Bei einem Angriff auf ägyptische Oppositionelle auf dem Tahrir-Platz in Kairo sind nach Angaben der Behörden am Dienstag neun Menschen verletzt worden. Maskierte Bewaffnete hätten die Regierungsgegner mit Schrot beschossen, hieß es. Der britische Sender BBC hatte zuvor unter Berufung auf Augenzeugen gemeldet, das Lager der Opposition auf dem Tahrir-Platz sei auch mit Brandsätzen angegriffen worden.

Größere Auseinandersetzungen zwischen Regierungsanhängern und der Opposition wurden für Dienstag befürchtet, wenn es der Armee nicht gelingt, die beiden Seiten auseinanderzuhalten, wenn es zu den angekündigten Massenkundgebungen kommt.

Streitpunkt ist ein Verfassungsentwurf, der weitgehend von den Islamisten ausgearbeitet wurde und über den am 15. Dezember abgestimmt werden soll. Die Opposition lehnt den Entwurf für die neue Verfassung ab, hat aber bisher nicht zu einem Boykott des Referendums oder einer Ablehnung des Entwurfs an den Wahlurnen aufgerufen. Darüber werde aber noch diskutiert, sagte ein Sprecher der Nationalen Heilsfront, der oppositionellen Dachorganisation von Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei.

Mit Blick auf die Abstimmung wurden den Streitkräften weitere Rechte eingeräumt. So können Soldaten durch einen am Montag in Kraft getretenen Erlass von Präsident Mohammed Mursi auch Zivilisten festnehmen. Bis zur Bekanntgabe des Ergebnisses des Verfassungsreferendums seien die Streitkräfte in Kooperation mit der Polizei dafür zuständig, wichtige staatliche Institutionen zu schützen und die Sicherheit zu gewährleisten, hieß es in dem Dekret.

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