AMR, der US-Mutterkonzern der Fluggesellschaft American Airways, und US Airways schließen sich zusammen. Es entsteht das größte Luftfahrtunternehmen der Welt. American Airways ist von beiden Airlines zwar die größere, wirtschaftlich aber in einer weitaus schwierigeren Lage als der Partner. AMR will mit der Fusion die Präsenz an der US-Ostküste verstärken. International setzt das Unternehmen auf die Oneworld-Allianz, um die gravierenden Lücken im globalen Streckennetz zu schließen.

Das System der weltweiten Allianzen in der Luftfahrt ist mitten im Umbruch. Ging es in der Vergangenheit bei den Bündnissen vor allem darum, den Passagieren mehr Flüge anbieten zu können und sie mit „Sahnehäubchen" wie komfortablen Flughafenlounges zu umwerben, rücken die Bündnisse inzwischen zusammen – und teilen sich Flugzeuge, Umsätze und am Ende die Kosten.

Oneworld ist immer noch kleiner als konkurrierende Bündnisse wie Star Alliance und Skyteam und konzentriert sich vor allem auf die wichtigen Knotenpunkte New York, London, Tokio und Hongkong. „An den richtigen Orten groß zu sein, ist wirklich wichtig", beschreibt AMR-Chef Tom Horton die Herausforderung.

Selbst als fusionierter Konzern befördern American Airlines und US Airways weniger Passagiere zwischen den USA und Europa als Star-Schwergewicht United und Delta Air Lines, DAL +1,28% Delta Air Lines Inc. U.S.: NYSE $39,44 +0,50 +1,28% 18 Sept. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 6,48 Mio. NACHBÖRSLICH $39,45 +0,01 +0,03% 18 Sept. 2014 19:44 Volumen (​15 Min. verzögert) : 30.583 KGV 3,07 Marktkapitalisierung 32,83 Milliarden $ Dividendenrendite 0,91% Umsatz/Mitarbeiter 501.743 $ die größte Fluglinie im Bündnis Skyteam: Die Fusionspartner kontrollieren 28,5 Prozent des Europageschäfts der Amerikaner, United aber führt es mit 37,9 Prozent Marktanteil an.

Bei den Flügen nach Asien bleibt die neue Airline noch weiter hinter der Konkurrenz zurück – dort wären United und Delta jeweils vier Mal so groß, denn US Airways bietet keine Flüge in die Wachstumsregion an.

In den vergangenen Jahren hat American Airways Abkommen zum Flugzeug-Pooling mit der British-Airways-Mutter International Consolidated Airlines und mit Japan Airlines 9201.TO -0,34% Japan Airlines Co. Ltd. Japan: Tokyo ¥5.810 -20 -0,34% 19 Sept. 2014 15:00 Volumen (​20 Min. verzögert) : 1,11 Mio. KGV 6,48 Marktkapitalisierung 1.069,98 Milliarden ¥ Dividendenrendite 1,17% Umsatz/Mitarbeiter 42.015.900 ¥ geschlossen – Brancheninsider und Experten halten derartige Deals inzwischen für effektiver als die traditionellen Marketingvereinbarungen.

Am Donnerstag bestätigte US Airways, dass die Airline die Star Alliance verlassen und sich stattdessen dem Bündnis Oneworld anschließen wird, dem der Fusionspartner bereits angehört. Die Bindungen zum Star-Mitflieger United werden gekappt, das Star-Bündnis insgesamt sogar geschwächt: Star-Alliance-Mitglieder können künftig nicht mehr so viele Flüge an die dicht besiedelte Ostküste der USA anbieten, wo viele Geschäftsreisende starten und landen wollen.

Die Erfahrung zeigt: Wechsel zwischen Luftfahrtbündnissen brauchen ihre Zeit. Als Continental Airlines vor dem Zusammenschluss mit United ankündigte, bei Skyteam auszusteigen, dauerte es 17 Monate, bis die Fluglinie tatsächlich zur Star Alliance gehörte. Jetzt sagte Scott Kirby, Chef von US Airways, nur vieldeutig, er erwarte einen „sanften Übergang", zu Zeiträumen wollte er sich aber nicht äußern.

Und es kann noch zäher laufen: So dauerte es mehr als ein Jahrzehnt, bevor EU-Behörden es American Airlines erlaubten, ihre Bindungen zu British Airways IAG.MC +2,13% International Consolidated Airlines Group S.A. Spain: Madrid 4,88 +0,10 +2,13% 19 Sept. 2014 11:36 Volumen (​15 Min. verzögert) : 2,76 Mio. KGV 15,90 Marktkapitalisierung 9,65 Milliarden € Dividendenrendite N/A Umsatz/Mitarbeiter 318.711 € zu verstärken. Die Vorbehalte hatten mit der dominanten Stellung zu tun, die die britische Fluggesellschaft am Flughafen London Heathrow hat, einem international überaus bedeutenden Drehkreuz.

2010 schließlich durften beide ihre Kooperation umsetzen. Seither stimmen sie Preise und Flugpläne aufeinander ab und bieten Geschäftskunden, mit denen sie den Großteil ihrer Umsätze machen, Sonderkonditionen. Der Erfolg hat sich eingestellt. American und British Airways haben den Abstand zu den Konkurrenten verkürzt – Lufthansa LHA.XE +1,56% Deutsche Lufthansa AG Germany: Xetra 13,35 +0,21 +1,56% 19 Sept. 2014 11:34 Volumen (​15 Min. verzögert) : 1,72 Mio. KGV 14,05 Marktkapitalisierung 6,08 Milliarden € Dividendenrendite 3,37% Umsatz/Mitarbeiter 251.493 € und United im Bündnis Star Alliance und Delta, Air France AF.FR -0,68% Air France-KLM France: Paris 8,21 -0,06 -0,68% 19 Sept. 2014 11:34 Volumen (​15 Min. verzögert) : 873.750 KGV N/A Marktkapitalisierung 2,49 Milliarden € Dividendenrendite N/A Umsatz/Mitarbeiter 262.817 € sowie weiteren Mitgliedern bei Skyteam.

Gefehlt hat Oneworld dabei bisher ein Drehkreuz an der US-Ostküste, von dem aus Passagiere und Fracht über den Atlantik geflogen werden. US Airways hat sogar drei solcher Hubs, und zwar in Philadelphia, Charlotte und Washington – ein Glücksfall für Oneworld. American Airlines kann mit der Fusion überdies seine Dominanz im Geschäft mit Lateinamerika steigern, hier nämlich bringt US Airways ein Drehkreuz in Miami ein.

AMR-Chef Horton hat weitergehende Pläne: So will er sich ein Okay der Wettbewerbshüter holen, um seine Allianz mit der chilenischen Fluggesellschaft Lan auszubauen. Beide liebäugeln damit, ihre Flugpläne stärker zu verzahnen und ihre Umsätze zu teilen.

Die brasilianische Airline Tam, die wie die chilenische Lan zur Latam-Gruppe gehört, dürfte ebenfalls das Star-Bündnis verlassen und wie ihre Schwestergesellschaft Lan zu Oneworld wechseln. American Airlines wird davon frühestens 2015 profitieren und die Zusammenarbeit mit Tam intensivieren können; dann erst wird das Open-Skies-Abkommen zwischen den USA und Brasilien vollständig wirksam, und dann erst werden die US-Behörden ein Pooling für American Airlines und Tam genehmigen.

Seine Schwachstelle hat der künftig größte Luftfahrtkonzern der Welt auch künftig in Asien. American Airlines fliegt beispielsweise mehr Ziele in Brasilien an als in China.

Zwar bietet Oneworld-Mitstreiter Cathay Pacific 0293.HK -0,40% Cathay Pacific Airways Ltd. Hong Kong $14,76 -0,06 -0,40% 19 Sept. 2014 16:01 Volumen (​15 Min. verzögert) : 3,73 Mio. KGV 19,73 Marktkapitalisierung 58,30 Milliarden $ Dividendenrendite 1,36% Umsatz/Mitarbeiter 4.534.980 $ Verbindungen nach China über sein Drehkreuz in Hongkong an. Aber eine enge Kooperation, wie sie zwischen American Airlines und British Airways oder JAL besteht, wollten die Chinesen bisher nicht.

Aber auch Marketingvereinbarungen nach altem Stil können erfolgreich sein. So rühmt sich Cathays Vertriebschef für Amerika, seine Airline biete für Boston und Miami die meisten Verbindungen nach Hongkong: Zwar gibt es keine direkten Flüge, doch bedient American Airlines die Strecken nach Chicago, von dort aus fliegt Cathay Pacific den Heimatflughafen Hongkong an.

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