BRÜSSEL--Dass Verbraucher in der Europäischen Union oft nicht die Internetgeschwindigkeit erhalten, für die sie zahlen, wird schon lange kritisiert. Doch nun liegen erstmals genaue Daten vor. Sie zeigen: Im Durchschnitt landen nur 74 Prozent der in den Internetverträgen angegebenen Geschwindigkeit bei den europäischen Verbrauchern.

"Es ist das erste Mal, dass die Differenz zwischen den beworbenen und den tatsächlichen Breitbandgeschwindigkeiten durch vergleichbare und zuverlässige Daten aus allen EU-Mitgliedstaaten bestätigt wird", erklärte die zuständige Kommissarin Neelie Kroes am Mittwoch bei der Veröffentlichung der Studie. Über 75 Millionen Tests bei über 9.000 Teilnehmern in der EU, beim baldigen Mitglied Kroatien sowie in Norwegen und Island seien für die Studie durchgeführt worden.

Associated Press

Zurückzuführen sind die Differenzen auf die unterschiedlichen Techniken. So bietet Kabel die zuverlässigsten Download-Geschwindigkeiten mit einer Quote von 91,4 Prozent. Hingegen können Bürger, die über xDSL-Dienste ins Netz gehen, Inhalte nur mit 63,3 Prozent der angegeben Geschwindigkeit herunterladen. Bei FTTx-Anschlüssen werden 84,4 Prozent der angegebenen Geschwindigkeit erreicht, teilte die EU-Kommission mit.

xDSL-Dienste laufen über Kupferleitungen, die bisher für die Festnetztelefonie verwendet wurden, während FTTx über Glasfaserkabel läuft, deren Ausbau derzeit europaweit vorangetrieben wird. Kabel-Internet nutzt die herkömmlichen Fernsehleitungen.

Die Kommission will die Studie weiter führen, um auch genauer die Unterschiede zwischen einzelnen Ländern aber vor allem zwischen den Internetanbietern zu untersuchen. "2014 werden wir veröffentlichen, wie jedes Unternehmen im Vergleich zu seinen Wettbewerbern abschneidet", kündigte Kroes' Sprecher an.

Die Kommission rief die Bürger auf, an den Tests teilzunehmen, für die ein Gerät mit dem Internetanschluss verbunden werden muss, das die Geschwindigkeit und Leistung des Breitbandanschlusses erfasst. Unter https://www.samknows.eu können sich Freiwillige melden.

Internetverträge transparenter

Die Kommissarin will bis zum nächsten Frühjahr den EU-Telekommunikationsmarkt durchgreifend reformieren und damit auch Internetverträge transparenter machen. Zudem soll erstmals die sogenannte Netzneutralität gesetzlich garantiert werden, die eine Diskriminierung von Angeboten bei der Durchleitung durchs Netz verbietet.

Unternehmen sollen zwar weiterhin Internet mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten zu unterschiedlichen Preisen anbieten können, doch sie sollen konkurrierende Anwendungen wie Skype oder WhatsApp nicht blockieren oder ihre eigenen Angebote und Anwendungen bevorzugen dürfen.

Im Spätsommer will Kroes einen Gesetzentwurf vorlegen. Die EU-Staats- und Regierungschefs sollen dann bei ihrem Gipfeltreffen im Oktober, das in erster Linie Fragen der Informations- und Telekommunikationstechnologie gewidmet sein soll, über die Reformpläne beraten.

Kontakt zum Autor: claudia.wiese@dowjones.com