Die Eurokrise ist zurückgekehrt - zumindest an den italienischen Aktienmarkt. So ließ der angekündigte Rücktritt von Italiens Ministerpräsident Mario Monti zu Beginn der Woche die Kurse an der Börse in Mailand deutlich einknicken, der MIB-Index verlor 2,2 Prozent. Am Anleihemarkt sprang die Rendite zehnjähriger italienischer Anleihen um 24 Basispunkte auf 4,75 Prozent. Dagegen hielt sich die Verunsicherung an den anderen europäischen Märkten in Grenzen, der Dax schaffte gegen Handelsende sogar den Sprung in positives Terrain.

Am Aktienmarkt in Mailand gaben vor allem die Bankenaktien deutlich nach. Italiens Banken und Versicherer halten in großem Umfang italienische Staatsschulden. Fallen deren Kurse oder steigt das Ausfallrisiko, dann drohen den Geldhäusern und Assekuranzen Wertberichtigungen. Die Aktie von Unicredit UCG.MI +0,60% UniCredit S.p.A. Italy: Milan 5,86 +0,04 +0,60% 26 Nov. 2014 14:33 Volumen (​15 Min. verzögert) : 37,05 Mio. KGV N/A Marktkapitalisierung 34,14 Milliarden € Dividendenrendite 1,52% Umsatz/Mitarbeiter 153.751 € fiel um 5,2 Prozent, die Titel von Intesa Sanpaolo ISP.MI -0,25% Intesa Sanpaolo S.p.A. Italy: Milan 2,42 -0,01 -0,25% 26 Nov. 2014 14:33 Volumen (​15 Min. verzögert) : 79,36 Mio. KGV N/A Marktkapitalisierung 39,70 Milliarden € Dividendenrendite 2,06% Umsatz/Mitarbeiter 447.649 € gaben ebenfalls um über 5 Prozent nach.

Italiens Ministerpräsident Mario Monti hat seienn Rückzug noch vor den Wahlen im Frühjahr erklärt. dapd

Überraschend stabil zeigte sich dagegen der Euro angesichts der wieder gewachsenen Unsicherheit, für die nicht nur Italien verantwortlich zeichnet. So hat Griechenland sein Angebot zum Rückkauf von Staatsanleihen um zwei Tage verlängert. Wie die Regierung mitteilte, wird sie Anleihen bis zum 11. Dezember um 13 Uhr deutscher Zeit zurücknehmen. Ursprünglich war die Rücknahmefrist am Freitag abgelaufen. Nach Angaben informierter Personen hat die Regierung jedoch nicht wie erhofft Papiere für 30, sondern nur 26 bis 28 Milliarden Euro erhalten.

Die UBS UBSN.VX -0,53% UBS AG Switzerland: SWX Europe CHF16,86 -0,09 -0,53% 26 Nov. 2014 14:32 Volumen (​15 Min. verzögert) : 807.238 KGV 18,13 Marktkapitalisierung 65,16 Milliarden CHF Dividendenrendite 1,48% Umsatz/Mitarbeiter 594.170 CHF erklärte den mit rund 1,29 Dollar auf dem Niveau vom Freitag notierenden Euro damit, dass die neue politische Lage in Italien ein spanisches Hilfsersuchen wahrscheinlicher machen könnte. Dennoch überwiegen aktuell die Sorgen, gerade auch auf europäischer Ebene. So hat der Chef der Euro-Rettungsfonds ESM und EFSF, Klaus Regling, vor einer neuerlichen Verschärfung der Euro-Krise gewarnt. „Italien hat im vergangenen Jahr wichtige Reformen angeschoben. Das haben die Märkte bislang honoriert, allerdings haben sie auf die aktuellen Entwicklungen Ende vergangener Woche beunruhigt reagiert", sagte Regling in einem Interview der Süddeutschen Zeitung. Für Italien wie für die gesamte Währungsunion sei es wichtig, dass der Reformprozess fortgesetzt werde.

Die Société Générale GLE.FR -0,78% Societe Generale S.A. France: Paris 39,19 -0,31 -0,78% 26 Nov. 2014 14:33 Volumen (​15 Min. verzögert) : 1,74 Mio. KGV 14,20 Marktkapitalisierung 31,80 Milliarden € Dividendenrendite 2,55% Umsatz/Mitarbeiter 635.925 € sieht im stabilen Euro einen Beleg dafür, dass nicht einmal auf kurze Sicht eine allzu große Belastung zu erwarten ist – zumindest solange der Markt damit rechne, dass Monti weiterhin eine wichtige Rolle spielen werde. Panik sei bislang nicht zu beobachten. Um die Teilnehmer nachhaltiger zu beunruhigen müsse die Berlusconi-Partei Volk der Freiheit in den Umfragen deutlich zulegen oder aber der Euro müsste unter 1,28 Dollar sinken.

Ohnehin dürften die Märkte das Risiko weniger in einer Rückkehr von Silvio Berlusconi selbst an die Macht sehen, sondern vielmehr in der Unsicherheit, die sich aus der wegbrechenden Unterstützung für den Kurs Montis im Parlament ergibt.

„Der mögliche Rückzug von Monti als Regierungschef wäre ein Desaster für das internationale Ansehen Italiens, vor allem wenn es noch mit einer Rückkehr von Berlusconi verbunden wird", sagte ein Händler. Monti sei der einzige Politiker Italiens, der bei ausländischen Investoren vollstes Vertrauen genießt. „Damit würde Italien gleich wieder als Problemfall Europas thematisiert werden", so ein anderer Händler zur Begründung der Reaktion an den italienischen Finanzmärkten. Und Carl Weinberg von High Frequency Economics wartete mit der düsteren Einschätzung auf, Italien sei nun ein größeres Problem als Griechenland.

Ins selbe Horn stieß Annalisa Piazza von Newedge: Sollte Präsident Napolitano die derzeitige Regierung für gescheitert erklären, dann sei mit „hohen Volatilitäten und steigenden Renditeaufschlägen" zu rechnen. Die Meinung an den Märkten sei, dass es in einem neu gewählten Parlament keine klare Mehrheit geben dürfte. Sollte dies tatsächlich so eintreten, würde das Sparprogramm der vergangenen 14 Monate voraussichtlich nicht weitergeführt. „Sollte Ex-Ministerpräsident Berlusconi die Wahlen gewinnen, dann dürften italienische Staatsanleihen ein Aus der Sparbemühungen bis auf weiteres einpreisen", erläuterte die Analystin. Die politischen Risiken in Italien seien gegenwärtig „sehr groß".

Das aus Sicht der Finanzmärkte beste Szenario wäre hingegen, wenn im Falle eines Wahlausgangs ohne klaren Sieger, erneut eine technokratische Regierung - möglicherweise wieder unter Führung Montis - die Sparmaßnahmen fortführen würde, so Piazza.

Genau damit rechnen die Analysten der Unicredit. Sie sehen zwar kurzfristige Turbulenzen an den Märkten, zeigen sich aber auf mittlere Sicht zuversichtlich. Es dürfte entweder zu einer Regierung unter Führung des Partito-Democratico-Chefs Pier Luigi Bersani kommen, eventuell mit Monti als Staatspräsident. Oder aber erneut zu einer von Monti geführten Regierung der Technokraten. Beides liefe auf eine Fortsetzung des Reformprozesses hinaus. Auch J.P.Morgan JPM -1,08% JPMorgan Chase & Co. U.S.: NYSE $60,30 -0,66 -1,08% 25 Nov. 2014 16:06 Volumen (​15 Min. verzögert) : 14,26 Mio. NACHBÖRSLICH $60,30 0,00 % 25 Nov. 2014 18:37 Volumen (​15 Min. verzögert) : 539.838 KGV 11,08 Marktkapitalisierung 225,41 Milliarden $ Dividendenrendite 2,65% Umsatz/Mitarbeiter 400.580 $ sieht Italien nach den Wahlen weiter auf einem Reformpfad.

Die Credit Suisse gewinnt der Monti-Ankündigung sogar positives ab und spricht von einem Silberstreif am Horizont. Es sei von Vorteil, dass die Zeit bis zu den Wahlen nun verkürzt sei. Der Markt dürfte einen Mitte-Links-Sieg als leicht positiv einschätzen, und Monti könne nun als „Zentrist" in die Schlacht ziehen.

Monti, seit November 2011 im Amt, hatte in Italien eine Serie von Wirtschaftsreformen umgesetzt und das Vertrauen der Investoren wieder erlangt. In seiner Amtszeit hatte sich die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen von über 7 Prozent auf bis zu 4,38 Prozent reduziert.

Dass aktuell die Daten zur italienischen Industrieproduktion schwächer als erwartet ausgefallen sind, spielte für das Tagesgeschäft kaum eine Rolle. „Das fügt sich einfach in das Schreckensbild der Investoren", sagte ein Händler. Italiens Industrieproduktion ging im Oktober um 1,1 Prozent zum Vormonat zurück, erwartet wurden war nur ein Rückgang um 0,2 Prozent.

Angesichts der kurzfristigen Entwicklung der Renditen steht nun auch eine Auktion italienischer Anleihen am Donnerstag verstärkt im Blick - so sie denn stattfindet. Bei Lloyds Bank LLOY.LN +0,03% Lloyds Banking Group PLC U.K.: London GBp79,61 +0,02 +0,03% 26 Nov. 2014 13:33 Volumen (​15 Min. verzögert) : 43,45 Mio. KGV N/A Marktkapitalisierung 56,87 Milliarden GBp Dividendenrendite N/A Umsatz/Mitarbeiter 402.201 GBp schließt man nicht aus, dass die Auktion angesichts der gegenwärtig angespannten Lage in den Januar verschoben werden könnte. Details zu Umfang und Laufzeit der Auktion sollen noch am Montagabend bekannt gegeben werden, der Markt rechnet bislang jedoch mit dreijährigen Titeln.

Kontakt zu den Autoren: ralf.zerback@dowjones.com und steffen.gosenheimer@dowjones.com