Tausende Anhänger des Geistlichen Tahir ul Qadri gingen am Dienstag in Islamabad auf die Straße. Agence France-Presse/Getty Images

Der Oberste Gerichtshof von Pakistan hat am Dienstag die Verhaftung von Ministerpräsident Raja Pervaiz Ashraf angeordnet. Er soll in einen Korruptionsskandal verwickelt sein. Vor den anstehenden Wahlen droht dem Land nun politisches Chaos. Im April muss die Regierung unter Führung der Pakistanischen Volkspartei Parlamentswahlen ausrufen.

Wie örtliche Fernsehsender berichten, haben die Bestechungsvorwürfen mit dem Bau von Stromaggregaten durch ausländische Firmen zu tun. Diese sollen die massive Energiekrise des Landes lösen. Ein Sprecher des früheren Energieminister Ashraf konnte für einen Kommentar nicht erreicht werden. Eine Kopie der Gerichtsanordnung lag zunächst nicht vor.

Bereits in den vergangenen Tagen ist die Instabilität in Pakistan gestiegen. Am Dienstag folgten in Islamabad Tausende dem Ruf des in Kanada geborenen Geistlichen Muhammad Tahir ul Qadri und demonstrierten für freie und faire Wahlen.

Der pakistanische Ministerpräsident Raja Pervaiz Ashraf (Mitte) sieht sich Korruptionsvorwürfen ausgesetzt. Associated Press

Die Regierung von Präsident Asif Ali Zardari wäre die erste demokratisch gewählte Staatsführung, die in der 66-jährigen Geschichte Pakistans eine volle Amtszeit durchhält. Sie könnte den aktuellen Skandal aber doch überstehen. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Gericht einen amtierenden Ministerpräsidenten absetzen lassen, weil sich dieser geweigert hatte, ein Korruptionsverfahren gegen Zardari einzuleiten. Der Opposition fehlen die Sitze im Parlament, um die Koalition ernsthaft zu gefährden.

Bisher haben sich die Militärs, die die Geschicke des Landes seit der Unabhängigkeit über weite Strecken bestimmt haben, in der angespannten Lage zurückgehalten. Auf sozialen Netzwerken kursierten aber zahlreiche Verschwörungstheorien, die der Armee vorwarfen, das aktuelle Chaos anzuheizen. Auch einige Mitglieder der Regierungspartei verdächtigen das Militär, die Bewegung von Qadri zu unterstützen. Der Generalstab hat jede Verbindung zu dem Geistlichen abgestritten.

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