Das von Archäologen der Universität Leicester unter einem Parkplatz der Stadt entdeckte Skelett ist wirklich der sterbliche Überrest von König Richard III (1452 - 1485) von England. Letzte Zweifel an der Herkunft des schon im Herbst vergangenen Jahres freigelegten Skelettes räumte nun ein DNS-Test aus, wie mit der Prüfung beauftragte Experten britischen Medien zufolge am Montag mitteilten. Demnach stimme das Genmaterial aus den exhumierten Knochen mit dem von Nachkommen der Familie des Monarchen überein. Einer der beiden Nachfahren ist der Kanadier Michael Ibsen, Sohn einer Nichte 16. Grades von Richard. Der andere wollte anonym bleiben.

Letzte Ruhe für Richard III

University of Leicester/Reuters

Richard, der England von 1483 bis 1485 regierte, sorgt als historische Figur schon seit Wochen wieder für hitzige Diskussionen unter Briten. Der vielleicht umstrittenste aller Royals gilt den einen als kaltblütiger Mörder, den anderen als aufgeklärter Herrscher. 1483 griff er nach der Macht und setzte seinen Neffen, den 12-jährigen Edward IV, wegen dessen angeblich illegitimer Abstammung ab. Der Legende nach soll Richard seine beiden Neffen im Tower eingesperrt haben. Da sie nie wieder gesehen wurden, gilt Richard als ihr Mörder. Er selbst wurde 1485 in der Schlacht von Bosworth getötet, dem Endpunkt der Rosenkriege zwischen den Häusern York und Lancaster.

Das Leben von Richard blieb der Nachwelt besonders in Erinnerung, weil es Englands berühmtester Dramatiker William Shakespeare zu einem Historiendrama verarbeitete. „Ein Pferd! Ein Pferd! Ein Königreich für ein Pferd!" lautet die wohl bekannteste Zeile. In dem Stück ist Richard ein buckliger Intrigant, der aus Machtlust die eigene Familie auslöscht. Einige Richard-Anhänger werfen dem knapp 80 Jahre nach dem Tod des Königs geborenen Shakespeare vor, er habe den Herrscher aus politischen Gründen verzerrt dargestellt. Sie verteidigen ihn als aufgeklärten Herrscher, der fortschrittlich dachte und den Handel sowie die Verbreitung von Büchern förderte.

Richard III

Bisher war unklar, wo Richard nach der Schlacht beerdigt worden war. Nach dem Aufsehen erregenden Skelettfund im September hatte die Universität bereits von dessen höchst verkrümmter Wirbelsäule berichtet, was wiederum zeitgenössischen Beschreibungen von Richard III. entsprach. Auch passe der Fundort zu den Angaben, die es zum Grab des Monarchen gebe. Zudem seien typische Kriegswunden an dem Skelett des Königs gefunden worden, unter anderem eine am Kopf, die von einer Hellebarde herrühren dürfte.

Schon vor der endgültigen Identifizierung hatten Richard-Fans hitzig darüber diskutiert, wo der König seine letzte Ruhestätte finden solle. Während die einen ihn in Leicester behalten wollten, verlangten andere, dass er in seine Heimatstadt York gebracht werden müsse. Wiederum andere forderten ein Staatsbegräbnis in der Westminster Abbey oder Windsor Castle. Die zuständige Universität von Leicester hat nun aber entschieden, dass er in der knapp 90 Meter entfernten Kathedrale der Stadt beigesetzt werden soll. Anfang kommenden Jahres solle es dort einen Gedächtnisgottesdienst geben.

—Mit Material von dapd

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