Mittwoch, 13. Februar 2013, 17:44 Uhr

Das sind Deutschlands härteste Vorstandsjobs

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Der Sportartikelhersteller Puma hat in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung verloren, die Konkurrenz um Adidas und Nike ist meilenweit voraus. Kein leichter Job für Franz Koch, der eigentlich nur noch so lange im Amt bleiben will, bis ein Nachfolger gefunden ist. Die Marke befindet sich in der größten Restrukturierung seit den neunziger Jahren. Puma konzentrierte sich zu stark auf Lifestyle-Mode und vernachlässigte den Profisport. Im sportlichen Bereich hat Puma daher wenig zu bieten. Der neue Chef muss die Marke Puma wieder auf Hochglanz polieren. dapd

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Rüdiger Grube hat die Politik immer mit im Gepäck, das ist Segen und Fluch zugleich. Einerseits sichert der Staatsbesitz der Deutschen Bahn die finanzielle Unterstützung, die auch dringend für Projekte wie Stuttgart 21 oder das chronisch unterfinanzierte Schienennetz gebraucht wird. Auf der anderen Seite weht Grube von europäischer Seite eisiger Wind entgegen: EU-Kommissar Siim Kallas will der Bahn das Schienennetz nehmen. Grube muss die richtigen Wege im politischen Labyrinth finden. dapd

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Der Baukonzern Hochtief leidet zwei Jahre nach der Übernahme durch den spanischen Konkurrenten ACS unter Ertragsschwäche – in allen Sparten. Die frühere Ertragsperle Leighton hat sich noch nicht vollständig von ihren zwei Milliardenflops erholt, in den USA gehen die Gewinne wegen des schwächelnden Wohnungsbaus zurück und Europa gilt schon seit langem als Sorgenkind. Der neue Chef, der frühere ACS-Manager Marcelino Fernández Verdes, hat sich auf die Fahnen geschrieben, Hochtief wieder auf Profitabilität zu trimmen – natürlich auch zum Wohle des spanischen Großaktionärs. Alle Bereiche stehen auf dem Prüfstand, besonders die Europasparte. dapd

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Reinhard Ploss hat Infineon nach dem krankheitsbedingten Ausscheiden von Peter Bauer in einer Schwächephase übernommen: Der Konzern leidet unter der konjunkturell begründeten schwachen Nachfrage vor allem im Industriegeschäft und muss sparen. Wie es mit Ploss und Infineon weitergeht, hängt vor allem auch davon ab, wie schnell die Autobranche, ein wichtiger Kunde, wieder Fahrt aufnimmt. dapd

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Olaf Koch ist um seinen Job nicht zu beneiden. Der Düsseldorfer Handelskonzern Metro gleicht einer Baustelle. Das Unternehmen hat unter seinem Vorgänger Eckhard Cordes nur durch Einsparungen geglänzt, ist strategisch bei seinen Kerngeschäftsfeldern Großhandel und Media Saturn aber auf der Stelle getreten. Beide Geschäftsfelder will Koch umbauen, um Metro wieder wettbewerbsfähig zu machen. Sträflich vernachlässigt wurde insbesondere das Online-Geschäft bei Media Saturn. Zudem lähmt der Streit mit Media-Markt-Gründer Erich Kellerhals um Macht und Einfluss im Elektronikgeschäft. dapd

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Tui gleicht einer vor Jahren begonnenen Großbaustelle, die nie zu Ende gebracht wurde. Was der bisherige Chef Michael Frenzel seit Jahren nicht geschafft hat, soll nun der Neueinsteiger in der Branche, der ehemalige Vodafone-Deutschland-Chef Friedrich Joussen, zu Ende bringen. Die Beteiligung an der verlustträchtigen Reederei Hapag-Lloyd soll endlich abgestoßen werden. Zudem fordern die Aktionäre nach Jahren der Enthaltsamkeit endlich eine Dividende. Joussen, im Vorfeld viel gelobt, muss nun liefern. dapd

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Dem Piloten der Lufthansa weht der Wind aus vielen Richtungen ins Gesicht. Christoph Franz trimmt die Lufthansa deshalb auf Sparkurs, um künftig zweigleisig zu fahren: Eine Holz- und eine Premiumklasse sollen endlich wieder mehr Kunden und steigende Gewinne für Deutschlands größte Fluggesellschaft abwerfen. Franz nimmt dabei den Kampf mit den angelsächsischen Preisbrechern und den Petro-Dollar-Fliegern der Araber auf – Ausgang ungewiss. dapd

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Die Energiewende und die sinkende Stromnachfrage bereiten den Chefs von Eon und RWE erhebliches Kopfzerbrechen. Peter Terium und Johannes Teyssen müssen Deutschlands Energieriesen komplett neu aufstellen, mehr als 20.000 Jobs wollen beide zusammen kürzen. Gleichzeitig müssen sich Terium und Teyssen nach neuen Wachstumsfeldern umsehen. dapd

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Dem Solarpionier Frank Asbeck droht der Untergang. Nach dem Börsengang im Jahr 1999 wuchs Solarworld scheinbar ohne Grenzen. Jetzt erreichen auch Asbeck die Probleme, die schon viele Firmen der Branche zu Fall gebracht haben: Billigimporte aus China und die Förderkürzung. Vom Sonnenkönig kann keine Rede mehr sein, Asbeck kämpft bei Solarworld ums Überleben. dapd

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Erst vor kurzem musste Daimler-Chef Dieter Zetsche seinen Aktionären beichten, dass auch 2013 eher mau aussehen wird. Das größte Problem: Die Luxusauto-Sparte Mercedes-Benz in China. Während die Konkurrenz aus Ingolstadt und München dort unablässig zweistellige Zuwachsraten erzielt und damit den schwächelnden europäischen Markt ausgleichen kann, setzte Mercedes-Benz 2012 nur mickrige 1,5 Prozent mehr ab. Ein eigenes Vorstands-Ressort für China, sowie die Beteiligung am chinesischen Partner BAIC sollen diese Schwächen nun ausmerzen. Außerdem schicken die Schwaben viele neue Modelle auf den Markt. dapd

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Das Führungsduo der Deutschen Bank steht nach dem mehr als holprigen Start noch immer vor einem Riesenberg von Problemen. Die Beseitigung von Altlasten bestimmt das Tagesgeschäft. Der Libor-Skandal und der nicht enden wollende Kirch-Prozess fordern Anshu Jain und Jürgen Fitschen heraus. Dabei gerät etwas aus dem Fokus, dass die Großbank zumindest bei der Kapitalquote zuletzt einen kleinen Erfolg erzielt hatte – am großen Wurf müssen Jain und Fitschen aber noch arbeiten. dapd

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Siemens-Chef Peter Löscher steht vor einer Großbaustelle: Unrentable Sparten trennt der Österreicher ab, Gewinnbringer werden gestärkt. Löscher will, oder vielmehr muss durchgreifen. Zu Beginn seines zweiten, fünf Jahre laufenden Vertrags drückt er kräftig auf die Kostenbremse und muss eine Milliardensumme einsparen. Löscher läuft Gefahr, nach der Gewinnwarnung im Vorjahr und massiven Problemen bei Prestigeprojekten wie dem ICE seinen Ruf als erfolgreicher Erneuerer zu verspielen. dapd

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Es dürfte einer der härtesten Jobs in der Luftfahrtbranche weltweit sein: Wolfgang Prock-Schauer muss das ausbaden, was Air-Berlin-Gründer Joachim Hunold angerichtet hat. Deutschlands zweitgrößte Fluglinie steckt immer noch in den roten Zahlen fest. Der Österreicher, der im Gegensatz zu seinem Vorgänger Hartmut Mehdorn ein Branchenexperte ist, muss angesichts der Schieflage von Air Berlin massiv auf die Kostenbremse treten – und auf die weitere Sympathie des Großaktionärs – Etihad Airways – hoffen. dapd

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Martin Blessing hatte von Anfang an eine schwierige Aufgabe bei der Commerzbank. Er trat sein Amt an, als Deutschlands zweitgrößte Bank die strauchelnde Dresdner Bank übernahm. Da tobte bereits der Sturm der Finanzkrise. Verluste, Teilverstaatlichung, Stellenstreichungen und zurückgenommene Prognosen sind seitdem gefolgt. Besserung ist noch nicht in Sicht. dapd

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Karl-Thomas Neumann tritt ab 1. März den momentan wohl schwierigsten Job in der Automobilindustrie an: den Chefposten bei Opel und die Leitung des gesamten Europageschäfts von General Motors. Opel steckt seit Jahren tief in den roten Zahlen. Arbeitnehmer schimpfen, die Lage bei der traditionsreichen Marke sei nie prekärer als heute. Die Schuldenkrise in Europa und massive Überkapazitäten machen es den Rüsselsheimern extrem schwer, Geld zu verdienen. Problematisch werden wohl auch die Verhandlungen mit den Arbeitnehmern. Der ehemalige Volkswagen-Manager muss der Belegschaft erneut immense Zugeständnisse abringen, um Opel wieder in die Spur zu bringen. dapd

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Heinrich Hiesinger kämpft um den Erhalt des Ruhrkonzerns Thyssen-Krupp, zumindest in seiner jetzigen Form. Der Chef des Stahlkolosses stutzt das traditionelle Stahlgeschäft, in dem aktuell kaum Geld zu verdienen ist, in Europa zusammen. Für die verlustträchtigen Stahlwerke in Übersee muss er möglichst zügig einen Käufer finden – auch, um die drückende Schuldenlast des Konzerns zu verringern. Das gut laufende Industriegeschäft mit zum Beispiel Aufzügen und U-Booten will er weiter stärken. Ein Balance-Akt, da Hiesinger auch mit der mächtigen Krupp-Stiftung auf einen Nenner kommen muss. dapd