Wenn Sie darüber nachdenken, Ihren PC auf das neue Windows 8 zu aktualisieren, stellen Sie sich auf Ärger und Enttäuschung ein – insbesondere, wenn der Rechner älter als ein oder zwei Jahre ist. Das gilt selbst dann, wenn er die von Microsoft MSFT -0,37% Microsoft Corp. U.S.: Nasdaq $47,35 -0,18 -0,37% 22 Sept. 2014 10:14 Volumen (​15 Min. verzögert) : 6,78 Mio. KGV 17,79 Marktkapitalisierung 391,56 Milliarden $ Dividendenrendite 2,62% Umsatz/Mitarbeiter 677.570 $ angegebenen Mindestvoraussetzungen für Windows 8 erfüllt.

Startbildschirm von Microsofts Windows 8. dapd

Ich weiß das, weil ich ein Großteil der vergangenen Woche damit verbracht habe, Windows 8 auf zwei PCs großer Markenhersteller zu installieren: Ein Lenovo-Laptop von 2008 und ein Desktop-PC mit Touchscreen-Bildschirm von Hewlett-Packard HPQ +0,43% Hewlett-Packard Co. U.S.: NYSE $36,95 +0,16 +0,43% 22 Sept. 2014 10:14 Volumen (​15 Min. verzögert) : 1,18 Mio. KGV 13,73 Marktkapitalisierung 68,66 Milliarden $ Dividendenrendite 1,73% Umsatz/Mitarbeiter 354.132 $ aus dem Jahre 2009. Es war ein schmerzhafter Installationsprozess und am Ende funktionierten einige Dinge nicht mehr, obwohl beide PCs gut mit Windows 7 laufen und alle formalen Systemvoraussetzungen für Windows 8 erfüllten.

Natürlich werden die Erfahrungen von Nutzern mit PCs aus einer Zeit, in der Windows 8 bereits erwartet wurde, besser ausfallen. Alternativ gibt es auch Hersteller, die Software-Updates für ihre Rechner bereitstellen, um sie mit Windows 8 kompatibel zu machen. Für meine beiden PCs war das leider nicht der Fall – möglicherweise weil die Hardware nicht das Optimum für Windows 8 bietet.

So kann das Touchpad meines Laptops Lenovo ThinkPad X301 beispielsweise nicht dazu genutzt werden, den neuen für Tablets ausgerichtete Startbildschirm von Windows 8 zu steuern oder bestimmte Gesten unter dem neuen Touch-System auszuführen. Auf dem anderen Rechner, dem HP TouchSmart 300, ist der Touchscreen nicht sensibel genug, um die Gesten von Windows 8 wirklich zuverlässig auszuführen. Außerdem funktioniert das Mikrofon nicht. Und um zu verhindern, dass das System auf dem HP-Rechner ständig einfriert, musste ich einen Großteil der installierten Software entfernen – darunter Software von HP und Microsoft.

Es ist für ältere PCs nicht ungewöhnlich, dass sie nicht alle Vorteile der neuen Version eines Betriebssystems nutzen können – und Windows 8 bringt viele Veränderungen. Ich war allerdings überrascht, wie schwer es war, herauszufinden, dass meine beiden PCs nicht in der Lage sein werden, mit dem neuen System richtig zu arbeiten. Ich nahm an, dass der Microsoft-Installer mich warnen würde – doch er tat es nicht.

Informationen im Vorfeld einholen

Ein Teil des Problems war wohl meine eigene Schuld. Hätte ich Voraus die Webseiten von Lenovo und HP durchforstet, hätte ich die Information finden können, dass die Hersteller die Geräte für nicht geeignet halten, um sie mit Windows 8 zu betreiben.

So steht auf der HP-Website beispielsweise folgendes über mein TouchSmart, nachdem ich eine obskure offizielle Produktnummer gefunden und auf der Website eingegeben hatte: „HP hat den PC nicht getestet. Daher ist HP nicht in der Lage, Ihnen Upgrade-Informationen oder Treiber für Windows 8 anzubieten. Sie könnten Basisfunktionalitäten und Stabilität verlieren, wenn Sie updaten." Leider habe ich das erst nach meiner Aktualisierung gelesen.

Eine Sprecherin von HP erklärte: „Bei jedem PC ist es entscheidend, dass Hardware und Software gut zusammenarbeiten. Einige ältere PCs von uns, darunter auch das 2009 eingeführte TouchSmart 300, sind schlicht nicht in der Lage, von den umfangreichen Neuerungen zu profitieren."

Ein Lenovo-Sprecher sagte: „Das X301 ist fünf Jahre alt und Lenovo hat sich dazu entschieden, ein Update auf Windows 8 für das Gerät nicht zu unterstützen. Die Touchpad-Hardware unterstützt nicht alle Funktionen von Windows 8."

DVD-Box von Windows 8 Pro. dapd

Update-Tester von Microsoft zum Download

Microsoft bietet eine Software für das Update zum Download an, die mich möglicherweise gewarnt hätte. Doch die Box der Windows 8 Pro DVD empfiehlt den Einsatz der Software sowie eine die Überprüfung der Websites des Herstellers in klitzekleiner Schrift auf der Rückseite.

Mein Problem war, dass ich zu viel Vertrauen in das Installationsprogramm von Windows 8 setzte. Ich erwartete von der Installationssoftware, dass sie meinen PC überprüfen würde, um festzustellen, ob es bei meinen Geräten grundsätzliche Inkompatibilitäten mit dem neuen Betriebssystem gibt. Tatsächlich gab es eine, die erkannt wurde: die Bluetooth-Schnittstelle bei beiden Geräten. Die Installationssoftware wies mich an, die Bluetooth-Treiber vor der Installation zu deinstallieren, was ich brav tat.

Ich fragte Microsoft, warum der Installer mich nicht vor den Inkompatibilitäten warnte. Der Microsoft-Sprecher sagte, dass die Firma einfach nicht wisse, wie sich jedes einzelne Computermodell bei einem Update verhalte, weshalb es Nutzern empfehle, nach Anleitungen und Warnungen des Herstellers zu suchen.

Auch mit dem Installationsprogramm selbst hatte ich Probleme. Beim HP-Gerät funktionierte es auf Anhieb weder mit den DVDs noch mit der Windows-8-Version, die zum Download bereit steht. Daher musste ich die Download-Version auf einen USB-Stick kopieren, um den Installer auszuführen – der Stick muss dazu mindestens 3 Gigabyte Speicher haben.

Windows 8 zum Kampfpreis

Bis zum 31. Januar 2013 gibt es das Update auf Windows 8 Pro von Windows XP, Vista oder Windows 7 noch für 30 Euro bei der Downloadversion oder 60 Euro bei der DVD-Version. Die Pro-Version ist mit einigen High-Ende-Funktionen ausgestattet, die in Unternehmensnetzwerken nützlich sind, kann aber genau so gut von Heimanwendern genutzt werden. Microsoft hat noch nicht die offiziellen Preise nach dieser Phase bekanntgegeben, sie dürften jedoch bei mindestens rund 100 Euro für die Standard-Version von Windows liegen und bei der Pro-Version ist es vermutlich das Doppelte.

Die Grundvoraussetzungen für Windows 8 sind ein Prozessor mit einer Taktung von 1 Gigahertz oder mehr sowie 1 Gigabyte Arbeitsspeicher für die 32-Bit-Version beziehungsweise 2 Gigabyte für die 64-Bit-Version (der Installer klärt Sie auf). Außerdem benötigen Sie je nach Variante 16 oder 20 Gigabyte freien Festplattenspeicher sowie eine Grafikkarte, die mindestens Microsofts-3D-Grafikstandard „DirectX 9 mit WDDM-Treibern" beherrscht.

In meinem Test dauerte die Installation auf beiden Computern rund zwei Stunden – doch mehr als ein ganzer Arbeitstag ging dabei drauf, die beiden Systeme zu optimieren und Updates für die vorinstallierten Apps von Microsoft einzuspielen. So entdeckte ich beispielsweise, dass nach der Installation die WLAN-Verbindung auf beiden Rechnern nicht mehr funktionierte – und ich die Firewall vorübergehend deaktivieren musste, um wieder Empfang zu haben. Eine Aktualisierung meiner Antivirus-Software behob das Problem.

Große Probleme auf dem HP-Computer

Auf dem HP-Rechner waren die Probleme schlimmer. Ich hatte mit dem Gegenteil gerechnet, weil der Rechner neuer ist und einen Touchscreen besitzt. Auf dem HP-PC erwies sich Windows 8 zunächst als so fehlerhaft, dass ich nicht einmal mehr auf den Startbildschirm zurückkam, nachdem ich eine App geöffnet hatte und der Rechner fierte regelmäßig komplett ein. Ich musste einen „Refresh" durchführen – ein Prozess, bei dem Windows 8 neu installiert wird, ohne die vorhanden Dateien zu löschen. Dabei werden jedoch alle klassischen Windows-Anwendungen gelöscht und nur die neuen Apps im Windows-8-Kachel-Stil bleiben über, die über den Windows-8-Store gekauft wurden. Dieser „Refresh" führte dazu, dass das System runder lief. Allerdings funktionierte dann immer noch nicht das Mikrofon und auch der Touchscreen funktionierte dann immer noch nicht so gut wie neue Bildschirme.

Ich verlor Dutzende Programme, darunter HPs Touchsoftware Suite, den Google GOOG -1,06% Google Inc. Cl C U.S.: Nasdaq $589,76 -6,32 -1,06% 22 Sept. 2014 10:14 Volumen (​15 Min. verzögert) : 245.213 KGV N/A Marktkapitalisierung 406,34 Milliarden $ Dividendenrendite N/A Umsatz/Mitarbeiter 1.321.030 $ -Browser Chrome, iTunes, Windows Live Essentials und Firefox. Ich brauchte also viel Zeit, einige der Anwendungen neu zu installieren.

Am Ende lief Windows 8 auf beiden Rechnern flink aber mit Tücken – und beide Systeme starteten schneller als zuvor. Auf den PCs war nach der Installation zwischen 12 und 13 Gigabyte weniger freier Festplattenspeicher als vorher. Das lag vor allem daran, dass der Windows-Installer inkompatible Dateien in ein spezielles Verzeichnis namens „Windows.old" verschiebt. Sie können dieses Verzeichnis löschen, um wieder mehr Speicher zu gewinnen oder warten, bis der Ordner nach 28 Tagen automatisch gelöscht wird.

Die PC-Branche will, dass Sie Windows 8 mit einem komplett neuen PC kaufen und die meisten Windows-8-Nutzer werden wohl diesen Weg gehen. Doch wenn Sie keinen neuen PC kaufen wollen oder können, sollten Sie vermutlich bei dem Windows bleiben, was Sie haben.

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