaligen Vorstandschefs Rolf Breuer so viel bezahlen sollten.

—Mitarbeit: Laura Stevens

Kontakt zum Autor: Madeleine.Nissen@wsj.com