Der Mobilfunkgigant Vodafone will seine Stellung in Deutschland möglicherweise mit einer spektakulären Übernahme stärken. Der britische Konzern erwäge ein Angebot für den Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland, sagten zwei mit den Vorgängen vertraute Personen. Vodafone könnte damit seinem hierzulande schärfsten Rivalen, der Deutschen Telekom, sowie O2 Germany und E-Plus das Leben schwer machen.

Vodafone könnte seine Stellung in Deutschland mit einer spektakulären Übernahme stärken. Reuters

Die Überlegungen von Vodafone seien aber in einem sehr frühen Stadium, so die Personen. So haben die Briten noch keinen Beschluss gefasst, ob sie tatsächlich ein Angebot für den nach Abonnenten größten deutschen Kabelnetzbetreiber abgeben werden. Offizielle Gespräche mit dem Management von Kabel Deutschland habe es noch nicht gegeben.

Vodafone ist der zweitgrößte Anbieter von Festnetz und Mobilfunk in Großbritannien nach der British Telecom Group. Der Konzern hat schon mehrfach durchblicken lassen, an einer Konsolidierung des europäischen Marktes teilnehmen zu wollen, ist vor großen Akquisitionen bislang aber zurückgeschreckt. Vergangenes Jahr wurde die britische Cable & Wireless Worldwide für gut eine Milliarde britische Pfund übernommen. Damit ist der zuvor reine Mobilfunkanbieter Vodafone erstmals ins Festnetzgeschäft eingestiegen.

Im restlichen Europa ist Vodafone auf die Wettbewerber angewiesen. Von diesen muss sie Festnetzleitungen mieten, wenn sie Mobilfunk-, Fernseh- und Internetdienstleistungen gebündelt anbieten will.

Vor fünf Jahren hatte Vodafone schon einmal für Kabel Deutschland geboten

Vor rund fünf Jahren hatte Vodafone schon einmal ein Gebot für Kabel Deutschland erwogen, als dieses noch nicht an der Börse gehandelt wurde. Analysten zufolge würde eine Übernahme jetzt sehr teuer werden. Die Bewertung sei mit 5,64 Milliarden Euro Marktkapitalisierung beziehungsweise dem 24-fachen der Gewinnschätzung für 2013/14 bereits hoch, so die Analysten der DZ Bank. Vodafone sei derzeit rund 11 Mal so viel wert wie die entsprechende Gewinnschätzung.

Banker hatten dem Wall Street Journal Deutschland gesagt, dass auch der US-Medienkonzern Liberty Global des Milliardärs John Malone jüngst ein Gebot für Kabel Deutschland erwogen habe, um den deutschen Kabelmarkt noch weiter zu konsolidieren. Danach sieht es aber derzeit nicht aus. Liberty hat diesen Monat schon die Übernahme des britischen Kabelfernsehen- und Internetanbieters Virgin Media eingefädelt. Da Liberty außerdem schon den zweitgrößten deutschen Kabelnetzbetreiber Unitymedia Kabel BW hält, wäre mit kartellrechtlichen Einwänden gegen eine Übernahme von Kabel Deutschland zu rechnen.

Über Vodafones Interesse an Kabel Deutschland hatte zuerst das Manager Magazin berichtet. Weder Vodafone noch Kabel Deutschland wollten die Informationen kommentieren.

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