Eine Frau ist als "Creeper" aus dem Spiel Minecraft auf der Comic-Con in San Diego verkleidet. Reuters

Zynga, ZNGA +0,52% Zynga Inc. Cl A U.S.: Nasdaq $2,90 +0,02 +0,52% 29 Aug. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 5,24 Mio. NACHBÖRSLICH $2,90 +0,01 +0,17% 29 Aug. 2014 19:53 Volumen (​15 Min. verzögert) : 109.712 KGV N/A Marktkapitalisierung 2,58 Milliarden $ Dividendenrendite N/A Umsatz/Mitarbeiter 344.245 $ der weltgrößte Anbieter von Social Games im Internet, braucht 3000 Beschäftigte, um einen Gewinn von mehr als 150 Millionen US-Dollar im Jahr zu erreichen. Das Büro einer weithin unbekannten Firma in Stockholm machte mehr als die Hälfte dieser Summe. Und das mit gerade einmal 29 Mitarbeitern.

Das Unternehmen heißt Mojang AB. Es ist ein Softwareunternehmen, das eines der heißesten Spiele im Netz programmiert hat. Der Name des Spiels: Minecraft, eine Arte virtuelles Lego, das für Spieler rund um die Welt zu einer Obsession geworden ist.

20 Millionen verkaufte Minecraft-Kopien

Mojang hat von dem Spiel mehr als 20 Millionen Kopien verkauft. Es läuft auf Smartphones, der Spielekonsole Xbox und PCs. Das Spiel wird per Download im Internet vertrieben und nicht über den Einzelhandel oder Filialen von Computerspiele-Läden wie Gamestop.

Video auf WSJ.COM

Minecraft, an old-style Internet game made by Swedish outfit Mojang, has become a gamers' favourite. WSJ's Ben Rooney explains its success as a social-network hybrid that doesn't rely on virtual product sales for its success.

Für Mojang hat sich das als gutes Geschäftsmodell erwiesen. Vergangenes Jahr verdiente das Unternehmen laut offiziellen Zahlen rund 90 Millionen Dollar vor Steuern und Abschreibungen, bei einem Umsatz von 235 Millionen Dollar. Im Vergleich dazu erwartet Zynga nach jüngsten Schätzungen des Unternehmens bei 1,09 bis 1,1 Milliarden Dollar Umsatz ein Ebitda von 152 bis 162 Millionen Dollar.

Spiel wurde im Alleingang programmiert

Mojang wurde 2010 von dem heute 33-jährigen Markus Persson gegründet, der als einziger Programmierer von Minecraft mit dem Verkauf über das Internet begann. Das Unternehmen bekam bereits mehrere Übernahmeangebote von größeren Videospiele-Firmen und anderen – darunter der ehemalige Facebook-Manager Sean Parker. Doch bislang hat das Unternehmen kein fremdes Geld angenommen.

Ein ähnliches Online-Vertriebsmodell wie Mojang hat der Computerspiele-Hersteller Activision-Blizzard ATVI +0,81% Activision Blizzard Inc. U.S.: Nasdaq $23,54 +0,19 +0,81% 29 Aug. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 7,09 Mio. NACHBÖRSLICH $23,40 -0,14 -0,59% 29 Aug. 2014 18:03 Volumen (​15 Min. verzögert) : 62.205 KGV 53,33 Marktkapitalisierung 16,75 Milliarden $ Dividendenrendite 0,85% Umsatz/Mitarbeiter 621.739 $ für seine Spiele wie die Diablo-Reihe und „World of Warcraft", auch wenn beim letztgenannten Spiel zusätzlich ein monatliches kostenpflichtiges Abo notwendig ist. Activision Blizzard wird an der Börse etwa mit dem 14-Fachen des jährlichen Gewinns gehandelt. Bewertet man Mojang nach demselben Maßstab, wäre das Unternehmen mehr als eine Milliarde Dollar wert.

Fanatische Minecraft-Spieler nutzen das Spiel als eine Art virtuelle Leinwand. Sie nehmen ihre phantastischen Welten häufig auf Video auf und stellen sie auf Youtube. Außerdem veröffentlichen sie Videos von Fans in Pappmaschee-Kostümen, die die Charaktere des Spiels verkörpern.

Virtuelles Lego als Spielprinzip

In dem Spiel kontrolliert der Spieler einen namenlosen Erbauer, der die Fähigkeit hat, verschiedene Materialien in dem Spiel abzubauen – etwa Steine, Bäume oder Sand – und sie zu Rohstoffen zu verarbeiten. Die Spieler können die Rohstoffe dann zusammensetzen wie sie wollen oder neue Objekte erschaffen wie Fackeln und Äxte. Nachts laufen sie im Standard-Spielmodus Gefahr, von Kreaturen angegriffen zu werden. Auch die vom Spieler errichteten Gebäude können in die Luft gejagt werden – von grünen Monstern, die „Creeper" genannt werden. Der Spieler muss strategisch entscheiden, wie, wann und wo er baut.

Die Vermarktung des Spiels als Werkzeug für Kreative scheint Minecraft eine längere Lebensspanne zu geben als anderen Computerspielen. Klassische Spiele, die häufig im Bereich Sport oder Militär angesiedelt sind, benötigen meist jährlich neue Versionen, um die Verkaufsmaschinerie am Laufen zu halten. Mojang versucht die Spieler bei der Stange zu halten, indem das Spiel regelmäßig mit neuen Gegnern, Ressourcen und Orten aktualisiert wird.

Dank der originären, aber einfachen Pixelgrafik läuft das Spiel nicht nur auf PCs, sondern auch auf Smartphones und sogar innerhalb von Webbrowsern flüssig. Im April vergangenes Jahr spielten laut Unternehmen rund 50 Prozent der Kunden, die das Spiel gekauft hatten, es mindestens einmal in der Woche online. Mojang verkauft jeden Tag etwa 10.000 neue Kopien der PC/Mac-Version von Minecraft. Während der Woche ab dem 24. Dezember gab es ein Sonderangebot für 27 Dollar. In dieser Woche verkaufte das Unternehmen einer viertel Million Exemplare.

Top-App im iPhone-Store

Mojang hat mehr als sechs Millionen Kopien der Smartphone-Version des Spiels verkauft. Derzeit gehört Minecraft zu den umsatzstärksten Apps im App Store AAPL +0,24% Apple Inc. U.S.: Nasdaq $102,50 +0,25 +0,24% 29 Aug. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 40,68 Mio. NACHBÖRSLICH $102,55 +0,05 +0,05% 29 Aug. 2014 19:59 Volumen (​15 Min. verzögert) : 3,91 Mio. KGV 16,45 Marktkapitalisierung 612,26 Milliarden $ Dividendenrendite 1,83% Umsatz/Mitarbeiter 2.214.380 $ für iPhone und iPad. Laut AppData zählt es bereits seit 14 Tagen zu den 10 umsatzstärksten Apps. Gegenüber Nachahmern erweist sich der Erfolg des Spiels als resistent. Es ist bereits mehrere Jahr auf den Markt und kein erfolgreicher Klon ist in Sicht.

Die Entwicklungskosten sind noch immer niedrig. Heute arbeiten vier Programmierer an der PC-Version, zwei für die iPhone-Version. Die restlichen Mitarbeiter arbeiten an der Xbox-Version, im Kundenservice, in der Geschäftsführung oder in anderen Funktionen.

Gründer Persson konnte für einen Kommentar nicht erreicht werden. Ein Sprecher von Mojang sagt, dass Persson sich auf sein nächstes Projekt konzentriere: „Tent to the C" soll ein Abenteuer werden, das im Weltraum spielt.

„Es gibt keinen ähnlichen Fall wie Minecraft mit einem solchen Erfolg. Es gibt verschiedene Seiten dieser Geschichte, die dafür verantwortlich gemacht werden können, warum es erfolgreich ist", sagt Nabeel Hyatt, Partner bei Spark Capital, der in Twitter sowie Computerspiele-Websites wie OMGPOP investiert hat. „Auf der einen Seite ist es die Geschichte eines einzelnen Programmierers, der ein Spiel innerhalb einer Community programmiert – und die Community beobachtet ihn seit der ersten Zeile Code. Es ist auch die Geschichte einer großen Community, die das Spiel nutzt und beginnt, ihre eigenen Modifikationen zu bauen, ihre eigenen Mehrspieler-Server."

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