PEKING – Vor wenigen Tagen hat der Verkauf des iPhone 5 in China begonnen. Innerhalb von nur drei Tagen hat Apple nach eigenen Angaben zwei Millionen Smartphones verkauft – ein Zeichen, dass Apple trotz steigender Konkurrenz die Vorherrschaft auf dem lukrativen Markt verteidigen kann.

Zudem lassen die starken Verkaufszahlen darauf schließen, dass das Unternehmen aus Cupertino die Lagerbestände und die Distributionswege in China ausbaut und verbessert.

In einem Apple-Store in Dongyang im Osten Chinas erklärt ein Mitarbeiter interessierten Kunden das iPhone 5. Nur erschwinglich für die Mittel- und Oberklasse Chinas. Associated Press

Früher führten die Verkaufspremieren von neuen Apple-Produkten teils zu chaotischen Zuständen vor den Filialen in China. Bei der Einführung des iPhone 4S etwa kam es in Peking zu Rangeleien unter den Wartenden. Apple hatte als Reaktion den Verkauf des Gerätes zeitweise ausgesetzt. Und entweder hatten die Läden zu wenig Geräte auf Vorrat oder zu viele, was sich auf die Zahlen des iPhone-Herstellers niederschlug.

Dieses Mal war es anders: Am vergangenen Freitag bekamen die chinesischen Kunden von Apple ihr neues iPhone ohne Schwierigkeiten. Der reibungslose und ruhige Verkaufsstart beunruhigte prompt die Anleger. Sie befürchteten den Rückgang der Nachfrage, die Aktie gab um 3,8 Prozent nach.

Doch Apple verkaufte übers Wochenende in China fast so viele iPhone 5 wie vom Vorgängermodell iPhone 4S im gesamten dritten Quartal: 2,1 Millionen des Vorgängermodells setzte das Unternehmen laut Analysys International in China ab. Weltweit waren es 26,9 Millionen Smartphones von Juli bis September 2011.

China nun weltgrößter Smartphonemarkt

Dabei hat sich China im dritten Quartal als weltgrößter Smartphonemarkt an den USA vorbeigeschoben, sagt die Research-Firma Strategy Analytics. Die Konkurrenz in dem lukrativen Absatzgebiet ist hoch – Apple hat im Verlauf des vergangenen Jahres 4,2 Prozent Marktanteil verloren, da Handys mit dem Google-Betriebssystem Android auch in China zunehmend beliebter werden. Doch bei den hochprofitablen Smartphones, die mehr als 3.000 Yuan (365 Euro) kosten, hält Apple laut Analysys nach wie vor einen Anteil von 42 Prozent. Das Grundmodell des iPhone 5 mit 16 Gigabyte Speicher kostet in China 5.288 Yuan (644 Euro).

„Apple hat bemerkt, dass Schlägereien in langen Schlangen vor ihren Filialen nicht gut sind, auch wenn jede Schlagzeile willkommen ist", sagt Matthew Crabbe, Direktor der Beratungsfirma Access Asia. „Doch Konkurrenten wie Samsung machen ihnen das Leben immer noch schwer, also muss Apple auf einen hohen Umschlag achten, um die Konkurrenz zurückzudrängen."

Seit dem chaotischen Verkaufsstart des iPhone 4S hat Apple fünf weitere Filialen in China und Hongkong eröffnet und erhöht die Anzahl der Apple-Stores in China damit auf elf. Das Unternehmen führte zudem ein Lotteriesystem ein, mit dem die Kunden feste Termine für ihren gewünschten Kauf zugeteilt wurden.

Seit März bietet Apple seine Telefone zusätzlich über China Telecom an, einen der drei staatlich kontrollierten Mobilfunkanbieter mit eigenen Filialen. Zuvor war das iPhone nur über das Netzwerk von China Unicom verfügbar. Nachdem zum Verkaufsstart des iPhone4 die Webseite des Telekomunternehmens zusammenbrach, habe man dieses Mal Vorbestellungen entgegen genommen, sagt eine Sprecherin von China Unicom.

Apple hat sein Vertriebssystem in den jüngsten Quartalen mit dem Ausbau des Händlernetzes und der Aufstockung derer Lagerbestände verbessert, sagt T.Z. Wong, Analyst bei der auf Technologie spezialisierten Research-Firma IDC.

Man habe die Nachfrage in China unterschätzt, sagte Apple-Chef Tim Cook nach dem chaotischen Verkaufsstart des 4S im Januar. Die Hälfte der 2,2 Milliarden Dollar hohen Umsatzeinbußen in China sei durch den Umbau des Vertriebsnetzwerks entstanden, sagte er später.

Nun müsse Apple aufpassen, nicht zu viele Handys in den Markt zu pumpen, sagt Analyst Wong. „Das Management verschiedener Vertriebskanäle in China ist neu für Apple", sagt er. „Als sie begonnen haben, hatten sie ihre eigenen Läden, ebenso wie Dienstleister. Dann musste sich Apple mit dem komplizierten Vertriebssystem in China auseinandersetzen. Jetzt tasten sie sich langsam voran."

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