Zehn hochrangige Unternehmenschefs haben den britischen Premier in einem Brief davor gewarnt, neue Privilegien von der EU zu verlangen. Der konservative Regierungschef hatte versprochen, dass sich das Verhältnis zwischen Großbritannien und EU ändern werde – und dass die Briten mitbestimmen können, wie.

Jetzt machen die Firmenlenker aber mobil gegen Camerons europafeindliches Ansinnen. Nach Neuverhandlungen zu verlangen, würde bedeuten, „unsere Mitgliedschaft in der EU zu riskieren und eine gefährliche Unsicherheit für die britischen Unternehmen zu kreieren – und das ist das letzte, was ein Premier tun sollte", sagten die Unternehmer um Richard Branson, prominenter Chef der Virgin-Gruppe.

Cameron wird später in diesem Monat eine Rede über die Beziehung zwischen Großbritannien und der EU halten – ein politisch umkämpftes Thema. London will sein Verhältnis zum Kontinent neu ordnen und Macht zurückgewinnen. Dahinter wabert die unausgesprochene Drohung, die Briten könnten irgendwann ganz aus der Gemeinschaft austreten.

Die Euroskeptiker in seiner Partei verlangen, dass er eine Volksabstimmung zur Mitgliedschaft des Landes in der EU abhält. Viele von ihnen glauben, dass unnötige Regeln aus Brüssel die Wirtschaft auf der Insel lähmen. Sie wollen in Zukunft nicht mehr als eine Handelsgemeinschaft mit Brüssel. Cameron hatte als Antwort auf das Ansinnen betont, dass es im Interesse Londons ist, in der Gemeinschaft zu bleiben und so die Wirtschaftspolitik beeinflussen zu können – aber er Veränderungen im Verhältnis anstoßen will.

In ihrem Brief haben die Unternehmenslenker betont, Cameron habe zu Recht die Idee abgeschmettert, eine reine Handelspartnerschaft mit der EU zu unterhalten – wie Norwegen oder die Schweiz, die keinen Einfluss auf die Marktregeln auf dem Kontinent haben. Sie schrieben auch, dass die EU in Fragen wie Arbeitsrecht und Budget dringend reformiert werden müsse. Zu den Absendern gehörten neben Flugunternehmer Branson der Verbandschef Roger Carr und Unternehmenslenker etwa vom Rohstoffriesen Rio Tinto oder vom Werbekonzern WPP.

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