Die Bankenwelt ist zweigeteilt. 2008 nahm die Finanzkrise in den USA mit dem Platzen der dortigen Immobilienblase ihren Lauf und die Schockwellen verbreiteten sich in rasender Geschwindigkeit über die gesamte globalisierte Finanzwelt - die Weltwirtschaft bewegte sich am Rande des Abgrunds. Doch während die Altlasten der Finanzkrise europäischen Kreditinstituten noch immer reihenweise die Bilanzen verhageln, ruft Anlegerguru Warren Buffett das Ende der Bankenkrise in den USA aus. Zwar kämpfen auch die US-Geldhäuser weiterhin mit den Sünden der Vergangenheit, doch geht es im US-Bankensektor unverkennbar nach oben. Die Gewinne steigen und die Geschäfte laufen wieder besser, wie die Analyse der jüngsten Geschäftsberichte aus dem US-Bankensektor zeigt.

"Die Banken werden dieses Land nicht mehr in Schwierigkeiten bringen, das garantiere ich", sagte Buffett jüngst vollmundig. Die Finanzinstitute hätten ihr Kapital soweit aufgestockt, dass sie keine Bedrohung mehr für die US-Wirtschaft darstellten. In Europa offenbart die laufende Berichtssaison dagegen die ganze Tristesse einer krisengebeutelten Branche. Abschreibungen und Verluste prägen das Bild der europäischen Bankenlandschaft.

Während der US-Einlagenfonds FDIC berichtet, dass die Branche - darunter auch die kleineren Institute - im vergangenen Quartal wieder kräftig verdient hat, steigt in Europa die Zahl der notleidenden Kredite - und damit das Risiko. Laut Ernst & Young wuchsen 2012 die faulen Kredite um zehn Prozent auf 918 Milliarden Euro an. Besonders dramatisch ist die Lage in Spanien und Italien.

Eine Frau fährt in Frankfurt am Main in einer Straßenbahn an der Skyline vorbei. dapd

US-Banken haben die Nase vorn

Insgesamt stehen die US-Banken deutlich besser da als ihre europäischen Pendants. Allerdings sind die Aufräumarbeiten unter US-Banken keineswegs abgeschlossen, wie das Beispiel der Citigroup C +0,60% Citigroup Inc. U.S.: NYSE $51,96 +0,31 +0,60% 02 Sept. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 11,34 Mio. NACHBÖRSLICH $51,89 -0,07 -0,13% 02 Sept. 2014 19:01 Volumen (​15 Min. verzögert) : 116.891 KGV 17,04 Marktkapitalisierung 156,59 Milliarden $ Dividendenrendite 0,08% Umsatz/Mitarbeiter 349.582 $ verdeutlicht. Hohe Kosten im Rahmen des Konzernumbaus und ein negativer Bilanzierungseffekt haben der Bank im vierten Quartal zu schaffen gemacht. Analyst Dirk Becker von Kepler Capital Markets verwundert dies nicht. Er sieht auf die US-Banken "noch einiges zukommen." Dies gelte insbesondere für die Kapitalanforderungen nach Basel III. Ob diese jedoch in den USA jemals umgesetzt würden, bleibe fraglich.

Richtig rund lief es dagegen bei einigen Wettbewerbern der Citigroup. Morgan Stanley MS +0,70% Morgan Stanley U.S.: NYSE $34,55 +0,24 +0,70% 02 Sept. 2014 16:01 Volumen (​15 Min. verzögert) : 4,95 Mio. NACHBÖRSLICH $34,55 0,00 % 02 Sept. 2014 18:41 Volumen (​15 Min. verzögert) : 167.576 KGV 15,92 Marktkapitalisierung 67,36 Milliarden $ Dividendenrendite 1,16% Umsatz/Mitarbeiter 781.374 $ ist im vierten Quartal in die Gewinnzone zurückgekehrt. Goldman Sachs GS +0,37% Goldman Sachs Group Inc. U.S.: NYSE $179,77 +0,66 +0,37% 02 Sept. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 1,96 Mio. NACHBÖRSLICH $179,65 -0,12 -0,07% 02 Sept. 2014 18:47 Volumen (​15 Min. verzögert) : 27.876 KGV 11,06 Marktkapitalisierung 78,91 Milliarden $ Dividendenrendite 1,22% Umsatz/Mitarbeiter 1.109.820 $ und J.P. Morgan JPM +0,37% JPMorgan Chase & Co. U.S.: NYSE $59,67 +0,22 +0,37% 02 Sept. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 8,49 Mio. NACHBÖRSLICH $59,63 -0,04 -0,07% 02 Sept. 2014 19:05 Volumen (​15 Min. verzögert) : 186.557 KGV 15,30 Marktkapitalisierung 223,61 Milliarden $ Dividendenrendite 2,68% Umsatz/Mitarbeiter 404.867 $ überraschten mit satten Gewinnsprüngen. Der Erholung vorangegangen war sowohl bei Goldman Sachs wie auch bei Bank of America BAC +1,12% Bank of America Corp. U.S.: NYSE $16,27 +0,18 +1,12% 02 Sept. 2014 16:02 Volumen (​15 Min. verzögert) : 58,36 Mio. NACHBÖRSLICH $16,28 +0,01 +0,06% 02 Sept. 2014 19:43 Volumen (​15 Min. verzögert) : 1,03 Mio. KGV 25,03 Marktkapitalisierung 169,20 Milliarden $ Dividendenrendite 1,23% Umsatz/Mitarbeiter 395.876 $ und Morgan Stanley ein umfangreicher Stellenabbau. Tausende von Arbeitsplätzen wurden gestrichen.

Beim Großreinemachen hinken die europäischen Banken im Vergleich mit ihren US-Wettbewerbern hinterher. "Die Banken in Europa plagen sich mit der Euro-Schuldenkrise, dem Libor-Skandal, den Basel-III-Regelungen und der schwachen Konjunktur herum", sagt Kepler-Analyst Becker. Die Ergebnisdynamik der meisten Banken in Europa dürfte daher weiter schwach bleiben, pflichten die Analysten von Morgan Stanley bei. Die Experten liegen mit ihren Gewinnschätzungen rund 10 Prozent unter dem Konsens für die Eurozone.

Bei den Geschäftsberichten überwiegen - anders als in den USA - ganz klar die Enttäuschungen, auch wenn die Marktreaktionen mitunter durchaus positiv ausfallen. Denn mit jeder Abschreibung auf Altlasten steigt die Hoffnung auf Besserung in der Zukunft. Dies kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Mehrheit der europäischen Banken die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllt hat. Die Geschäftsausweise von Deutscher Bank, Commerzbank, CBK.XE +1,48% Commerzbank AG Germany: Xetra 11,62 +0,17 +1,48% 02 Sept. 2014 17:35 Volumen (​15 Min. verzögert) : 5,41 Mio. KGV 27,67 Marktkapitalisierung 13,04 Milliarden € Dividendenrendite N/A Umsatz/Mitarbeiter 329.734 € ING, Barclays, BARC.LN -0,78% Barclays PLC U.K.: London GBp222,35 -1,75 -0,78% 02 Sept. 2014 16:35 Volumen (​15 Min. verzögert) : 27,18 Mio. KGV 32,22 Marktkapitalisierung 36,80 Milliarden GBp Dividendenrendite 1,80% Umsatz/Mitarbeiter 212.636 GBp BNP Paribas BNP.FR +0,56% BNP Paribas S.A. France: Paris 51,67 +0,29 +0,56% 02 Sept. 2014 17:35 Volumen (​15 Min. verzögert) : 3,33 Mio. KGV N/A Marktkapitalisierung 64,03 Milliarden € Dividendenrendite 2,90% Umsatz/Mitarbeiter 513.176 € und Societe Generale GLE.FR +0,16% Societe Generale S.A. France: Paris 38,38 +0,06 +0,16% 02 Sept. 2014 17:38 Volumen (​15 Min. verzögert) : 2,99 Mio. KGV 17,78 Marktkapitalisierung 30,85 Milliarden € Dividendenrendite 2,61% Umsatz/Mitarbeiter 2.153.730 € sind nur einige Belege für diesen Trend. "Es zeigt sich immer klarer, dass Europas Banken nicht der Erholung der US-Branche oder selbst der der britischen Banken folgen können", fasst ein Frankfurter Aktienhändler die Berichtsperiode im Bankensektor zusammen.

Nach Meinung von Marktbeobachtern befinden sich viele europäische Kreditinstitute in einem Transformationsprozess. Diese Neuausrichtung scheint in den USA weiter fortgeschritten zu sein. Darüber hinaus scheint auch die Flutung der Märkte mit Notenbankengeld unter US-Banken mehr Früchte zu tragen als auf der anderen Seite des Atlantiks. Denn von der Erholung der Aktienmärkte profitieren US-Banken stärker als ihre europäischen Wettbewerber. Der Zusammenbruch von Lehman Brothers hat die US-Banken zudem krisensicherer gemacht, denn die Steigerung des harten Kernkapitals schreitet in den USA schneller voran als in Europa. Auch der harte Sparkurs der US-Banken zeigt offenbar Wirkung, denn die Kostensenkungen durch Stellenstreichungen haben in den USA bereits ein beträchtliches Ausmaß erreicht.

Vielleicht ist alles nur eine Frage der Zeit, bis die europäischen Banken das Tal der Tränen durchschritten haben und zu ihren US-Pendants aufschließen. Die US-Institute erlebten 2007 mit der "Subprime-Krise" am heimischen Immobilienmarkt ihr Waterloo, die Krise gilt aber laut Societe Generale spätestens seit 2012 mit der Bodenbildung am Immobilienmarkt als einigermaßen ausgestanden. Die Analysten der französischen Bank verweisen auf den Umstand, dass es auf dem alten Kontinent erst ab 2010 mit der Eurokrise richtig dramatisch wurde. Die Experten sehen das Ende der Fahnenstange hier erst 2015. Daher dürfte die Staatsschuldenkrise die heimischen Banken in Europa auch weiter in Atem halten.

Eine ganz entscheidende Rolle bei der Analyse der unterschiedlichen Entwicklungen spielt die Notenbankpolitik. Die Federal Reserve ist bereits frühzeitig in den USA zur Krisenbewältigung eingeschritten und hat mit ihrer lockeren Geldpolitik auch und gerade die Banken gestützt. Die Europäische Zentralbank hat sich nach Ausbruch der europäischen Krise richtig Zeit gelassen, ehe sie beherzt zur Tat schritt. Die US-Banken weisen bei der Krisenbewältigung schlicht einen zeitlichen Vorsprung auf. Daher spricht vieles für eine Erholung des europäischen Bankensektors spätestens ab 2015, sollte die Societe Generale Recht behalten.

Hoffen auf Besserung

Auch Morgan Stanley verheißt Anlegern eine Besserung der geschundenen Branche in Europa. "Die EU-Banken bewegen sich langsam aus dem Bermuda-Dreieck", konstatieren die Analysten. Die jüngsten Verbesserungen an den Kapitalmärkten gepaart mit einem nachlassenden Eifer der Regulierungsbehörden und die überraschend hohe Rückzahlungsquote der Banken von Geldern der Europäischen Zentralbank machten Mut. Die Folgen von Staatsschuldenkrise und Regulierung ließen nach, auch bei der Kapitalisierung zeigten sich Fortschritte, so die Experten. Erste Wahl sind für die Analysten die Aktien von BNP Paribas, Barclays, Credit Suisse, CSGN.VX +0,39% Credit Suisse Group AG Switzerland: SWX Europe CHF25,95 +0,10 +0,39% 02 Sept. 2014 17:30 Volumen (​15 Min. verzögert) : 4,58 Mio. KGV N/A Marktkapitalisierung 41,55 Milliarden CHF Dividendenrendite 2,70% Umsatz/Mitarbeiter 740.848 CHF UBS, UBSN.VX +0,24% UBS AG Switzerland: SWX Europe CHF16,39 +0,04 +0,24% 02 Sept. 2014 17:30 Volumen (​15 Min. verzögert) : 10,03 Mio. KGV 18,63 Marktkapitalisierung 62,85 Milliarden CHF Dividendenrendite 1,53% Umsatz/Mitarbeiter 582.244 CHF KBC und UniCredit. UCG.MI +1,20% UniCredit S.p.A. Italy: Milan 5,92 +0,07 +1,20% 02 Sept. 2014 17:34 Volumen (​15 Min. verzögert) : 44,64 Mio. KGV N/A Marktkapitalisierung 34,29 Milliarden € Dividendenrendite 1,51% Umsatz/Mitarbeiter 175.817 € Zur besonderen Vorsicht raten sie bei Banken aus Regionen mit einer wachsenden Zahl fauler Kredite wie in Italien und Spanien. Anteilsscheine von Commerzbank, Banco Popolare, Banco Popolare di Milano, ICAP, Monte dei Paschi und Banco Sabadell SAB.MC +0,38% Banco de Sabadell S.A. Spain: Madrid 2,40 +0,01 +0,38% 02 Sept. 2014 17:38 Volumen (​15 Min. verzögert) : 10,34 Mio. KGV 30,15 Marktkapitalisierung 9,60 Milliarden € Dividendenrendite 0,42% Umsatz/Mitarbeiter 397.287 € sollten Anleger meiden.

Beim Blick auf die Kursentwicklung fällt auf, dass 2013 kein einheitlicher Trend im europäischen Bankensektor auszumachen ist. Die Titel der Branchenwerte bewegen sich in unterschiedliche Richtungen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Während der Branchenindex im Stoxx-50 seit Jahresbeginn um 8,2 Prozent zugelegt hat, verbuchen die Spitzenperformer deutlich zweistellige Zuwachsraten. Andererseits finden sich jedoch auch Bankenwerte, die seit Jahreswechsel an Wert eingebüßt haben. Mit einem Kursaufschlag von 20,4 Prozent rangiert die Aktie der Credit Suisse ganz weit vorn. Es folgen die Anteilsscheine von UniCredit (+16,8 Prozent) und Deutscher Bank (+10,4 Prozent). Unter den Verlierern findet sich die Aktie der ING, die seit Jahresbeginn um 6,3 Prozent gefallen ist - Santander-Werte verloren 2,7 Prozent.

In den USA ergibt sich dagegen ein anderes Bild, die Aktien der wichtigsten Banken haben ausnahmslos seit Jahresbeginn an Wert gewonnen. Die Titel von Morgan Stanley führen das Tableau der Gewinner mit einem satten Plus von 24,7 Prozent an. Es folgen die Papiere von Goldman Sachs (+21,9 Prozent), J.P. Morgan (+12,4), Citigroup (+11,9 Prozent), Bank of America (+4,5 Prozent) und Wells Fargo WFC +0,25% Wells Fargo & Co. U.S.: NYSE $51,57 +0,13 +0,25% 02 Sept. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 9,81 Mio. NACHBÖRSLICH $51,64 +0,07 +0,14% 02 Sept. 2014 19:36 Volumen (​15 Min. verzögert) : 178.390 KGV 12,52 Marktkapitalisierung 268,54 Milliarden $ Dividendenrendite 2,71% Umsatz/Mitarbeiter 334.220 $ (+3,0 Prozent).

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