Twitter reagiert auf die wachsende Beliebtheit von Smartphone-Fotos auf sozialen Foto-Netzwerken wie Instagram. Der Kurznachrichtendienst kündigte am Montag eine neue Version der offiziellen App für Android und iPhone an, in die eine Reihe von Fotofiltern integriert wurde. Die neue Version der Apps beinhaltet eine Sammlung von Filtern, die Anwender auf ihre Fotos anwenden können und sollen damit die Konkurrenz des sozialen Foto-Netzwerks Instagram überflüssig machen, in das eine eigene Bildbearbeitung mittels Filtern eingebaut ist.

Die neuen Fotofilter in der Twitter-App für Android und iOS. Twitter

Unter anderem das Wall-Street-Journal-Blog AllThingsD hatte sich die Einführung der Software zuvor durch Insider bestätigen lassen. Fotofilter verleihen Fotos einen bestimmten Look. Besonders populär sind Smartphone-Fotos die mittels der in Instagram integrierten Fotofilter ein Retro-Aussehen verpasst bekommen. Instagram befindet sich seit August dieses Jahres im Besitz von Facebook.

Am Sonntag zuvor hatte Instagram seinen Dienst für Twitter-Nutzer gesperrt. Instagram bestätigte, die Unterstützung für den Dienst Twitter Cards komplett eingestellt zu haben. Twitter-Nutzer können damit die Bilder nicht mehr direkt in den Neuigkeiten sehen. Twitter Card ist der Name für die Schnittstelle von Twitter, die es Anbietern anderer Dienste wie Instagram erlaubt, die eigenen Inhalte direkt in die Apps und die Website von Twitter zu integrieren.

Mit den offiziell im Twitter-Blog angekündigten Fotofiltern lassen sich Digitalfotos wie bei Instagram so verändern, dass sie wirken, als seien sie mit alten Analogkameras aufgenommen worden. Ebenso wie bei Konkurrenz kann der Nutzer vor dem Anwenden eines Filters erst in einer Vorschau überprüfen, wie der jeweilige Filter wirkt.

Außerdem kann der Nutzer die Fotos mit einem einfachen Werkzeug beschneiden, Schatten aufhellen und die Farbgebung korrigieren. Die neue Twitter-App für Android ist bereits on Googles Play Store verfügbar, die für iOS auf Apples iPhone ist noch nicht veröffentlicht.

Instagram-App auf einem iPhone. dapd

Warum beeilte sich Twitter derart, das Update noch vor Jahresende auszuliefern? Vielleicht will der Dienst einen Teil der unvermeidlich steigenden Zahl von Urlaubsfotos einheimsen. An Thanksgiving wurden alleine auf Instagram durchschnittlich mehr als 200 Fotos pro Sekunde veröffentlicht, die einen Bezug zu dem Fest hatten. Insgesamt zählte der Dienst an diesem Tag 10 Millionen Thanksgiving-Fotos. An Weihnachten und Silvester wird diese Zahl vermutlich noch übertroffen.

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Schon vor der aktuellen Aufkündigung der Zusammenarbeit von Instagram sprachen einige Beobachter von einem „Foto-Krieg" zwischen Twitter und Instagram. Beide Services versuchen die Nutzer zunehmend innerhalb ihrer Plattformen einzuzäunen. Sowohl Facebook als auch Twitter hatten zuvor von Instagram profitiert, weil mit dem Dienst geschossene Fotos auch über ihre Plattformen geteilt wurden.

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Instagram war als reine App für das iPhone gestartet, bietet inzwischen neben einer Android-Version aber auch eine stetig wachsende Website zur Nutzung am PC. Das Unternehmen versucht damit die Nutzer von Twitter auf die eigene Website wegzulocken.

Auch Googles soziales Netzwerk mischt im Krieg der Fotos mit – und stellte erste diese Woche seine eigene Software zum Editieren von Fotos namens Snapseed vor. Die Fotofilter-Offensive von Twitter, über die als erstes in der New York Times berichtet wurde, ist bedeutsam: Im Silicon Valley weiß man, wie visuell gesteuert die Nutzer sind. Genau das ist der Grund, warum Facebook-Chef Mark Zuckerberg eine Millarde Dollar für Instragram gezahlt hat. Es ist auch der Grund, warum Twitter seinen „Entdecke"-Reiter eingeführt hat, bei dem Fotos im Mittelpunkt stehen. Nur wenige Wochen vor Weihnachten tickt für Twitter nun die Uhr.

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