George Soros fürchtet um die Zukunft der Europäischen Union. Die Gefahr sei sehr real, dass die Eurokrise zum Auseinanderbrechen der EU führe, sagte die Investorenlegende bei einer Veranstaltung in Frankfurt. Verantwortlich dafür macht er Deutschland.

George Soros am Dienstag in Frankfurt. Reuters

Deutschland zögere, Verantwortung zu übernehmen und beschränke sich darauf, den verschuldeten Euroländern nur so viel Hilfe zukommen zu lassen, dass diese nicht pleitegehen würden, sagte der 82-Jährige bei einem Vortrag des Center for Financial Studies an der Goethe-Universität Frankfurt.

Die Sparpolitik, die den verschuldeten Krisenländern verschrieben wurde, hält Soros für verfehlt: „Man kann eine Schuldenlast nicht mit einem schrumpfenden BIP vermindern." Damit werde sich die Schuldenkrise über kurz oder lang weiter verschärfen, die Anspannung zwischen Gläubiger- und Schuldnerländern werde immer größer – und dann werde die EU zerbrechen. Nicht sofort, vielleicht erst in 20 Jahren. „Aber sie wird zerbrechen, das ist meine Sorge."

Deutschland soll Eurobonds zustimmen oder aus der Eurozone austreten

Der Investor fordert deshalb, dass Deutschland eine aktive, führende Rolle einnehmen muss - und hat auch gleich eine Lösung für die Eurokrise parat. Deutschland soll gemeinsamen Staatsanleihen zustimmen - oder aus der Eurozone austreten. Die Einführung von Eurobonds reduziere die Gefahr von Zahlungsausfällen, und die Kosten für Kreditaufnahmen würden sinken. „Italien zum Beispiel könnte bis zu 4 Prozent seines BIP sparen und damit neue Impulse für die Konjunktur geben."

Dass Deutschland bei einer solchen Lösung höhere Renditen zahlen müsste als momentan, ist für Soros kein Problem. Die extrem niedrige Rendite auf deutsche Staatsanleihen sind für ihn ein Symptom für die Krankheit der Peripherieländer, die es zu heilen gilt. Zudem seien die Kosten für die dauerhafte Anstrengung, den Euro mit Minimalmitteln zu erhalten, auf Dauer für die Bundesrepublik höher als die Einführung gemeinsamer Bonds.

Der gebürtige Ungar bevorzugt zwar die erste Lösung. Doch gemeinsame Eurobonds könnten laut Soros auch ohne Deutschland funktionieren. Dann müsse Deutschland erwägen, die Eurozone zu verlassen und die verschuldeten Krisenländer machen lassen: „Deutschland darf seine eigene Meinung haben. Es hat aber kein Recht, die Schuldnerländer daran zu ketten."

Abwertung für Schuldenländer, Aufwertung für Deutschland

Der Starinvestor glaubt, dass ein Ausstieg Deutschlands zu einer Abwertung des Euro führen würde und die verbliebenen Schuldenländer wieder wettbewerbsfähiger werden. Deutschland wiederum dürfte stark genug sein, um die Auswirkungen wie die Aufwertung der eigenen Währung zu verkraften.

Lange habe er überlegt, ob er seine Gedanken vor oder nach der Bundestagswahl äußern solle, sagte Soros. Doch er befürchtet, dass die Krise bis dahin in Deutschland angekommen sein und Rezession herrschen dürfte.

Welche seiner beiden Alternativen die bessere sei, müssten letztendlich die Wähler entscheiden. „Man darf nicht EU und Euro durcheinander bringen, das eine ist das Ziel, das andere nur Mittel zum Zweck."

Widerspruch von Issing

Der ehemalige EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing widersprach Soros. Die Einführung von Eurobonds mit dem von Soros beschriebenen Effekt einer Verringerung der Rendite würde in den Schuldnerländern erneut die Illusion hervorrufen, die bereits vor der Einführung des Euro geherrscht und letztendlich zu der hohen Verschuldung der Peripherieländer geführt hatte: niedrige Zinsraten ohne Konsequenzen, wenn Regeln gebrochen werden. Zudem seien gemeinsame Anleihen demokratisch nicht legitimiert.

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