Die teilverstaatlichte Commerzbank CBK.XE -3,79% Commerzbank AG Germany: Xetra 11,30 -0,45 -3,79% 02 Okt. 2014 16:17 Volumen (​15 Min. verzögert) : 10,17 Mio. KGV 26,89 Marktkapitalisierung 13,37 Milliarden € Dividendenrendite N/A Umsatz/Mitarbeiter 329.734 € kommt noch schwerer voran als gedacht. Abschreibungen sorgten für einen überraschend hohen Verlust von 720 Millionen Euro im Schlussquartal des Vorjahres, und auch im ersten Quartal rechnet Deutschlands zweitgrößte Bank mit hohen Belastungen. Der Bank machen Steueransprüche und Kosten für den Umbau zu schaffen, allen voran der geplant Abbau von bis zu 6.000 Stellen. Die Aktie gab nach Bekanntgabe der Zahlen kräftig nach.

Für tiefrote Zahlen im vierten Quartal sorgten insbesondere Steuerbelastungen, die zu Abschreibungen von 560 Millionen Euro führten, sowie Wertberichtigungen aus dem Verkauf der Ukrainischen Bank Forum in Höhe von 185 Millionen Euro. Im Gesamtjahr liefen damit Abschreibungen von fast einer Milliarde Euro auf, so dass unter dem Strich nur ein magerer Gewinn von sechs Millionen Euro übrigblieb. Im Vorjahr hatte die Bank immerhin noch 638 Millionen Euro verdient.

Eine Filiale der Commerzbank in Frankfurt dapd

Ursprünglich hatte die Commerzbank mittelfristig mit höheren Gewinnen gerechnet. Weil nach ihrer revidierten Planung die Gewinne der kommenden Jahre jetzt niedriger ausfallen werden als ursprünglich gedacht, kann die Bank Verlustvorträge aus den Milliardenverluste vergangener Jahre nicht in dem erwarteten Umfang ausschöpfen. Zu wünschen übrig ließ das Geschäft der Hypothekenbank, aber auch teilweise das Auslandsgeschäft. Und dann sind da noch die Altlasten: Die Commerzbank hat große Schwierigkeiten, ihre alten Risiken loszuwerden oder gar gewinnbringend zu verkaufen.

Auch ins neue Jahr startet die Bank mit einer Hypothek: Insgesamt rechnet sie allein im ersten Quartal mit einer halben Milliarde Euro an Kosten für den geplanten massiven Stellenabbau in der Bank. Bis zu 6.000 Stellen will die Commerzbank bis zum Jahr 2016 abbauen, nachdem die Bank schon einmal 9.000 Stellen im Zuge der Dresdner Bank-Übernahme gestrichen hatte. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über den neuerlichen Kahlschlag laufen im Februar an.

Die Commerzbank will jedoch nicht nur Kosten sparen, indem sie die Zahl ihrer Filialen deutlich senkt und Personal abbaut. Vielmehr will Vorstandschef Martin Blessing bis 2016 mit Investitionen von mehr als zwei Milliarden Euro das Kerngeschäft stärken. Im Jahr 2016 will die Bank in ihrem Kerngeschäft eine Eigenkapitalrendite nach Steuern (RoE) von mehr als 10 Prozent erreichen.

Die Aufwandsquote (CIR) der Kernbank mit den operativen Segmenten Privatkunden, Mittelstandsbank, Corporates & Markets sowie Zentral- und Osteurope soll auf rund 60 Prozent reduziert werden. Diese Bereiche sind die Hoffnungsträger der Bank. Vor allem im Geschäft mit dem Mittelstand läuft es gut.

Der erhoffte Schwung lässt aber noch auf sich warten. Ein Trost: Mit ihren Problemen steht die Commerzbank nicht allein. Auch Branchenprimus Deutsche Bank DBK.XE -2,16% Deutsche Bank AG Germany: Xetra 27,12 -0,60 -2,16% 02 Okt. 2014 16:17 Volumen (​15 Min. verzögert) : 7,27 Mio. KGV N/A Marktkapitalisierung 38,23 Milliarden € Dividendenrendite 2,77% Umsatz/Mitarbeiter 420.767 € schockierte in der vergangenen Woche mit einem Milliardenverlust. Die Probleme bei Deutschlands größter Bank sind allerdings anders gelagert. Das Institut hat insbesondere mit Milliardenkosten für Prozesse zu kämpfen und sorten für einen Verlust von mehr als zwei Milliarden Euro im vierten Quartal.

Die Commerzbank hat selbst schwere hausgemachte Probleme. So wickelt sie derzeit kostspielig ihr Geschäft mit der Staatsfinanzierung ab. Auch aus der Schiffsfinanzierung zieht sich die Bank zurück. Das Institut hat in der Krise insgesamt zu oft auf die falschen Pferde gesetzt. Auch die Übernahme der Dresdner Bank hat bei weitem nicht die erhofften Ergebnisse erzielt.

Banken wie die Commerzbank kämpfen auch damit, dass seit Beginn der Finanzkrise die Bereitschaft der Bankkunden zu Geldanlagen gering geworden ist. Gerade im Privatkundengeschäft ist der Markt außerdem stark umkämpft. Das gilt in besonderem Maße in Deutschland, wo neben den Privatbanken auch die Sparkassen und genossenschaftliche Institute um Marktanteile kämpfen. Und während das Privatkundengeschäft immer weniger abwirft, können die Banken diesen Einbruch noch nicht einmal mit dem Investmentbanking auffangen: Zum einen fordern Politiker und die Öffentlichkeit einen Kulturwandel, bei dem nicht mehr jedes Geschäft gemacht wird, das möglich ist; zum anderen sorgt das niedrige Zinsniveau dafür, dass mit den wenig risikobehafteten Anlagen kaum noch Geld zu verdienen ist.

Die enormen Verluste der beiden großen deutschen Banken im Schlussquartal erhöhen den Druck im internationalen Vergleich. Amerikas Großbanken machten im Schlussquartal des letzten Jahres schon wieder dicke Geschäfte. Mehr Vergleiche gibt es im Wochenverlauf, wenn die Schweizer Branchenriesen UBS UBSN.VX -1,44% UBS AG Switzerland: SWX Europe CHF16,43 -0,24 -1,44% 02 Okt. 2014 16:17 Volumen (​15 Min. verzögert) : 8,13 Mio. KGV 18,67 Marktkapitalisierung 64,08 Milliarden CHF Dividendenrendite 1,52% Umsatz/Mitarbeiter 582.244 CHF uns Credit Suisse CSGN.VX -2,16% Credit Suisse Group AG Switzerland: SWX Europe CHF25,84 -0,57 -2,16% 02 Okt. 2014 16:17 Volumen (​15 Min. verzögert) : 3,43 Mio. KGV N/A Marktkapitalisierung 42,45 Milliarden CHF Dividendenrendite 2,71% Umsatz/Mitarbeiter 740.848 CHF ihre Zahlen vorlegen.

Am Aktienmarkt reagierten die Anleger mit Enttäuschung auf die Zahlen der Commerzbank: Die Aktie der Bank fiel am Montagnachmittag um mehr als fünf Prozent.

Wenigstens für den deutschen Steuerzahler fällt erstmals seit der Beteiligung an der Bank etwas ab: Der Bund kann aufgrund des mageren Gewinns im vergangenen Jahr mit Einkünften von rund 150 Millionen Euro rechnen. Das entspricht einer Zinszahlung von neun Prozent auf seine Kapitalanlage.

Die vollständigen Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr wird die Commerzbank am 15. Februar veröffentlichen.

Kontakt zu den Autoren: Madeleine.Nissen@wsj.com und matthias.goldschmidt@dowjones.com