Er war erst kurz im Amt, als Nokia NOK1V.HE -1,41% Nokia Corp. Finland: Helsinki 6,31 -0,09 -1,41% 01 Sept. 2014 18:29 Volumen (​15 Min. verzögert) : 17,13 Mio. KGV 10,69 Marktkapitalisierung 23,95 Milliarden € Dividendenrendite 4,12% Umsatz/Mitarbeiter 266.889 € -Chef Stephen Elop vor zwei Jahren seine fast schon legendäre Brandrede zur misslichen Lage des finnischen Telefon-Giganten hielt. Zwei Jahre später ist Elop immer noch da. Und im vergangenen Monat konnte er erstmals seit sechs Quartalen wieder schwarze Zahlen verkünden. Ist dem ehemaligen Microsoft MSFT +1,23% Microsoft Corp. U.S.: Nasdaq $45,43 +0,55 +1,23% 29 Aug. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 19,83 Mio. NACHBÖRSLICH $45,44 +0,01 +0,02% 29 Aug. 2014 19:59 Volumen (​15 Min. verzögert) : 1,78 Mio. KGV 17,08 Marktkapitalisierung 374,34 Milliarden $ Dividendenrendite 2,47% Umsatz/Mitarbeiter 677.570 $ -Manager also das größte Comeback seit dem „Rumble in the Jungle", dem berühmten Boxkampf zwischen Muhammed Ali und George Forman, gelungen? Auch damals, im Jahr 1974, war es einem taumelnden und bereits abgeschriebenen Schwergewicht (Ali) gelungen, die Welt zu überraschen.

Vor zwei Jahren hielt Nokia-Chef Stephen Elop eine Rede zur Lage des vor sich hin siechenden Mobilfunkherstellers. Er malte düstere Bilder. Reuters

Elop sorgte mit der Abkehr vom in die Tage gekommenen mobilen Nokia-Betriebssystems Symbian für die größte Kontroverse. Er ignorierte die Avancen des Google GOOG +0,42% Google Inc. Cl C U.S.: Nasdaq $571,60 +2,40 +0,42% 29 Aug. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 1,02 Mio. NACHBÖRSLICH $572,97 +1,37 +0,24% 29 Aug. 2014 19:54 Volumen (​15 Min. verzögert) : 60.905 KGV N/A Marktkapitalisierung 390,26 Milliarden $ Dividendenrendite N/A Umsatz/Mitarbeiter 1.321.030 $ -Rivalen Android und entschied sich stattdessen für die noch ungetestete Windows-Phone-Software von Microsoft. Nicht wenige sind heute überzeugt, dass Elop die richtige Wahl getroffen hat.

„Als Stratege muss man sich fragen, ob man sein Feld lieber selbst bestellen und sich damit ein wenig von den Wettbewerbern abheben will, oder ob man lieber in den direkten Konkurrenzkampf mit Samsung und HTC eintreten möchte", sagt Ben Wood, Forschungsleiter bei CCS Insight. „Hätte sich Nokia für die zweite Variante entschieden, wären sie vernichtend geschlagen worden."

Wood nimmt den Mobiltelefon-Hersteller HTC als Beispiel. Das Unternehmen habe Anfang 2012 mit dem HTC One X ein hervorragendes Gerät auf den Markt gebracht. Es verkaufte sich super – für zwei Wochen. „Dann haben sie ihren Kopf aus dem Graben gesteckt, und Samsung hat ihn abgeschossen. Ähnlich wäre es auch bei Nokia abgelaufen."

Pete Cunningham, Chefanalyst bei Canalys, nimmt noch weniger Blätter vor den Mund: „Wären sie auf den Android-Zug aufgesprungen, wären sie jetzt schon tot. Windows Phone war die einzige Chance, die Nokia hatte."

Es gibt noch einen Punkt, in dem sich die Analysten einig sind: Der radikale Umbau bei Nokia, den Elop in Gang brachte, war zwingend nötig – so brutal er auch gewesen sein mag. Der neue Chef hat die Unternehmenskultur verändert und einen riesigen Ausverkauf veranstaltet. Er kürzte Stellen und trennte sich von allem Überflüssigen – darunter auch vom eigenen Bürogebäude. Das Hauptquartier in Finnland wurde für 170 Millionen Euro verkauft und anschließend zurückgemietet. 32.000 Mitarbeiter mussten bisher gehen. Die Kosten für die Restrukturierung belaufen sich schon jetzt auf mehr als eine Milliarde Euro. Und Elop hat weitere Abbaupläne noch nicht ausgeschlossen.

Zugute halten muss man Elop, dass er „die Taktfrequenz bei Nokia" erhöht hat, wie er im vergangenen Jahr sagte. Das sieht auch Wood so: „Es ist ein Wunder, dass sie es geschafft haben, 2011 ein [Windows Phone]-Produkt auf den Markt zu bringen." Seit damals ist es den Finnen gelungen, in regelmäßigen Abständen weitere Geräte herauszugeben.

„Wir befinden uns noch immer in einer Übergangsphase. Allerdings sind wir schon jetzt sehr zufrieden damit, wie die Nokia-Produkte im Vergleich zur Konkurrenz abschneiden. Uns spielt dabei unser Fokus auf überzeugende Verbrauchererfahrungen in die Karten", sagte Elop. „Wir konzentrieren uns darauf, die Herzen unserer Kunden zu gewinnen. So können wir die Leistung von Nokia weiter steigern."

Aktienkurs von Nokia hängt in den Seilen

Wenn es Elop also gelungen ist, seine Position im Ring zu behaupten, dann geht es nun darum, einen Weg zurück in den Wettkampf zu finden. In diesem Punkt sind die Beobachter jedoch nicht ganz so optimistisch. Der Aktienkurs von Nokia hängt trotz der jüngsten Aufwärtsbewegung in den Seilen. Die Dividende wurde kassiert, und die Finnen haben bereits angekündigt, dass die Zahlen im ersten Quartal 2013 mies sein werden. Was noch hinzu kommt: In den USA sind die Verkaufszahlen von Nokia-Geräten eingebrochen, in China sieht es ebenfalls problematisch aus, und auch in Entwicklungsländern, wo die Finnen immer sehr erfolgreich waren, wird der Konkurrenzkampf mit billigen Android-Geräten immer intensiver.

Um die eigene Position zu stärken, hat Nokia zum Verkaufsstart der Lumia-Smartphones eine zweite Geräteklasse auf den Markt gebracht. Mit der Bezeichnung Asha sollen die Produkte die Lücke zwischen hochwertigen Smartphones und niedrigpreisigen Billiggeräten füllen. Sie wurden speziell für aufstrebende Märkte entwickelt und konnten bereits erste Erfolge verzeichnen. Laut Cunningham muss Nokia nun allerdings zeigen, wie es weitergehen soll. „Es gibt keinen vorgegebenen Weg für Nokias Asha-Nutzer, die zu Windows wechseln wollen." Die Finnen haben zwar günstige Lumia-Smartphones auf den Markt gebracht. Doch Cunningham wünscht sich weitere Geräte, die sich speziell an diese wichtige Zielgruppe richten.

Nachfrage weiterhin schleppend

Und dann bleiben natürlich noch die Zweifel, ob es Windows Phone gelingen kann, hinter Googles Android und Apples iOS zum dritten großen mobilen Betriebssystem aufzusteigen. Denn auch wenn Nokia Symbian offiziell verbannt hat, wurden 2012 immer noch mehr Geräte mit der alten Software verkauft als Lumia-Geräte mit dem neuen Betriebssystem von Microsoft. Zwar nehmen die Windows-Phone-Verkaufszahlen zu. Die Nachfrage ist jedoch noch immer schleppend. Ein Bericht der Marktforscher von Kantar Worldpanel Comtech kommt zu dem Ergebnis, dass Windows Phone seinen Marktanteil in Großbritannien in den vergangenen zwölf Monaten fast verdreifachen konnte - allerdings lediglich von 2,2 auf 5,9 Prozent.

In der Zwischenzeit hat Nokias vermutlich größter Rivale den Kampf um die dritte Position noch einmal zusätzlich angeheizt. Das ebenfalls geschundene Blackberry hat im Januar ein neues Gerät auf den Markt gebracht und ein Update seines Betriebssystems präsentiert. „Ein Blick auf die Veröffentlichung von Blackberry 10 zeigt, dass sie jetzt durchstarten wollen", sagt Wood. „75.000 Apps sind schon jetzt verfügbar. Und Blackberry hat erklärt, dass es die 100.000 in den kommenden Wochen knacken will. Um dieses Ziel zu erreichen, haben sie den Entwicklern ein wenig Risiko abgenommen. Blackberry verspricht ihnen 10.000 US-Dollar, wenn sie über einen Zeitraum von zwölf Monaten auf Einnahmen von mindestens 1.000 Dollar kommen." Microsoft behauptet, über einen Katalog von 150.000 Apps zu verfügen. Bei Apple liegt die Zahl höher – bei 700.000 Programmen.

Ende Februar findet in Barcelona der Mobile World Congress statt. Im vergangenen Jahr nutzte Nokia-Chef Stephen Elop die Bühne, um einige innovative Produkte vorzustellen – darunter ein Smartphone mit hochwertiger Kamera und speziellen Foto- und Filmfunktionen.

Sollte Elop es also Muhammed Ali nachmachen und mit Glanz und Gloria zurückkehren wollen, dann lastet der Druck nun auf ihm. Er muss erneut etwas Großartiges aus dem Hut zaubern, das für Schlagzeilen sorgen kann.

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