Chinas Rohölimporte aus Iran sind in diesem Jahr um rund ein Fünftel zurückgegangen. Der Rückgang hilft dem Land, Sanktionen der USA zu vermeiden, und vermeidet wohl auch einen Konflikt auf dem diplomatischen Parkett.

Passanten laufen vor dem Logo des Ölkonzerns China Petroleum & Chemical vorbei. dapd

China hat seine Importe aus Iran immer wieder verteidigt und die USA darauf hingewiesen, dass es sich an gültige UN-Resolutionen hält. Doch Daten aus dem Oktober, die am Mittwoch veröffentlicht wurden, zeigen, dass die Rohölimporte gegenüber dem Vorjahr um 23 Prozent auf 458.000 Barrel zurückgegangen sind. Damit setzt sich ein jahrelanger Trend fort.

China war im vergangenen Jahr der drittgrößte Anbieter von Rohöl nach Saudi-Arabien und Angola. Iran ist in diesem Jahr mit der Auslieferung von rund 426.000 Barrel auf Platz vier zurückgefallen und wurde von Russland überholt.

Die Importzahlen vom Oktober werden den Ausschlag geben, wenn das US-Außenministerium darüber entscheidet, ob es weiterhin auf Sanktionen gegen Peking verzichtet. Der Aufschub der Wirtschaftssanktionen läuft am 25. Dezember aus. China wurde die Ausnahme Ende Juni gewährt, nachdem das US-Außenministerium befand, China habe die Rohölimporte aus Iran in der ersten Hälfte des Jahres „deutlich reduziert". Eine Erneuerung des Sanktionsverzichts setzt die Fortsetzung der Reduzierung voraus. Laut Außenministerium wurde darüber noch keine Entscheidung getroffen.

US-Sanktionen zielen auf Atomprogramm

Die US-Sanktionen sollen den wirtschaftlichen Druck auf Iran erhöhen, der darauf zielt, dass das Land sein Atomprogramm – wie behauptet – nur für zivile Zwecke einsetzt. Die Sanktionen verbieten jedem Unternehmen, das Geschäfte mit Irans Notenbank macht, eine Geschäftstätigkeit in den USA.

„China wird den Verzicht auf Sanktionen genehmigt bekommen, da die Importe offenbar tatsächlich zurückgegangen sind", sagt Michal Meidan, politischer Analyst bei der Eurasia Group. „Die Obama-Regierung wird vermutlich die neue Führung in China nicht herausfordern wollen, wenn es eine ausreichende Grundlage für eine weitere Sondergenehmigung gibt. "

Chinas Außenministerium sagte am Mittwoch, dass es das iranische Rohöl über „normale Handelswege" und entsprechend der ökonomischen Erfordernisse erworben habe. Es wiederholte, dass die Rohölimporte aus Iran Dritten keinen Schaden zufügten und China keine einseitigen Sanktionen akzeptieren werde.

Insider: Probleme beim Verschiffen des Öls

Insider der Ölindustrie sagen, dass der Rückgang der chinesischen Importe teilweise durch die wachsenden Schwierigkeiten bedingt sei, die Iran beim Verschiffen des Öls aufgrund der global wirksamen Sanktionen hat. Ein hochrangiger Vertreter der chinesischen Ölindustrie bejahte jedoch kürzlich in einem Interview die Frage, ob es Druck von den USA gebe.

In den ersten vier Monaten des Jahres 2012 sanken die chinesischen Rohölimporte aus Iran um rund 24 Prozent im Vergleich zu Vorjahr. Hintergrund war ein Streit zwischen dem staatlich kontrollierten Ölkonzern China Petroleum & Chemical, 600028.SH -0,38% China Petroleum & Chemical Corp. (Sinopec Corp.) China: Shanghai ¥5,30 -0,02 -0,38% 22 Aug. 2014 15:04 Volumen (​15 Min. verzögert) : 68,47 Mio. KGV 9,50 Marktkapitalisierung 639,97 Milliarden ¥ Dividendenrendite 5,66% Umsatz/Mitarbeiter 7.277.260 ¥ der als Sinopec bekannt ist, und dem iranischen Ölkonzern National Iranian Oil, bekannt als NIOC. Auch wenn die Importe im Mai und Juni nach Beilegung des Streits sich erholten, ließ ein europäisches Verbot, Tanker mit iranischem Öl zu versichern, die chinesischen Importe ab Juli wieder sinken.

Maziar Hojjati, verantwortlicher Manager beim iranischen Ölkonzern NIOC, gab in einem Interview vergangene Woche zu, dass durch Sanktionen bedingte Probleme bei der Verschiffung des Öls zum Rückgang der Exporte nach China in diesem Jahr geführt haben. Chinesische Behörden hätten dem Unternehmen aber gesagt, dass China kein Problem damit habe, die Importe auf dem derzeitigen Niveau zu halten, ergänzte Hojjati. Die NIOC wolle den durch die Probleme bei der Verschiffung verursachten Rückgang der Exporte in den kommenden Wochen wieder ausgleichen, nachdem nun einige der Probleme beseitigt seien, sagt der Manager. „Wir sind hier, um unseren Marktanteil in China zu behalten", so der NIOC-Manager.

Es ist unklar, ob Chinas Importe noch weiter fallen werden. Die International Energie-Agentur gab diesen Monat bekannt, dass Irans Rohölexperte nach China im Oktober mit 565.000 Barrels am Tag höher ausfielen als im September. Die Auslieferungen werden in Chinas November-Importzahlen auftauchen.

Südkorea, Indien und Japan beziehen weniger Öl aus Iran

Im Gegensatz dazu gingen die Ölimporte Südkoreas aus dem Iran von Januar bis Oktober um 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück, die von Japan von Januar bis September um 38 Prozent. Indische Raffinerien planen die Importe im Geschäftsjahr, das am 1. April begann, um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückzufahren.

Den US-Behörden scheinen allerdings die technischen Herausforderungen bewusst zu sein, die Chinas Raffinerien meistern müssen, wenn sie das schwere und saure Öl aus Iran durch Rohölimporten mit anderen Eigenschaften ersetzen müssen. Carlos Pascual, Chef des Energie- und Rohstoff-Büros im US-Außenministerium, sagte in einem Interview im Oktober, dass China das reduzierte Niveau der iranischen Ölimporte anscheinend beibehalten habe, was ebenfalls für eine Verlängerung der Ausnahme spricht.

Chinas Unternehmen spielen mit

Chinesische Unternehmen spielen bei dem Balanceakt mit, der derzeit bei iranischem Rohöl notwendig ist. Sie wollen die US-Regierung auf keinen Fall verärgern, die andernfalls regulatorische Schranken für Investitionen in die USA aufbauen könnte, wo die Ölproduktion derzeit boomt.

Sinopec unterzeichnete in diesem Jahr einen 2,5-Milliarden-Dollar-Vertrag mit Devon Enery, um das Unternehmen bei der Entwicklung von Ölfeldern in Ohio, Michigan und anderswo zu unterstützen. Das Unternehmen habe laut Chairman Fu Chengyu in einer Vereinbarung mit den USA zugesichert, Ölimporte aus Iran einzuschränken, sagte er kürzlich in einem Interview ohne Details zu nennen.

Laut Mark Dubovitz, Geschäftsführer des Washingtoner Think Tanks Foundation for Defense of Democracies, wird China vermutlich eine weitere Ausnahmebefreiung von den Sanktionen erhalten. Das US-Außenministerium konzentriere sich derzeit auf andere Einnahmequellen Irans, sagt der Geschäftsführer des Think Tanks, der sich für härtere Sanktionen gegen Iran einsetzt.

„Die USA werden ihre Aufmerksamkeit als nächstes darauf richten, Irans Handel mit Energie, Schiffen und Häfen zu unterbinden", glaubt Dubovitz.

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