Keine Kohle mit der Kohle? Am Rohstoffmarkt wird die Rally der Aktienmärkte keinen Boom mehr auslösen - nach 15 Jahren Bullenmarkt. Reuters

Die Welt sieht wirtschaftlich gesehen freundlicher aus, aber die Zuversicht der Akteure erreicht nicht alle Märkte gleichermaßen. Die Entwicklung von Aktien und Rohstoffen klafft stark auseinander. Der MSCI-Welt-Aktienindex hat seit seinem Tiefpunkt Mitte November 13 Prozent gewonnen. Rohstoffe sind im Kielwasser lediglich mitgeschleppt worden: Der viel beachtete CRB-Rohstoffindex von Thomson Reuters und Jefferies hat nur 3,9 Prozent zugelegt.

Das enge Zusammenspiel zwischen den beiden Anlageklassen funktioniert nicht mehr. Ein Ursache dafür ist, dass die Angst am Markt nachgelassen hat. Anlagen laufen oft genau dann im extremen Gleichschritt, wenn die Investoren fürchten, dass die Weltwirtschaft dem Untergang geweiht ist. In den vergangenen Monaten gab es jedoch eine stattliche Menge positiver Nachrichten aus der Wirtschaft; nicht zuletzt konnten die USA die "Fiskalklippe" umschiffen. Das hat die meisten wichtigen Aktienmärkte in den Rally-Modus versetzt.

Als Bausteine für die Weltwirtschaft sollten Rohstoffe von diesem Optimismus eigentlich ebenso profitieren können. Dass sie es nicht tun, liegt womöglich an drei Dingen: Der Geschwindigkeit des globalen Wachstums, der Rolle Chinas und der Lebensdauer des Rohstoffzyklus'.

Der Internationale Währungsfonds schätzt, dass die Weltwirtschaft in diesem Jahr um 3,5 Prozent wachsen wird. Das wäre etwas mehr als 2012, aber weniger als 2011. Für Anleger am Aktienmarkt, die noch im vergangenen Sommer davon ausgingen, dass die Konjunktur in Europa kollabiert, die US-Wirtschaft zum Stillstand kommt und auch China in Schwierigkeiten gerät, ist das eine hervorragende Nachricht, auch, weil die IWF-Schätzung nicht so optimistisch ausfällt, dass die großen Zentralbanken gleich ihre Zinsen anheben müssen, um die Inflation einzudämmen. Die Preise von Rohstoffen, die oft als Inflationsabsicherung genutzt werden, werden davon weniger beflügelt.

Auch China ist für den Rohstoffmarkt nicht mehr die sichere Bank, die es einmal war. Die Industrialisierung des Landes in der Dekade vor 2008 und die Kauforgien, die der anschließenden Weltwirtschaftskrise folgten, haben dem Rohstoffboom erst eine Grundlage gegeben.

Jetzt erscheint dieses Wachstumsmodell an seine Grenzen zu stoßen. Chris Watling von Longview Economics weist darauf hin, dass sich China unter den führenden Volkswirtschaften der Welt am stärksten auf Kreditwachstum verlassen hat, dass das Land mit seinem Kapitaleinsatz zugleich aber die geringste Rendite erwirtschaftete. Jetzt spricht Peking davon, die Wirtschaft neu ausrichten zu wollen – der private Konsum soll wichtig werden, nicht allein die Investition in Infrastruktur. Chinas Bautätigkeit dürfte deshalb Mitte 2011 ihren Höhepunkt erreicht haben, meint Watling.

Das spricht – zusammen mit der IWF-Prognose – dafür, dass die Wachstumraten in den Schwellenländern im Vergleich zum Vorkrisenniveau strukturell niedriger ausfallen. Das sind keine guten Vorzeichen für Rohstoffe. Selbst wenn das Wachstum in den USA und Europa wieder anziehen sollte – was Aktien gut täte – würde es weit weniger stark auf die Rohstoffpreise durchschlagen wie eine Expansion in den Schwellenländern.

Das letzte Puzzlestück im Rohstoffmarkt ist das hohe Alter, dass der Zyklusmittlerweile erreicht hat: Der Bullenmarkt läuft mitterlweile seit rund 15 Jahren, und allmählich zeigt sich die übliche Reaktion auf den Anstieg der Preise: ein wachsendes Angebot. Der Schiefgasboom in den USA ist ebenso Ausdruck dafür wie ein heraufziehendes Überangebot an Eisenerz. Das trübt die Hoffnung auf weitere große Preissteigerungen.

Es ist kein Zufall, dass die Vorstände von Minenunternehmen zurzeit reihenweise gehen müssen, nachdem sie zuvor jahrelang für das Wachstum gefeiert wurden und dass überforderte Öldienstleister von aktivistischen Hedgefonds belagert werden.

Zumindest in dieser Ecke des Aktienmarktes ist die Laune nicht übermäßig gut.

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