Es ist eines der größten Geschäfte in der Lebensmittelbranche: Der vor allem als Ketchup-Hersteller bekannte US-Lebensmittelkonzern Heinz geht in neue Hände über. Die Firma Berkshire Hathaway der Investment-Ikone Warren Buffett übernimmt das Unternehmen aus Pittsburgh gemeinsam mit 3G Capital in einem 23 Milliarden US-Dollar schweren Deal.

Der Ketchup-Hersteller Heinz wird von Berkshire Hathaway und 3G Capital übernommen. Associated Press

Je Anteil zahlen die beiden Finanzinvestoren den Heinz-Aktionären 72,50 Dollar, eine Prämie von 20 Prozent auf den Schlusskurs am Mittwoch. Heinz ist hierzulande vor allem für seine Saucen bekannt, verkauft aber auch Suppen unter der Marke Weight Watchers.

Buffett ist für den Deal eine seltene Partnerschaft eingegangen. In der Vergangenheit hat er Unternehmen aus einer ganzen Reihe von Branchen dank der immensen Ressourcen von Berkshire meist im Alleingang übernommen. Dem Fernsehsender CNBC sagte Buffett, das Berkshire in dem Heinz-Geschäft zwar 12 bis 13 Milliarden Dollar an Bargeld bereitstellt. Den Hut habe aber 3G auf, eine brasilianische Investmentfirma, die 2010 die Fastfood-Kette Burger King übernommen hat.

Die Transaktion, die im dritten Quartal 2013 abgeschlossen werden soll, muss noch von den Heinz-Aktionären und den Regulierungsbehörden abgesegnet werden.

Inklusive Schulden hat das Geschäft ein Volumen von 28 Milliarden Dollar und ist damit die größte Übernahme eines reinen Lebensmittel-Unternehmens. Auf Platz eins war bis dato die Übernahme von Bestfoods durch Unilever 2000 für 23,2 Milliarden Dollar. Der Konsumgüterkonzern verleibte sich damit Marken wie Lipton und Knorr ein.

Die Heinz-Übernahme ist aber weniger als halb so groß wie die gewaltige Akquisition des Brauers Anheuser-Busch durch die belgische InBev für 60 Milliarden Dollar. Eine weitere Milliarden-Transaktion war der Kauf von RJR Nabisco durch KKR 1988 für 31,1 Milliarden Dollar. Hier ging es aber nicht nur um Lebensmittel, sondern auch um Tabak.

Laut Buffett werden Berkshire und 3G jeweils Aktienkapital im Wert von 4,5 Milliarden Dollar an Heinz halten. Berkshire bekäme außerdem rund 8 Milliarden Dollar in Vorzugsaktien.

Die Partnerschaft mit 3G ist zwar ungewöhnlich für Buffett, das Übernahmeziel selbst hingegen nicht. Buffett hatte immer klargestellt, dass er starke Marken und ein gutes Management zu schätzen weiß. Bei Heinz lobte er das "starke und nachhaltige Wachstumspotenzial, was sich auf hohe Qualitätsstandards, kontinuierliche Innovation, ein exzellentes Management und großartig schmeckende Produkte gründet".

Zu Berkshire gehören unter anderem schon der Versicherer Geico, der Farbenhersteller Benjamin Moore, die Unterwäsche-Firma Fruit of the Loom und die Restaurantkette Dairy Queen. Mit Heinz bekommt Buffett ein Unternehmen, das weltweit dank seines Ketchups bekannt ist, das aber im Moment mit schwachen Absätzen auf dem US-Markt zu kämpfen hat. Die Übernahme ist für Berkshire die größte seit dem Kauf des Eisenbahnbetreibers Burlington Northern Santa Fe 2009 für 25 Milliarden Dollar.

2011 hatte Buffett schon klargemacht, dass er die Barreserven von Berkshire nutzen will, um Deals abzuschließen. "Die Flinte ist nachgeladen und mein Abzugsfinger juckt", schrieb Buffett in dem Jahr an seine Aktionäre.

Sein Partner 3G Capital Management, ein Finanzinvestor mit Büros in New York und Rio De Janeiro, ist bekannt für die Übernahme von Burger King 2010. Im Dezember hielt die Gesellschaft immer noch 70 Prozent an der Fastfood-Kette, die einen Marktwert von etwa 4 Milliarden Dollar hat.

Buffett erzählte CNBC, dass die Beteiligung von Berkshire an dem Heinz-Deal erstmals im Dezember zum Thema wurde, als er gemeinsam mit Jorge Paulo Lemann von 3G im Flugzeug saß. Sie kannten sich, weil sie einst zusammen im Board von Gilette gesessen hatten. Buffett sagte, es sei "möglich", Heinz für die Übernahme weiterer Marken "im Laufe der Zeit" zu nutzen.

Heinz hat zuletzt im zweiten Geschäftsquartal einen Gewinnsprung um mehr als ein Fünftel erzielt. Dabei profitierte der Konzern in erster Linie von einem deutlichen Wachstum in den Schwellenländern. Das Wachstum war aber insgesamt schwächer als erwartet, was an den Industrieländern lag. Hier versucht Heinz, mit massiven Marketing-Maßnahmen gegenzusteuern.

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