Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat sich verzweifelt und reumütig über die von ihm begangene Steuerhinterziehung gezeigt. "Ich habe eine große Torheit begangen, einen Riesenfehler, den ich so gut wie möglich korrigieren will", sagte der Präsident des FC Bayern München der neuen Ausgabe der Wochenzeitung "Zeit". Die aktuelle Situation sei für ihn schwer erträglich, auch sein Sturz vom Vorbild zum Buhmann: "Das ist für mich ein ganz großes Problem." Er fühle sich "auf die andere Seite der Gesellschaft katapultiert, ich gehöre nicht mehr dazu". Er mache sich "natürlich riesige Vorwürfe": "Ich habe Riesenmist gebaut, aber ich bin kein schlechter Mensch".

Gibt sich reumütig und niedergeschlagen: Bayern-Präsident Uli Hoeness. Agence France-Presse/Getty Images

Der 61-Jährige sprach in dem Interview auch über den großen Druck, den er seit der Durchsuchung seines Hauses Mitte März verspüre: "Es ist eine Situation, die kaum auszuhalten ist." Er schlafe sehr schlecht, wälze sich stundenlang im Bett umher. "Und denke nach, denke nach und verzweifle."

In dem Gespräch rekonstruiert Hoeneß die Vorgänge seit Abgabe seiner Selbstanzeige im Januar: Von der Tatsache, dass seine Selbstanzeige öffentlich wurde, sei er vollkommen überrascht worden. Bis zum 19. März, dem Tag vor der Durchsuchung seines Hauses, sei er davon ausgegangen, dass er keine Strafverfolgung zu befürchten habe. "Am 20. März änderte sich dann mein Leben, morgens um sieben. Da läutete es an der Tür in meinem Haus am Tegernsee, ich war im Bademantel, und da stand die Staatsanwaltschaft vor der Tür", sagte er und fügte hinzu: "Da begann die Hölle für mich."

Mit einem Kredit des früheren Adidas-Chefs Robert-Louis Dreyfus habe er ab 2001 begonnen, exzessiv an der Börse zu spekulieren. Er habe "richtig gezockt" und oft Tag und Nacht mit teilweise extremen Summen gehandelt. "Das war der Kick, das pure Adrenalin", sagte Hoeneß. Als die Internetblase dann platzte, "fuhr ich schwere Verluste ein, ich war da richtig klamm". In dem Moment habe ihm Dreyfus angeboten, etwas zusammen zu machen, er würde es finanzieren. "So kamen die Millionen auf das Konto, es war immer klar, das war ein Konto zum Zocken, für nichts anderes." Er schloss jegliche Verbindungen dieses Kontos zum FC Bayern München aus: "Dieses Konto war ganz allein Uli Hoeneß."

Den "Ausstieg" aus seinen Börsenaktivitäten beschreibt er wie folgt: "Ich habe zu viele Verluste gemacht. Ich konnte nicht mehr so viel zocken. Und dann kam 2008 die Finanzkrise, und dann ging es endgültig in den Keller. Außerdem bin ich auch nicht mehr so wie früher auf der ständigen Suche nach dem großen Kick. Ich werde älter. Ich bin 61 Jahre alt."

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