Ein neuer Reigen von Übernahmen, angekündigt innerhalb weniger Stunden am Donnerstag reicht von Ketchup über Airlines bis zum Großhandel mit Arzneien. Fast scheint es, als seien die Big Deals zurück an der Wall Street - nach sechsjähriger Abstinenz.

Nach der Finanzkrise ab 2007 war es vorbei mit den Fusionen und Übernahmen. Die zunächst finanziellen, dann wirtschaftlichen Unwägbarkeiten und die teils grassierende Paranoia in den Unternehmen selbst ließen Akquisitionen zu einer Randerscheinung verkommen. In diesem Jahr scheint sich das Blatt zu wenden.

Demnächst unter einer Flagge: U.S. Airways und American Airlines schließen sich zusammen. Es ist nicht die einzige Großfusion dieser Tage, nachdem es lange schien, als würde es keine großen Deals mehr geben. AP

Mit den Deals im Wert von 40 Milliarden Dollar, die allein am Donnerstag bekannt wurden, summiert sich das Gesamtvolumen im sogenannten M&A-Geschäft seit Jahresbeginn auf fast 160 Milliarden US-Dollar. Das ist der schnellste Start in ein neues Jahr seit 2005, jubeln die Statistiker von Dealogic. Mergers & Acquisitions folgen üblicherweise der Entwicklung der Aktienmärkten, weshalb der bisherige 6,7-prozentige Anstieg beim Aktienindex S&P 500 vermuten lässt, dass da noch einiges zu erwarten ist.

„Der Damm ist gebrochen", urteilt denn auch James B. Lee, ein Veteran im Geschäft mit den Big Deals und Vice Chairman der US-Investmentbank J.P. Morgan Chase. JPM +0,49% JPMorgan Chase & Co. U.S.: NYSE $59,45 +0,29 +0,49% 29 Aug. 2014 16:02 Volumen (​15 Min. verzögert) : 8,43 Mio. NACHBÖRSLICH $59,32 -0,14 -0,22% 29 Aug. 2014 19:59 Volumen (​15 Min. verzögert) : 474.850 KGV 15,24 Marktkapitalisierung 223,61 Milliarden $ Dividendenrendite 2,69% Umsatz/Mitarbeiter 404.867 $ Lee hat auch einen Deal zusammengeschustert: Die 24,4 Milliarden Dollar schwere Übernahme des Computerherstellers Dell durch seinen Gründer und eine Beteiligungsgesellschaft. „Die Kräfte waren zu stark, um sie auf Dauer zu stoppen", sagte Lee.

Am Donnerstag kam neben der Heinz-Ketchup-Übernahme noch die 11-Milliarden-Dollar-Ehe der Flugkonzerne AMR und US Airways Group , daneben der modifizierte Deal des Biergiganten Anheuser-Busch InBev, ABI.BT +0,47% Anheuser-Busch InBev N.V. Belgium: Brussels 84,95 +0,40 +0,47% 01 Sept. 2014 17:35 Volumen (​15 Min. verzögert) : 819.515 KGV 20,75 Marktkapitalisierung 135,98 Milliarden € Dividendenrendite 3,41% Umsatz/Mitarbeiter 220.584 € der für die Übernahme der Grupo Modelo GMODELO.MX -2,29% Grupo Modelo S.A.B. de C.V. Series C Mexico MXN117,00 -2,74 -2,29% 01 Sept. 2014 07:58 Volumen (​20 Min. verzögert) : 1 KGV 39,39 Marktkapitalisierung 529,88 Milliarden MXN Dividendenrendite 3,05% Umsatz/Mitarbeiter 2.411.090 MXN die Kult-Biermarke Corona für 4,75 Milliarden Dollar verkauft und der schon fast klein anmutende Erwerb des Pharmagroßhändlers AssuraMed für 2 Milliarden Dollar durch Cardinal Health. CAH +0,59% Cardinal Health Inc. U.S.: NYSE $73,70 +0,43 +0,59% 29 Aug. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 1,16 Mio. NACHBÖRSLICH $73,71 +0,01 +0,01% 29 Aug. 2014 16:44 Volumen (​15 Min. verzögert) : 45.744 KGV 21,55 Marktkapitalisierung 24,81 Milliarden $ Dividendenrendite 1,86% Umsatz/Mitarbeiter 2.678.940 $

M&A-Banker sind bekannt für ihren grundsätzlichen Optimismus, der sich von den äußeren Umständen selten trüben lässt. Doch Lee und andere sind sich sicher, dass es sich nicht um ein zufälliges Zusammentreffen von Großfusionen und Übernahmen handelt, was derzeit die Schlagzeilen prägt. Zu erwähnen wären hier noch die Fusion der Kabelfernsehbetreiber Liberty Global LBTYA -0,98% Liberty Global PLC Cl A U.S.: Nasdaq $43,67 -0,43 -0,98% 29 Aug. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 5,25 Mio. NACHBÖRSLICH $43,67 0,00 % 29 Aug. 2014 16:37 Volumen (​15 Min. verzögert) : 770.003 KGV N/A Marktkapitalisierung 33,08 Milliarden $ Dividendenrendite N/A Umsatz/Mitarbeiter 505.157 $ und Virgin Media für 16 Milliarden Dollar und jener Deal, bei dem Amerikas führender Kalbelkonzern Comcast CMCSA +0,37% Comcast Corp. Cl A U.S.: Nasdaq $54,72 +0,20 +0,37% 29 Aug. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 6,32 Mio. NACHBÖRSLICH $54,73 +0,01 +0,02% 29 Aug. 2014 16:23 Volumen (​15 Min. verzögert) : 437.289 KGV 19,00 Marktkapitalisierung 141,57 Milliarden $ Dividendenrendite 1,64% Umsatz/Mitarbeiter 495.066 $ 18,1 Milliarden Dollar in die Hand nahm, um General Electric GE -0,12% General Electric Co. U.S.: NYSE $25,98 -0,03 -0,12% 29 Aug. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 20,82 Mio. NACHBÖRSLICH $25,96 -0,02 -0,08% 29 Aug. 2014 19:57 Volumen (​15 Min. verzögert) : 1,10 Mio. KGV 18,07 Marktkapitalisierung 260,68 Milliarden $ Dividendenrendite 3,39% Umsatz/Mitarbeiter 471.622 $ als Anteilseigner beim Medienriesen NBCUniversal herauszukaufen.

Das Argument all derer, die das nicht für Zufall halten, geht so: Unternehmen haben die Potenziale weitgehend ausgereizt, die mit Programmen zur Kostensenkung und zur Steigerung der Produktivität vorhanden sind. Jetzt schauen sie wieder über den Tellerrand des Unternehmens hinaus, um das Wachstum zu schaffen, das ihre Aktionäre glücklich macht. Big Deals, so die Theorie, sind eine Möglichkeit dazu.

Im Nachgang zur Rezession haben Unternehmen ihre Produktivität maximal gesteigert, indem sie massiv Stellen gestrichen und die Kosten aggressiv gesenkt haben. Zwischen 2008 und 2009, so weist die es die Fed von St. Louis aus, verbesserte sich die Produktivität amerikanischer Unternehmen um 6 Prozent. Seither haben sich die Zuwächse in erheblichem Maße abgeschwächt. Ende 2012 ging das durchschnittliche Plus bei der Rendite bis auf 1 Prozent zurück.

Für die neue Grundstimmung steht exemplarisch das börsennotierte Unternehmen 1-800-FLOWERS.com, FLWS +0,39% 1-800-FLOWERS.COM Inc. Cl A U.S.: Nasdaq $5,15 +0,02 +0,39% 29 Aug. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 20.551 NACHBÖRSLICH $5,15 +0,00 +0,01% 29 Aug. 2014 16:45 Volumen (​15 Min. verzögert) : 5.003 KGV 40,46 Marktkapitalisierung 330,05 Millionen $ Dividendenrendite N/A Umsatz/Mitarbeiter 345.088 $ ein Dienst für Blumengrüße mit kostenfreier Telefonhotline und Internetbestelldienst. Bei der Analystenkonferenz am 12. Februar beschrieb nämlich Finanzvorstand William E. Shea die Veränderung in der Bilanz seit 2008. Standen damals 130 Millionen Dollar Schulden in der Bilanz, ist es heute ein Guthaben von rund 20 Millionen.

WSJ's Dennis Berman joins The News Hub with a look at the strategy behind the Heinz deal, which may reveal the lengths to which Warren Buffett is willing to go to deploy spare cash. Photo: Getty Images.

„Wir haben keine Angst vor Zukäufen", sagte Shea. „Aber in den vergangenen Jahren wäre das nicht der richtige Schritt für uns gewesen. Wir glauben, dass wir es aus eigener Kraft zu Wachstum bringen können. Aber wenn wir das richtige Unternehmen finden und den passenden Deal machen können, dann werden wir das tun."

Etwas, dass sich tatsächlich geändert hat, ist die Ausrichtung von Kredit- und Aktienmärkten. 2013 findet an beiden Märkten gleichzeitig eine Rally statt. So haben Käufer die Möglichkeit, günstig an Geld zu kommen, während sich für Verkäufer akzeptable Preise einstellen.

Paul Vigna and Erik Holm discuss the latest on Berkshire Hathaway/3G Capital's deal to buy Heinz, and Sam Mamudi looks at airline stocks in the wake of the AMR/USAirways tie-up. Photo: AP.

Sowohl bei der Übernahme von H.J. Heinz als auch bei dem Börsenrückkauf von Dell waren große Finanzierungen von Banken im Spiel. Finanzkonzerne sind wieder bereit, mit großen Summen ins Obligo zu gehen, weil sie darauf vertrauen können, dass sie die Schulden an renditehungrige Investoren weiterverkaufen zu können.

Kreditinvestoren lieben die Big Deals ebenfalls, weil sie einfacher auf dem Sekundärmarkt weiterverkauft werden können. „Für mich ist das der optimale Punkt auf Markt für Fremdfinanzierungen", sagt Christine McConnell, die bei Fidelity Investments für 11 Milliarden Dollar Kreditinvestments betreut.

WSJ's Mike Spector has details on the American Airlines/US Airways merger that creates the world's largest airline, valued at $11 billion. Photo: Getty Images.

Wenige glauben, dass die Zeit der verwegenen Transaktionen wiederkommt, die in den späten 90ern oder bis Mitte des vergangenen Jahrzehnts stattfanden. Seinerzeit war es die Mischung aus billigem Geld, freigiebiger Kreditvergaben der Banken und das aggressive Auftreten von Beteiligungsgesellschaften, die teils schwache Deals hervorbrachten.

Seither haben aktive Aktionäre in den Vorstandsetagen mehr Einfluss gewonnen. Oftmals setzen sie Disziplin bei den Managervergütungen durch - vor allem bei jenen, die eine Neigung zu kreativen Geschäften zeigen.

Manche Deals werden auch von den Behörden verhindert. So untersagte die US-Regierung im Jahr 2011 dem einstigen Monopolisten AT&T T +0,63% AT&T Inc. U.S.: NYSE $34,96 +0,22 +0,63% 29 Aug. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 11,93 Mio. NACHBÖRSLICH $34,90 -0,06 -0,17% 29 Aug. 2014 19:47 Volumen (​15 Min. verzögert) : 781.281 KGV 10,25 Marktkapitalisierung 181,30 Milliarden $ Dividendenrendite 5,26% Umsatz/Mitarbeiter 536.510 $ die geplante Übernahme der Telekom-Tochter T-Mobile USA. DTE.XE +0,79% Deutsche Telekom AG Germany: Xetra 11,47 +0,09 +0,79% 01 Sept. 2014 17:35 Volumen (​15 Min. verzögert) : 6,29 Mio. KGV 21,64 Marktkapitalisierung 51,61 Milliarden € Dividendenrendite N/A Umsatz/Mitarbeiter 267.712 € Erst vor wenigen Wochen stoppten sie auch den Brauereigiganten Anheuser-Busch InBev bei seinem Versuch, sich ohne Abstriche für 20,1 Milliarden Dollar den mexikanischen Braukonzern Grupo Modelo einzuverleiben.

In den nächsten Monaten zeichnen sich für Fusionen und Übernahmen zwei mögliche Richtungen ab. Der erste könnte eine Brücke zwischen den USA und den Auslandsmärkten schlagen, wobei US-Gesellschaften mehr Geld zufließt als umgekehrt.

Beispiel dafür ist die Übernahme des Mobilfunkkonzerns Sprint Nextel. S -0,88% Sprint Corp. U.S.: NYSE $5,61 -0,05 -0,88% 29 Aug. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 10,74 Mio. NACHBÖRSLICH $5,62 +0,01 +0,18% 29 Aug. 2014 19:53 Volumen (​15 Min. verzögert) : 195.505 KGV N/A Marktkapitalisierung 22,13 Milliarden $ Dividendenrendite N/A Umsatz/Mitarbeiter 700.316 $ 33,4 Milliarden Dollar lässt sich der japanische Softbank 9984.TO +0,85% SoftBank Corp. Japan: Tokyo ¥7.509 +63 +0,85% 02 Sept. 2014 10:34 Volumen (​20 Min. verzögert) : 2,24 Mio. KGV 24,40 Marktkapitalisierung 9.012,16 Milliarden ¥ Dividendenrendite 0,53% Umsatz/Mitarbeiter 110.581.000 ¥ -Konzern das Vorhaben kosten. Chinesische Unternehmen zum Beispiel steckten im vergangenen Jahr zusammen mehr als 10 Milliarden Dollar in US-Firmen. Anleger müssen sich ferner auf Übernahmen einstellen, bei denen die Käufer aus Ländern kommen, die bislang wenig als solche aufgetreten sind: Türkei, Südkorea und Indonesien.

„Die Quellen für Kapital sind mittlerweile global geworden und die fundamentale Natur unseres Geschäfts ist nun einmal grenzüberschreitend", sagte Antonio Weiss, globaler Chef für das Investmentbanking bei Lazard. „Was jetzt geschieht, ist die Umschichtung von Kapital, das in einer Region aufgebaut wurde, in eine andere Region."

Bei der zweiten möglichen Richtung für das M&A-Geschäft handelt es sich um die üblichen, standardisierten Konsolidierungsmaßnahmen in einzelnen Branchen, über die in den Vorstandsetagen schon lange nachgedacht worden ist, die angesichts der wirtschaftlichen Unwägbarkeiten bisher aber nicht vollzogen wurden. Hier lohnt ein Blick auf die Branchen Energie, Immobilien und Finanzdienstleistungen.

Auch da gibt es Vorbilder: Ende vergangenen Jahres etwa zahlte Avalonbay Communities AVB +0,95% Avalonbay Communities Inc. U.S.: NYSE $154,10 +1,45 +0,95% 29 Aug. 2014 16:03 Volumen (​15 Min. verzögert) : 734.631 NACHBÖRSLICH $154,13 +0,03 +0,02% 29 Aug. 2014 16:24 Volumen (​15 Min. verzögert) : KGV 58,21 Marktkapitalisierung 20,22 Milliarden $ Dividendenrendite 3,01% Umsatz/Mitarbeiter 527.599 $ 15,9 Milliarden Dollar, um die einst umkämpfte Immobilien-Aktiengesellschaft Archstone-Smith zu übernehmen.

Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis es zu einer größeren Welle der Konsolidierung vor den Toren der Wall Street kommt. Noch finden Banken Fusionen nach der Zeit der internen Restrukturierung zu schmerzhaft, doch sie sind als nächster Schritt unausweichlich.

—Mitarbeit: Matthieu Wirz und David Benoit

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