Nach einer mit Skandalen vollgespickten Woche wirbt Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen um das Vertrauen der Mitarbeiter der Deutschen Bank. Wie das Wall Street Journal Deutschland erfuhr, findet am Freitagnachmittag eine Ansprache von Fitschen an die gesamte Belegschaft statt. Darin erklärt der Norddeutsche die Ereignisse aus Sicht der Bank und versucht, die Mitarbeiter wieder auf Linie zu bringen.

Die Mitarbeiter der Deutschen Bank sind heftige Kritik an ihrem Institut gewohnt. Doch selbst für sie war diese Woche ein Schock: Großrazzia, Bilanz-Affäre, Ermittlungen gegen Co-Vorstandschef Fitschen und, schließlich, eine düstere Gewinnprognose. Zu allem Überfluss wurde gerade bekannt, dass die Bank den Kirch-Prozess verloren hat.

Die Bank versuchte, als Reaktion auf diese Fülle von negativen Nachrichten, in zwei großen Interviews auch bei der breiten Öffentlichkeit einen Teil des Schadens wieder gut zu machen. Darin weist Fitschen die Vorwürfe der schweren Steuerhinterziehung zurück. Er sei "fest davon überzeugt", dass sich die Vorwürfe als unbegründet erweisen würden, sagte er der Bild-Zeitung. In seinem mehr als 40-jährigen Berufsleben sei er "den Prinzipien des ehrbaren Kaufmanns stets treu geblieben", betonte der Bankenchef. Deshalb fühle er sich ungerecht behandelt und werde sich zur Wehr setzen. Für einen Rücktritt sehe er "keinen Grund".

Dem Handelsblatt sagte Fitschen, er halte das Vorgehen der Staatsanwaltschaft für "überzogen". Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main ermittelt wegen des Verdachts der schweren Steuerhinterziehung beim Handel mit CO2-Emissionszertifikaten, Geldwäsche und versuchter Strafvereitelung gegen 25 Mitarbeiter der Deutschen Bank - darunter Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause. Gegen fünf Mitarbeiter wurde ein Haftbefehl erlassen.

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