In modernen Autos findet gerade eine technologische Revolution statt, die weit über kleine Extras wie Internetradio und sprachgesteuerte Facebook -Updates hinausgeht.

Wer schon mindestens fünf Jahre lang keinen Neuwagen mehr gekauft hat, dürfte beim Autohändler auf einige exotische Neuerungen stoßen. Um sicherheitsbewusste Fahrer zu überzeugen, haben sich die Autobauer Gedanken darüber gemacht, wo man noch überall einen Airbag einbauen könnte. Nachtsichtgeräte so ähnlich wie die, die das Militär nutzt, um Feinde zu erspähen, sind immer häufiger auch in Luxuswagen zu finden. Und um Fahrzeuge noch effizienter zu machen, gibt es mittlerweile Modelle mit bis zu neun Gängen.

Derzeit könnten sich nur wenige Verbraucher solche Technologien leisten. Doch viele teure Innovationen werden mit der Zeit billiger und sind dann auch in günstigeren Autos zu finden. Einige Beispiele stellen wir Ihnen hier vor:

Sicherheitsgurte mit Airbag: In einigen Ford-Modellen sind sie schon eingebaut. Ford

Aufblasbarer Sicherheitsgurt

Autobauer und Sicherheitstechnologiefirmen wie die schwedische Firma Autoliv haben Schultergurte entwickelt, in denen Airbags eingebaut sind. In den USA hat Ford diese Technologie zum ersten Mal im Modell Explorer aus dem Jahr 2011 eingebaut. Jetzt will Mercedes-Benz die besonders sicheren Gurte in der S-Klasse anbieten.

Obwohl traditionelle Schulter- und Beckengurte jedes Jahr tausende von Todesfällen verhindern, können sie auch das sogenannte Sicherheitsgurtsyndrom verursachen. Vor allem bei schweren Unfällen kann der Druck durch den Gurt zu Schäden an Organen, Muskeln und der Wirbelsäule führen. Aufblasbare Gurte können dieses Risiko reduzieren. Typische Airbags wie zum Beispiel im Lenkrad nutzen ein heißes Gas, um sich schnell genug aufzublasen. Um Verbrennungen zu verhindern, werden die Gurt-Airbags mit einem kalten Gas aufgepumpt.

Ford bietet diese Gurte derzeit in vier Modellen an, und ein Viertel der Käufer bestellt die Gurt-Airbags mit, berichtet der Autobauer. Mercedes will die Technologie wahrscheinlich noch in anderen Modellen anbieten, nennt dazu jedoch keine Details.

Eine Infrarotkamera soll dabei helfen. Fußgänger zu sehen. BMW

Fußgänger im Dunkeln sehen

Autounfälle, in die auch Fußgänger verwickelt sind, finden immer mehr Beachtung. In den USA sterben jährlich 4000 Fußgänger, nachdem sie von einem Auto erfasst wurden. Fast 70.000 Menschen wurden 2011 bei solchen Unfällen verletzt, heißt es in staatlichen Statistiken. Viele dieser Unfälle passieren nachts.

Dieses Jahr führt BMW eine Technologie ein, die nachts mithilfe einer Infrarotkamera Hindernisse auf der Straße erkennt. Die Software weist dann die Scheinwerfer an, sich auf Menschen oder Tiere auf der Fahrbahn zu richten. Außerdem erscheint im Sichtfeld des Fahrers ein Warnsymbol.

Neue Displays können individuell programmiert werden. Lexus

Ein ganz individuelles Armaturenbrett

Früher gab es auf Armaturenbrettern noch mechanische Einstellräder und Messgeräte. Heute bevorzugen Autobauer digitale Displays, die die Fahrer selbst programmieren können, je nachdem, welche Informationen sie beim Autofahren sehen wollen.

Der neue Lexus IS F-Sport, der im Juni auf den Markt kommt, bietet einen Dünnschichttransistor-Bildschirm sowie einen mechanischen Tachometer und somit eine Mischung aus Altem und Neuem.

Der Flachbildschirm kann für zwei unterschiedliche Fahrer programmiert werden. „Man kann die Sprache ändern und zwischen Meilen und Kilometern wechseln", erklärt Bill Camp von Lexus.

Autos mit mehr Gängen sollen beim Benzinsparen helfen. BodeMarc

Getriebe mit neun Gängen

Die strengen staatlichen Anforderungen an die Effizienz von Fahrzeugen hat Autobauer dazu getrieben, Pkw mit immer mehr Gängen auszustatten.

Man muss nicht besonders alt sein, um sich an die Zeit zu erinnern, als die meisten Autos noch vier Gänge hatten. Jetzt will Chrysler ein Neun-Gang-Getriebe anbieten, das sogar in ein relativ kleines Auto mit Frontantrieb hineinpasst.

Die ZF Friedrichshafen AG stellt diese Getriebe her. Verglichen mit einem Automatikgetriebe mit sechs Gängen könne man zehn bis 16 Prozent Benzin sparen, berichtet die Firma. Doch die Automatiksoftware muss dabei Präzisionsarbeit leisten: Schaltet sie zu oft, hat der Fahrer den Eindruck, dass der Wagen nicht flüssig fährt, schaltet sie zu selten, sind die Effizienzvorteile des besonderen Getriebes dahin.

Michael Ebenhoch, Entwicklungsdirektor für den Frontantrieb bei ZF Friedrichshafen, glaubt, dass ein Neun-Gang-Getriebe etwa das Maximum ist, das sinnvoll ist. „Andererseits dachte auch der Entwickler des fünften Ganges, dass der sechste unnötig wäre."

Der Q50 von Nissan wird komplett elektronisch gelenkt. Infinti

Steuern per Computer

Traditionell ist das Lenkrad eines Autos durch mechanische Elemente mit den Reifen verbunden. Doch der neue Q50 von Infiniti (der Luxusmarke von Nissan) ist das erste Auto, das komplett elektronisch gelenkt wird.

Befürworter dieser Technologie glauben, dass ein elektronisches Signal schneller auf die Bewegung des Lenkrads reagieren kann als eine mechanische Verbindung. Zudem können die Fahrer ein ruhiges oder sportlicheres Lenkgefühl auswählen. Sollte die Elektronik einmal ausfallen, gebe es immer noch ein mechanisches Sicherheitssystem, mit dem das Auto unter Kontrolle bleibe, berichtet Infiniti.

Im Q50 steckt noch mehr Technologie: Zum Beispiel gibt es ein radarunterstütztes Bremssystem, das einen Teil der Arbeit für den Fahrer übernimmt – außer, dieser will auf einer kurvigen Straße den Fahrspaß komplett eigenständig auskosten.

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