Fondsmanager George Soros hat mit dem schwachen Yen schon fast eine Milliarde Dollar gemacht. Reuters

Japan ist entschlossen, seine Währung zu schwächen und dadurch die eigene Wirtschaft anzukurbeln. Das hat einige der größten amerikanischen Hedgefonds auf den Plan gerufen. Sie haben Milliardensummen auf einen weiteren Fall des Yen gesetzt.

Auf den fallenden Yen zu setzen ist seit gut drei Monaten das heißeste Geschäft an der Wall Street. George Soros, der in den 1990er Jahren sein Vermögen mit Wetten gegen das britische Pfund machte, soll damit seit November bereits Gewinne von fast einer Milliarde US-Dollar eingestrichen haben. Aber auch Greenlight Capital von David Einhorn, Third Point von Daniel Loeb und Hayman Capital Management von Kyle Bass sollen am schwachen Yen kräftig mitverdienen.

Die Geschäfte der Hedgefonds haben wiederum mit dazu beigetragen, dass der Yen in den vergangenen vier Monaten um fast 20 Prozent nachgegeben hat. Schon greift die Angst vor einem weltweiten Währungskrieg um sich. Länder wie Deutschland und Frankreich haben die japanische Politik kritisiert. Andere Staaten haben damit gedroht, ebenfalls den Kurs ihrer eigenen Währung zu drücken, um gegenüber Japan wettbewerbsfähig zu bleiben. Besonders Exportländer profitieren davon, wenn eine schwache Währung ihre Waren im Ausland billiger macht.

Schon vor der Wahl zum japanischen Ministerpräsidenten Ende vergangenen Jahres sprangen die Anleger auf den Abwärtszug des Yen. Je drastischer die Forderungen von Abe und seinen Parteifreunden wurden, desto mehr Geld setzten die Händler, was den Yen weiter sinken ließ. Schnell kam diese Botschaft auch bei Hedgefonds und anderen Großanlegern an. Gemeinsam mit dem Wahlsieg Abes haben diese Verkäufe den Devisenmarkt kräftig aufgewirbelt. Am Mittwoch erhielt man für einen Dollar noch etwa 93 Yen. Mitte November waren es nur 79. „Es ist eine Wette auf die Abe-Ökonomie", heißt es aus dem Umfeld von Soros' Firma.

Der K.O.-Schlag

Eine beliebte Methode, gegen den Yen zu wetten, sind so genannte „Reverse-knockout Optionen". Diese Optionen werfen Gewinn ab, wenn der Yen fällt. Stürzt er aber zu stark ab, werden sie wertlos. Durch diese Gewinnbremse waren sie im November vergleichsweise billig zu haben.

Hier ist ein Beispiel, wie die Optionen mit einem Basispreis von 90 und einem K.O.-Preis von 92 Yen je Dollar funktionierten:

•Im November kauften die Anleger zweimonatige Optionen.

•Am 18. Januar fiel der Yen-Kurs auf 90 Yen gegenüber dem Dollar. Die Inhaber der Optionen verzeichneten dadurch hohe Buchgewinne.

•Wer diese Option dann verkaufte oder in andere Geschäfte umwandelte, verdiente viel Geld.

•Am 1. Februar fiel der Yen unter 92. Dadurch wurde die Option für ihre Besitzer wertlos.

Zu diesem Schluss sind auch andere gekommen. Zu den lautesten Unterstützern des Geschäfts gehört Robert Ettinger, der bei der Bank of America BAC -0,53% Bank of America Corp. U.S.: NYSE $16,95 -0,09 -0,53% 19 Sept. 2014 16:04 Volumen (​15 Min. verzögert) : 85,80 Mio. NACHBÖRSLICH $16,93 -0,02 -0,12% 19 Sept. 2014 19:58 Volumen (​15 Min. verzögert) : 2,66 Mio. KGV 26,08 Marktkapitalisierung 178,24 Milliarden $ Dividendenrendite 1,18% Umsatz/Mitarbeiter 395.876 $ den Optionshandel für Währungen aus der G10-Gruppe verantwortet. Ettinger hat laut Angaben eines Anlegers kürzlich bei einem Vortrag berichtet, er liebe es, auf einen fallenden Yen zu setzen. Der Handelstisch der Bank of America hat damit auch Geld verdient, berichten mit den Positionen vertraute Personen. Ettinger wollte keinen Kommentar abgeben.

Kaum jemand hat aber so viel Geld gemacht wie George Soros. Die 82-jährige Investorenlegende habe mit seiner 24 Milliarden schweren Vermögensverwaltung auf dem Papier fast eine Milliarde Dollar Gewinn erzielt, sagen mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die Firma Soros Fund Management, die externe Anleger im vergangenen Jahr ausbezahlte, spekuliert noch immer mit dem Geld von Soros und seiner Familie. Etwa 15 Milliarden werden selbst verwaltet, der Rest geht an andere Investoren. Seit Sommer steht Scott Bessent an der Spitze. Er baute die Yen-Position Ende des Jahres aus. Das Soros-Unternehmen profitiert gleichzeitig vom Höhenflug der japanischen Aktien, die etwa 10 Prozent des Portfolios ausmachen.

Wetten auf den Yen sind keine Angelegenheiten für Angsthasen. Japan versucht seit Jahren vergeblich, seine Währung zu schwächen und Wirtschaft und Aktienmarkt anzukurbeln. Wer Short-Positionen gegen den Yen und japanische Staatsanleihen aufbaute, verbrannte sich in der Vergangenheit oft empfindlich die Finger, weil Yen und Bonds stattdessen wieder stiegen. Die Geschäfte waren an der Wall Street daher als „Witwenmacher" bekannt. „Man ist kein Makro-Händler, wenn man nicht schon mal mit Wetten gegen Japan Geld verloren hat", sagt ein Händler.

Die neue japanische Wirtschaftspolitik ist auch das große Thema beim Treffen der Finanzminister der G-20 am Wochenende in Moskau. Widersprüchliche Berichte über die Linie der kleineren G-7-Gruppe gegenüber Abe sorgten diese Woche für starke Schwankungen im Kurs des Yen. Nach einer globalen Welle der Kritik haben Abe und seine Berater ihren Ton gemäßigt. Stattdessen hat die Notenbank eine weitere Lockerung der Geldpolitik durch Anleihekäufe verkündet, wie sie auch die amerikanische Fed und die Europäische Zentralbank vornehmen. Sie will damit Japan aus der langen Deflation befreien. Die Abschwächung der Währung ist eine der Nebenwirkungen.

So schnell die Anleger in den Yen-Handel eingestiegen sind, so schnell könnten sie allerdings auch wieder aussteigen. Besonders wenn die Märkte glauben sollten, dass Tokio erfolgreich von seiner Anti-Deflationspolitik abrückt, würde das den Kurs nach oben schnellen lassen. Die Notenbank hatte ihr Inflationsziel kürzlich auf zwei Prozent verdoppelt. Einige Hedgefonds kappen daher bereits ihre Positionen. „Es gibt konzertierte Bemühungen, zwei Jahrzehnte der Deflation zu beenden", sagt Chris Ayton von der Alternative Investment Group, die im Auftrag der Kunden in Hedgefonds investiert. „Aber ich sehe nicht, dass es diesmal anders läuft. Es gibt immer noch eine hohe Skepsis."

Wem der fallende Yen schadet, ist nicht ganz klar. Einige japanische Exporteure mit ausstehenden Forderungen verkaufen Dollar und kaufen am Markt für Termingeschäfte Yen. Das könnte bedeuten, dass sie aktuell auf Verlusten sitzen, sagen Händler und Analysten. „Japanische Exporteure müssen Yen kaufen, und sie haben das jetzt ein bisschen verstärkt, weil sie nicht an eine dauerhafte Yen-Schwäche glauben", sagt David Woo, Chef des globalen Devisenresearch bei der Bank of America. Die Aktien von Exportunternehmen haben von der Rally an der Börse profitiert. Außerdem ist die japanische Exportwirtschaft nicht mehr so exportabhängig wie früher, was die Auswirkungen des Yen-Absturzes schwächt, erklären Analysten.

Im Gegensatz zu Soros' legendärer Wette auf das britische Pfund im Jahr 1992 dürften die aktuellen Wetten weder Japan noch den Yen ins Wanken bringen. Das liegt auch daran, dass der Yen-Handel ein liquiderer Markt ist, den Anleger schwerer beeinflussen können. Fast alle japanischen Anleihen sind in inländischem Besitz. Auch daher bleiben Short-Positionen auf das Land von pessimistischen Investoren ohne große Auswirkungen. Soros' riskante Wette auf das Pfund war außerdem überkreuz mit der Politik der Bank of England. Heute riskieren die Hedgefonds Milliarden, weil sie auf den Erfolg der japanischen Notenbank im Kampf gegen die Deflation hoffen.

Video auf WSJ.com

U.S. hedge-fund investors have made billions off the weakening yen. The prospect of inflation in Japan as the yen weakens may prompt people to turn to gold as a currency hedge.

Dass die erfolgreichen Yen-Wetten der Großanleger immer mehr Trittbrettfahrer anziehen, weckt bei einigen Anlegern die Sorge, dass die Neuankömmlinge ihre Taten bald bereuen könnten – ähnlich den Apple-Anlegern, die sich kurz vor dem Absturz der Aktie noch üppig mit Anteilsscheinen eindeckten. Aber auch wer zu früh kam, steht heute womöglich mit leeren Händen da: Einige Investoren haben sich bereits aus dem Handel gegen den Yen zurückgezogen, weil sie sich die Verluste nicht mehr leisten konnten. Das erinnert an Hypothekenspezialisten, die lange gehaltene Wetten gegen Subprime-Kredite aufgelöst hatten, kurz bevor die Blase 2007 platzte. Dadurch verpassten sie hohe Gewinne.

David Einhorn von Greenlight Capital ist dabeigeblieben. Im Januar hat sein Unternehmen dank der Yen-Wette 3 Prozent Gewinn gemacht. „Wir haben die Geschäfte vor etwa drei Jahren angelegt. Die ersten zwei Jahre plus ein paar Monate waren kein großer Spaß", sagt Einhorn. Er glaubt aber, dass die Talfahrt des Yen weitergeht.

Anleger haben eine ganze Reihe von Möglichkeiten, gegen den Yen zu setzen, von komplexen Derivaten zu einfachen Verkaufsoptionen, wie sie Einhorn nutzt. Andere mussten dagegen eine schnelle Kehrtwende hinlegen. Das mit 141 Milliarden verwalteten Dollar größte Hedgefonds-Unternehmen der Welt, Bridgewater Associates, hatte 2012 auf einen Anstieg des Yen spekuliert. Diese optimistischen Positionen mussten im vierten Quartal zurückgezogen werden. Jetzt sei man „geringfügig short" zum Yen, heißt es in einem Brief an die Anleger aus dem Januar.

Berichtigung
Der Großteil der japanischen Anleihen befindet sich in inländischem Besitz. In einer früheren Version war zu lesen, dass sich die Anleihen überwiegend im Auslandsbesitz befinden

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